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Februar 1987 Bibelbund e.V. Infobrief Nr. 2
Reprint: Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR - Jugendarbeit der Brüder-Gemeinden - Beauftragter: Karl-Heinz Vanheiden, Homeyerstr. 3, Wolgast 2220 (ehemalige Anschrift)
Geschäftsstelle & Verlag Friedrichsgrüner Str. 83, D-08269 Hammerbrücke, Tel. 037465/44455, Fax: 037465/44422, eMail: Bibelbund@christen.net
Internet: http://www.bibelbund.christen.net

Inhalt:

  1. Über Spechte spricht man lieber nicht! (KUHN)
  2. Sodom und Gomorrha im Licht biblischer Archäologie (SCHÄLLER)
  3. Neuheiten im Kino - Fantasy-Filme (BERGMANN)

Über Spechte spricht man lieber nicht

In seinen Jugenderinnerungen schildert der berühmte Biologe Otto Schmeil ein Ereignis, das seinen ganzen Lebensweg fortan entscheidend beeinflussen sollte. Er war als Junge an dem Schulfach Biologie durchaus nicht sonderlich interessiert - bei dem langweiligen, sich vorwiegend in trockener Systematik erschöpfenden Unterricht dieser Zeit nur allzu begreiflich. Doch eines Tages wurde er zu seinem alten Lehrer in die Wohnung bestellt, um irgendwelche Hefte abzuliefern. Dort sah er sich unvermutet einem ausgestopften Buntspecht gegenüber, der kunstvoll vor seinem Nisthöhleneingang auf einem Stück Baumstamm montiert zwischen überladenen Bücherregalen an der Wand hing. Dieser Anblick ließ ihn nicht mehr los. Seine Hefte, den ihn mit brummiger Freundlichkeit empfangenden Lehrer und alles um sich herum vergessend, starrte er fasziniert auf das so lebensecht präparierte Tier. Dabei widerfuhr ihm, was die Psychologen später ein "Aha-Erlebnis" nannten. Blitzartig, ohne langes Vergleichen oder Nachgrübeln, "intuitiv" also erkannte Schmeil, dass dieser Vogel schlechthin "vollkommen" ist! Nicht nur, weil er einen ganz besonders langen, kräftigen, scharfrandigen und meißelförmig zugespitzten Schnabel besitzt, nein, er verfügt auch über die "dazugehörigen" besonders starken Nackenmuskeln, ohne die jenes vorzügliche Werkzeug zu Holzbearbeitung gar nicht zu gebrauchen wäre. Doch auch dies allein genügte ja bei weitem noch nicht! Ohne seinen sperrigen, hartfedrigen "Stützschwanz", den er dabei fest gegen den Baumstamm presst, fehlt dem Specht der erforderliche "Rückhalt" und er müsste fortwährend aus dem Gleichgewicht geraten. Mehr noch. würden die Schwanzfedern, wie ansonsten allgemein üblich, in einer fein verästelten Federfahne enden, wären sie bald schon hässlich abgewetzt und unbrauchbar. So aber laufen sie in einer verlängerten kräftig elastischen Kielspitze aus! Eines passt, wie von einem genialen Konstrukteur geplant, genau zum anderen. Die absonderlich gestalteten Spechtfüße mit zwei nach vorn und zwei nach rückwärts gerichteten Zehen stellen die einzige sinnvolle Ergänzung des Stützschwanzes eines "Stemmkletterers" dar, weil nur durch diesen "technischen" Trick ausreichend sicherer Halt gewährleistet ist - im Verein mit nadelspitzen, langen Krallen, die selbst in feinste Borkenritzen eindringen können. Dass die Beine des Spechtes auch extrastarke Muskeln besitzen - wen wundert`s nach allemdem noch?

Was der junge Otto Schmeil an dem toten Präparat allerdings nicht sehen konnte, war die einzigartige Spechtzunge als wiederum "richtige" Ergänzung des langen Meißelschnabels. Vergleichbares findet sich bei keinem anderen Vogel: gestützt durch ein wahrlich überdimensionales Zungenbein, dessen Enden an der Stirn festgewachsen sind und das sich in weiten Bögen um den ganzen Schädel herum spannt, kann sie zum Beispiel bei unserem Grünspecht mehr als zwanzig Zentimeter weit herausgestreckt werden. Dabei leitet sie durch eine Art "Leimbeutel" hindurch und wird um und um mit klebrigem Speichel überzogen, an dem Ameisen und andere Insekten hilflos zappelnd hängen bleiben. Die Buntspechte dagegen "harpunieren" ihre Beute regelrecht aus den aufgemeißelten Fraßgängen, denn ihre ebenfalls ungewöhnlich lange Zunge ist nicht klebrig, sondern besitzt in der Tat wie eine Harpune nach rückwärts gerichtete Stacheln, die aufgespießten Insektenlarven keinerlei Chance zum Entrinnen gewähren.

Doch alles, was sich da an "technischen" Einzelheiten gegenseitig so vortrefflich und sinnvoll ergänzt, wäre nutzlos, verfügte unser Specht als einziger Vogel nicht über einen geradezu genialen "Stoßdämpfer" in seinem Schädel. Auf so einzigartige Weise bewahrt er das Gehirn vor Verletzungen, dass unlängst amerikanische Forscher diese rätselhafte Sache genauer untersuchten, um nach dem Vorbild des Spechtschädels neuartige Sturzhelme für Motorradfahrer konstruieren zu können, die selbst bei hartem Aufprallen eine Gehirnerschütterung vermeiden helfen. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die im auffallenden Gegensatz zu anderen Vögeln besonders starkwandige knöcherne Schädelkapsel der Spechte allein keinesfalls ausreicht, um bei einer Schlagfolge von 10-15 Schnabelhieben pro Sekunde auf Äste und Baumstämme - in Trommelwirbel, der selbst einen versierten Schlagzeuger, mit beiden Händen ausgeführt, ins Schwitzen bringen dürfte! - das so empfindliche Gehirn vor Schäden zu bewahren. So ist es denn nur bei den Spechten unter den Schädelknochen noch einmal zusätzlich schützend von einer extradicken bindegewebigen Hülle umgeben. Nein, nicht einmal der erfahrenste Sturzhelmspezialist hätte auf eine bessere Idee verfallen können!

Aber selbst damit sind wir noch nicht am Ende sämtlicher Voraussetzungen angelangt, die ausnahmslos erfüllt sein müssen, soll ein Specht auch wie ein Specht leben können. Dazu muss er schließlich alle seine technischen Mittel auch in der richtigen Art und Weise zu gebrauchen verstehen - und just dazu leiten ihn seine Instinkte, die "angeborenen Gebrauchsanweisungen" für sämtliche Organe, im rechten Augenblick an, ohne dass es eines mühsamen und langwierigen Erlernens bedürfte! Man stelle sich das doch einmal ganz plastisch vor: einen Specht, der nicht "zufällig" - und eine andere Erklärung erlaubt ja die neodarwinistische Ideologie nicht - die richtigen, sondern die Instinkte einer Ente besäße! Der Bedauernswerte würde also versuchen, mit seinem ungeeigneten Schnabel zu gründeln und mit Hilfe der Kletterfüße zu schwimmen. Ein vergebliches Bemühen - mehr noch: ein tödliches Unterfangen, denn der Ärmste wäre ja gar nicht mehr dazu fähig, das Wasser durch Auffliegen zu verlassen und müsste elend zugrunde gehen. Durch nur einen einzigen "Fehler" in der "Gesamtplanung", wohlgemerkt!

Es ist also tatsächlich keine Übertreibung, wenn wir feststellen, dass so ein ganz "gewöhnlicher" Specht wirklich vollkommen ist; denn wie anders könnte er sonst auch sein absonderliches "Spechtleben" fristen? Doch wie in aller Welt konnte eine "ganz allmähliche", eine langsame Höherentwicklung über lange, lange Zeiträume zu dieser Vollkommenheit führen, wenn doch alles erst "funktioniert", wenn auch nicht eine einzige der genannten Voraussetzungen - und das sind beileibe noch nicht alle! - mehr fehlt? Gewiss: vor diese immerhin entscheidende Frage stellt uns ein jeder lebendige Organismus, aber gerade am Beispiel der Spechte offenbart sich die Unfähigkeit einer "naiven" (P. P. Grassé) neodarwinistischen Theorie, die Ganzheitsnatur der Lebewesen allein durch "Zufall und Notwendigkeit erklären zu können, selbst dem biologischen Laien auf eine wahrhaft überzeugende Art und Weise. Mit dem Literaturnobelpreisträger Francois Mauriac erkennt jeder, der noch ein wenig logisch und kritisch denken kann, wie viel "frommer Glaube" dazu gehört, hier noch den blinden Zufall als einzige "schöpferische" Ursache annehmen zu wollen!

Jedoch ganz abgesehen von der astronomischen Unwahrscheinlichkeit, dass sämtliche unerlässlichen Voraussetzungen des Spechtlebens ausgerechnet gerade so und ohne den geringsten Fehler, die winzigste "Panne", zusammengetroffen wären: es hätte dieses aller Vernunft und Wahrscheinlichkeitsmathematik widersprechende Ereignis also auch noch schlagartig eintreten müssen, denn alle noch nicht fertigen, mithin unvollkommenen Vorstufen wären ja nach einem unumstößlichen Dogma der Evolutionstheorie der unbarmherzigen, alles nicht Lebensfähige ausmerzenden Selektion zum Opfer gefallen!

Diesen unlösbaren Widerspruch in der darwinistischen "Theorie der Hoffnungslosigkeit" (P. P. Grassé) führt gerade das Beispiel der Spechte wiederum eindrucksvoll vor Augen. Man stelle sich doch diese wahrhaft vertrackte Situation nur einmal in aller Deutlichkeit vor. Da zwingen in irgendeiner Umweltsituation, in einer "ökologischen Nische", die besonderen Ernährungsverhältnisse Vögel plötzlich dazu, sich entsprechend umzustellen - ihr Futter nicht mehr auf dem Boden, an Ästchen und Zweigen zu suchen, sondern Insektenlarven aus ihren Fraßgängen im morschen Stammholz herausholen zu müssen. Irgendwann hat - getreu der Theorie! - dann einer glücklicherweise durch eine "zufällig" just zur rechten Zeit erfolgte blinde, richtungs- und ziellose Mutation ausgerechnet einen längeren Schnabel erhalten als seine weniger glücklichen Artgenossen. Ein wahres Himmelsgeschenk (oh! Pardon: ein Darwinismusgeschenk natürlich!), das ihm also einen "Selektionsvorteil" beschert. Doch ach, er kann leider nichts mit ihm anfangen! Im Gegenteil, er ist nur hinderlich, dieser lange, eigentlich ja so zweckmäßige Holzmeißel - denn leider, leider fehlt zur rechten Verwendung die "angeborene Gebrauchsanweisung" Instinkt. Doch machen wir großzügig ein Zugeständnis, selbst wenn es aller Wahrscheinlichkeitsrechnung spottet, und nehmen wir mal an, zufällig sei gleichzeitig eine zweite, nicht minder blinde und ziellose Mutation erfolgt, die ausgerechnet diese Instinktänderung bewirkte. Nun versucht unser doppelt mutierter zukünftiger Specht also zu meißeln. Doch der Ärmste verliert schon beim ersten Ansatz das Gleichgewicht, weil er weder den erforderlichen Stützschwanz zur Verfügung hat, noch bis dato die passenden Zehen mit entsprechenden Krallen. Kopfunter purzelt er hilf- und haltlos von seinem Baum herunter, auf dem er seine "halbfertige" Kunst probiert, und wird, noch bevor er verhungert, eine leichte Beute seiner natürlichen Feinde.

Aber geben wir ihm noch eine Chance - der Phantasie sind ja im Gegensatz zur unerbittlichen Naturwirklichkeit keinerlei Grenzen gesetzt! Nehmen wir der Einfachheit halber an, er hätte eine provisorische Art des Sichfestklammerns erfunden, eine Übergangslösung sozusagen, um auf eine freilich mühsam umständliche Weise dennoch meißeln zu können. Wie lange hätte er diese Tortur wohl durchgehalten - ohne kräftige Nackenmuskeln und den speziellen "Stoßdämpfer" um sein Gehirn? Und wie eigentlich hätte er, ohne lange Spechtzunge, die Larven aus den aufgemeißelten Fraßgängen herausholen sollen? Apropos Spechtzunge: wenn sich diese Harpune vor dem stützenden Zungenbein und nicht exakt gleichzeitig mit ihm entwickelt hätte, wäre unser armer Specht bereits vor dem ersten Versuch, dieses neue Werkzeug in der richtigen Weise zu benutzen, daran erstickt. Allerdings: um es benutzen zu können, fehlte ihm zudem der Instinkt!

Man könnte nun - oh Freiheit der Gedanken! - die hypothetische Specht-Evolution natürlich auch sozusagen am anderen Ende des Vogelkörpers beginnen lassen, am Schwanz also oder an den Füßen. Doch weder ein das Meißeln im doppelten Wortsinne "unterstützender" Schwanz, noch Spechtfüße bedeuten irgendeinen Überlebensvorteil im Kampf uns Dasein, solange der dazu "passende" Schnabel, die Harpunenzunge mit entsprechender Zungenbeinstütze, Nackenmuskulatur, "Stoßdämpfer" usw. usw. usw. noch fehlen. Man mag es drehen und wenden, wie immer man will - es wird nichts aus der Sache! Niemals kann bei diesem lange währenden Zufallswürfelspiel irgendetwas Vernünftiges herauskommen!

Doch halt! Gibt es da nicht tatsächlich so etwas wie einen provisorischen Zwischenzustand, eine "Übergangsform" vom gewöhnlichen Finken zum zukünftigen Vollspecht? Hat da nicht eine Art der Darwinfinken auf den Galápagosinseln eine höchst interessante "Erfindung" gemacht, um auch ohne Meißelschnabel und lange Klebezunge oder "Harpune" im Schnabel Insektenlarven aus Borkenritzen und Fraßgängen herauszuholen? Nein, das ist kein "Jägerlatein": Die Vögel benutzen wirklich dünne Zweige oder abgebrochene Kaktusdornen, um damit als "Hebelstange" die Borke aufzustemmen und in den Larvengängen herumzustochern, ihre verborgene Beute aufzuspießen und aus dem sicheren Versteck herauszuziehen. Nur sind bis heute eben doch keine richtigen Spechte aus diesen Finken geworden. Ja, gerade nach der dawinistischen Theorie würde fatalerweise eine derartige "Zwischenlösung" just den erforderlichen "Selektionsdruck" beseitigen, denn den Erfordernissen der "ökologischen Nische" ist damit offensichtlich voll Genüge getan. Wie sonst könnten die "Spechtfinken" bis in unsere Tage überlebt haben? Im Übrigen wäre das rein zufällige richtige Zusammentreffen aller Mutationen, die solch ein komplizierter Instinkt nun einmal voraussetzt, wiederum ein Kapitel für sich!

Interessanterweise gibt es in unserer heimatlichen Vogelwelt ein ganz entsprechendes Beispiel! Nur ist es hierzulande kein "Spechtfink", sondern eine "Spechtmeise", die als "Modell" einer Vorstufe zum "echten" Specht betrachten könnte, wer verzweifelt nach dergleichen suchen muss, da die Theorie nun einmal mit derartigen "Brückentieren" steht oder fällt: der Kleiber! Doch wenn man sich dieses muntere Kerlchen etwas genauer ansieht und seine Lebensweise eingehender untersucht, dann wird nur allzu bald deutlich: für ihn gilt das Gleiche wie für die Spechtfinken von Galapagos! Nicht einmal als "Modell" einer bestimmten Entwicklungsstufe des Spechts wäre er geeignet, denn mit seinen "Ersatzlösungen" ist ja ebenfalls jeder entsprechende "Selektionsdruck" verschwunden! Es besteht mithin keinerlei Grund mehr zu weiteren "Höherentwicklungen" - was allein ja schon die unleugbare Tatsache beweist, dass Kleiber leben und überleben! So braucht der auffällig kurzschwänzige Vogel gar keinen Stützschwanz zu entwickeln, weil er instinktiv seine Füße so schräg stellt, dass er dennoch niemals das Gleichgewicht verliert. Er bringt damit sogar fertig, was ihm kein "echter" Specht nachmachen kann: kopfunters einen Baumstamm hinabzulaufen! Ebenso wenig benötigt er einen Meißelschnabel mit passenden Halsmuskeln und Gehirn-Stoßdämpfern. Auch für diese typische Spechtarbeit und alle dazu benötigten Organe hat er einen Instinkt als "Ersatz" ausgebildet: er versucht erst gar nicht, selbst Nisthöhlen zu meißeln, sondern bezieht die längst verlassenen, leer stehenden anderer Tiere. Damit aber der "instinktiven Vernunft" nicht genug: er klebt - daher der Name Kleiber, was ja "Kleber" bedeutet! - die zumeist viel zu weiten Öffnungen dieser Nistgelegenheiten sorgfältig so weit zu, dass sein rundlicher Körper gerade eben hindurchpasst, größere Feinde aber nicht zu folgen vermögen. Dazu sucht er sich Pfützen mit nassem Lehm, packt Klümpchen für Klümpchen mit seinem Schnabel, fliegt zurück zur Höhle und "klebt" soviel davon neben- und aufeinander, bis das Ziel erreicht ist. Kein gelernter Maurer könnte es in diesen Dimensionen wohl besser! Außen "verputzt" er sein Mauerwerk auch noch durch Überstreichen mit Lehm - nur auf der Innenseite lässt er die "rohe" Wand so wie sie ist, Man möchte fast sagen: hier sieht es ja auch niemand!

Nein, Spechte dürfte es nach alledem eigentlich keine geben - ebenso wenig wie Eichhörnchen, über deren angebliche Evolution durch richtungslose Zufallsmutationen der bekannte Physiker Walter Heitler interessante Berechnungen anstellte. Auch bei diesen munteren Kletterern und Springern bewegt sich die Unwahrscheinlichkeit für eine langsame Evolution in derart astronomischen Zahlenbereichen, dass sie ruhig als unmöglich bezeichnet werden darf! Das Wunder besteht "nur" darin, dass es eben dennoch sowohl Spechte als auch Eichhörnchen auf unserer Erde gibt. Mehr noch: über eine Million Tierarten, von denen jede, selbst die unscheinbarste Insekten- und Wurmart, auf ihre Weise und für ihre Lebenserfordernisse "vollkommen" ist! Doch kommen wir noch einmal auf Fr. Mauriac zurück. Wie Recht hatte er: keine Religion, nicht einmal die intoleranteste Sekte verlangt von ihren Anhängern so viel "frommen Glauben" wie eine Theorie, die alles, aber auch restlos alles allein mit dem sinnleeren "Zufall" erklären möchte! Ob wir nun Specht oder Ente, Spechtfink von Galapagos oder den einheimischen Kleiber, Eichhörnchen oder was auch immer für Tiere betrachten - ausnahmslos ein jedes verfügt über alle erforderlichen Organe, um gerade sein spezifisches Leben führen zu können - und ebenso über sämtliche angeborenen "Gebrauchsanweisungen", die man im Zeitalter der Computer und Informatik treffender als "angeborene Programme" bezeichnen kann. Mehr noch: auch die Entwicklung dieser Organe selbst, während das Tier aus einer winzigen befruchteten Eizelle heranreift, erfolgt ja streng gesetzmäßig nach einem unverwechselbar artgemäßen "Programm".

Der Braunschweiger Informatiker Prof. Dr. W. Gitt hat darauf aufmerksam gemacht, dass am Anfang jedes beliebigen technischen Herstellungsprozesses stets eine Idee, ein Plan, eine Erfindung oder ein "Programm" steht. Dieser Plan ist "codiert" in einer technischen Zeichnung, einem Schaltplan oder einem EDV-Programm. Der Informatiker bezeichnet alle derartigen Substrate in codierter Form als "Information", die immer (!) das Ergebnis einer geistigen Initiative ist, niemals hingegen eine Eigenschaft der Materie, deren sich diese geistige Initiative nur als Mittel zum Zweck bedient. "Die gedanklichen Konzepte können zwar auf Materie geschrieben werden", meint Gitt - z.B. auf Papier, Magnetband oder DNS-Moleküle, "aber ihre Charakteristika sind ihr völlig wesensfremd".

Die Vorgänge während der Keimesentwicklung wie auch sämtliche biologische Leistungen im späteren Leben der Tiere verlaufen nun, so stellt der Informatikfachmann fest, streng programmgesteuert. Ja, Information ist "das wesentliche Kennzeichen der Prozesse des biologischen Lebens. Die Programmanweisungen sind mit Hilfe des genetischen Code codiert und in den DNS-Molekülen niedergeschrieben. Es ist wesentlich, auch hier festzuhalten, dass es sich um geistige Substrate mit großer Erfindungshöhe handelt". So ist etwa - um nur ein einziges Beispiel anzuführen! - die "codierte" Programmanweisung für die Photosynthese, also die Zuckersynthese mit Hilfe des Blattgrüns in Pflanzenblättern derart "kompliziert, dass sie bisher noch kein Verfahrenstechniker nachbauen konnte. Außerdem ist diese Maschinerie so genial und auf dichtestem Raum programmiert und gespeichert, dass heutige Forschung noch weit davon entfernt ist, die Programme überhaupt lesen zu können. Eine vollständige Nachahmung oder technische Realisierung ist trotz riesigen Forschungsaufwands bis heute nicht gelungen. Dies zeigt deutlich, welch geistige Potenz (!Verf.) wir hinter den natürlichen Systemen zu sehen haben ... auf welch aussichtsloses Unterfangen lassen sich die Evolutionstheoretiker ein, wenn sie allein in der Materie die Begründung des Entstehens des Lebens suchen!" (Zitiert aus einem Leserbrief, März 1984).

Was Gitt hier am Beispiel der Photosynthese erläutert, gilt gleichermaßen von allen Lebensleistungen, ob beim Aufbau oder aber beim "Funktionieren" des Organismus. Der blinde, ziel- und sinnlose "Zufall" jedenfalls hat im Zeitalter der Informatik als "Erklärung" der Entstehung von Information" restlos ausgespielt!

Wolfgang Kuhn
(Dr. rer. nat. Kuhn ist Professor für Biologie)


Sodom und Gomorrha im Licht der biblischen Archäologie

Vorbemerkungen: Seit es eine biblische Archäologie gibt, wurde immer wieder auch die Frage gestellt, ob sich über die durch Gottes Gericht zerstörten Städte Sodom und Gomorrha nicht wissenschaftlich Genaueres aussagen lasse. Für einen biblische Theologie wäre dies in der Tat von kaum zu überschätzendem Wert. Noch immer schwankt die genaue chronologische Einordnung der Erzväter. Lebte Abraham in der Zeit von ca. 2000-1700 v. Chr., wie ALBRIGHT, GLUECK und de VAUX vermuten? Oder im 17. Jahrhundert v. Chr., wie ROWLEY und CORNELIUS annehmen? Gelänge es, die Städte Sodom und Gomorrha auszugraben, dann wäre damit endlich ein fester Einsatzpunkt für die Datierung der Patriarchen, besonders des Erzvaters Abraham, gegeben. Aber die Städte waren bislang nicht aufzufinden.

Alle Erwähnungen, ob in der Bibel (z. B. Jes 1,10) oder in den Zeugnissen der profanen Weltgeschichte (z. B. Pompeij) sind sekundär von dem Bericht in 1Mo 19 abhängig. Dass die Anhänger der liberalen Kritik in ihm nur eine mythisch legendäre Überlieferung zu erblicken vermögen, bedarf kaum einer besonderen Erwähnung. Allenfalls sind sie noch zu dem Zugeständnis bereit, "dass die Überlieferung eine schwache Erinnerung an eine tatsächliche Katastrophe enthält"[1] Andererseits gilt 1Mo 14 auch vielen kritischen Forschern als ein Rätsel. Allzu deutlich ist diesem Kapitel die historische Faktizität aufgeprägt. Aber warum findet sich keine Spur dieser Städte, wenn es sie gab?

Neuere Forschungen brachten nun wiederum Bewegung in diese Frage. Bei den Ausgrabungen der alten Stadt Ebla (etwa 50 km südlich von Aleppo) sollten - so die z. T. sensationell aufgemachten Pressemitteilungen - die ersten profangeschichtlichen Hinweise auf die Existenz von Sodom und Gomorrha aufgetaucht sein. Darüber evtl. in einem späteren Beitrag. Unabhängig davon erregten etwa um die gleiche Zeit die Auffindung frühbronzezeitlicher Ortslagen am Ostufer des Toten Meeres das Interesse der archäologischen Fachwelt. Die nun folgende Publikation neuerer Forschungsergebnisse hätte kaum vorgelegt werden können, wenn Bruder Joachim KÖHLER/Zweenfurth nicht die Übersetzung vieler englischsprachiger Texte aus z. T. nur schwer zugänglichen Fachzeitschriften und Büchern bereitgestellt hätte. Ihm sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Zu den Forschern, die in neuerer Zeit den vielen ungelösten historischen Fragen ein Stück näher gekommen zu sein scheinen, gehören Walter E. RAST von der Universität Valparaiso (Indiana/USA) und R. Thomas SCHAUB von der Indiana-Universität im Bundesstaat Pennsylvania. Bei ihren Grabungen am Ostufer des südlichen Endes des Toten Meeres stießen sie auf mehrere sehr interessante Fundstellen, die ihrer Meinung nach am ehesten als "Anwärter" für die durch Gottes Gericht zerstörten "Städte der Ebene" (1Mo 13,12) in Frage kommen. Die Hauptstelle, BAB EDH-DHRA liegt etwa eine Meile östlich der Halbinsel Lisan, die vom Ostufer her zungenförmig in das Tote Meer hineinragt. BAB EDH-DHRA überragt das Tote Meer um die Höhe von ca. 180 Meter. Während der frühen Bronzezeit (3. Jahrtausend v. Chr.) war diese Ortslage bewohnt. Ohne Zweifel wurde es an dem steilen Felsufer erbaut, um sich besser verteidigen zu lassen.

Zu BAB EDH-DHRA gehört ferner ein Friedhof von wahrlich Aufsehen erregender Größe. Einer der Wissenschaftler schätzt, dass mehr als 20 000 Gräber zu ihm gehören. Bei Berücksichtigung der besonderen Bestattungsgewohnheiten dürften in ihnen mehr als 500 000 (!) Menschen begraben worden sein. Nach der Gewohnheit des Altertums finden sich auch Grabbeigaben; gewöhnlich Tongefäße, deren Anzahl auf etwa 3 Millionen geschätzt wird. Im Stadtinneren fand man ein großes rechteckiges Gebilde, vermutlich ein ehemaliger Tempel; sodann die Reste eines Baues, der von den Archäologen als Altar gedeutet wird.

BAB EDH-DHRA wurde nicht erst neuerdings entdeckt. Schon um 1924 stieß eine Forschergruppe unter Führung des jungen William Foxwell ALBRIGHT (John-Hopkins-Universität/ Baltimore) bei Vermessungsarbeiten in der Jordansenke auf die Stätte. ALBRIGHTs hervorragende wissenschaftliche Kenntnisse beherrschten die Welt der biblischen Archäologie für nahezu 50 Jahre. Zu ALBRIGHTs Forschergruppe gehörte auch M. G. KYLE (der Präsident des Theologischen Seminars Xenia; später Theologisches Seminar Pittsburgh). Die Ehre, BAB EDH-DHRA als erster entdeckt zu haben, gebührt jedoch dem Forscher Alexis MALLON, S.J. MALLON, ALBRIGHT und KYLE veröffentlichten Beschreibungen der Siedlungsstellen und brachten auch mancherlei Fundgegenstände mit. Dennoch fand dies alles nur wenig Beachtung.

Mitte der 60er Jahre tauchte nun in den Antiquitätenhandlungen der Jerusalemer Altstadt eine beachtliche Menge frühbronzezeitlicher Keramik auf. Das brachte die Forscher zum Aufmerken. Man verfolgte die Herkunft der Keramik bis zu ihrem Ursprungsort - und stieß auf BAB EDH-DHRA. Wie schon bei den berühmten Handschriftenfunden vom Toten Meer waren bedauerlicherweise! - die Beduinen mal wieder die "Ersten".

Natürlich waren unverzügliche Ausgrabungen notwendig. Die ASOR[2] in Jerusalem entsandte 1965 eine erste Expedition unter Leitung ihres Direktors Paul W. LAPP. In 3 Saisons führte er seine Grabungen durch und veröffentliche die vorläufigen Forschungsberichte. Leider konnte er durch einen tragischen Unfall seine Arbeit nicht beenden.

1975 wurden unter RAST und SCHAUB die Arbeiten erneut aufgenommen. Zu ihrer Expedition gehörte auch Donald J. ORTNER, ein Anthropologe vom Smithsonian-Institut. Anhand von Skelettresten untersuchte er den Körperbau jener Menschen, die einst auf dem großen Friedhof von BAB EDH-DHRA bestattet wurden. Schon um 1973 - noch während der vorbereitenden Vermessungsarbeiten - stieß man auf eine weitere Ortslage, Nu-meira. Sofort, noch vor jeder Grabungstätigkeit, erkannten die Forscher, dass hier einst ein gewaltiger Brand gewütet hatte. Poröse Holzkohle lag überall auf dem Boden herum. Mühelos konnte man sie mit der Hand zusammenscharren. Die gefundene Keramik[3] gestattete die Datierung: Numeira liegt zeitlich in der gleichen Periode, in der auch BAB EDH-DHRA bewohnt war.

RAST und SCHAUB führten zwei Grabungskampagne in Numeira durch. Bei der letzten, 1979, wirkte der Harvard-Professor Michael D. COOGAN leitend mit. Auf der Grundlage der hier gewonnenen Grabungsergebnisse legte das Archäologen-Team die Besiedelung Numeiras auf die nur 100-jährige Zeitspanne zwischen 2450 und 2350 v. Chr. fest. Danach wurde die Stadt durch eine Brandkatastrophe völlig zerstört. Numeira liegt etwa 11 km südlich von BAB EDH-DHRA und umfasst eine ehemals besiedelte Fläche von etwa 0,8 ha. Die Befunde lassen darauf schließen, dass hier offenbar die Wein- bzw. Mostbereitung eine gewisse Rolle gespielt hatte, womöglich die eines örtlichen Gewerbes. Man fand in einer Kelter eine große Beschickungsmenge Trauben, die nicht mehr verarbeitet werden konnte. Bemerkenswert war der gute Erhaltungszustand der Schalen. Ferner fand man die Reste eines Turmes. Wohl diente er dazu, die Bevölkerung beim Herannahen einer Gefahr zu warnen. Gut erhalten war eine mit Putz verkleidete Treppenflucht, die zum oberen Teil des Turmes führte.

Bei ihrer systematischen Vermessungsarbeit fanden RAST und SCHAUB noch drei weitere Stellen, die Merkmale von Besiedelung während der Frühbronzezeit aufweisen: Safi, Feifa und Khanazier. Sie liegen, von BAB EDH-DHRA her gesehen, entlang einer südlich verlaufenden Linie (vgl. Karte 1). Diese fünf Stellen längs des Ostufers des Toten Meeres überragen infolge ihrer Höhenlage den südlichen Ghor[4] Diese drei weiteren Stellen konnten bislang archäologisch noch nicht erschlossen werden.

Manches an diesen nüchternen Forschungsergebnissen sollte den Bibelleser aufhorchen lassen: Es gibt fünf - und nur fünf! - Ortslagen, die im Gebiet des Toten Meeres liegen. Jede befindet sich in der Nähe einer Quelle, die menschliches Leben in dieser Gegend überhaupt erst ermöglicht. Alle fünf lassen sich auf die gleiche archäologische Periode - die Frühe Bronzezeit (3100-2100 v. Chr.) - datieren. Bis in die Römerzeit hinein lagen diese Orte völlig unbewohnt. Das sind Fakten von nicht zu unterschätzender Bedeutsamkeit!

Die biblische Berichterstattung in 1Mo 14 zeigt uns, dass Sodom und Gomorrha Partner einer Koalition waren, die sich gegen ihren Tributherrn "Kedor-Laomer, dem König von Elam"[5] auflehnten. Der Aufstand misslang. Während Kedor-Laomers Gegenschlag wurde auch der in Sodom lebende Lot gefangen genommen. Daraufhin gelingt es dem Abraham mit seiner aus 318 Mann bestehenden Armee, die weiterziehenden Sieger über das 5-Städte-Bündnis einzuholen und den gefangenen Lot zu befreien.

Die fünf biblischen Städte werden (1Mo 13,10-13) als die "Städte der Ebene" bezeichnet. Neben Sodom und Gomorrha gehören Adma, Zeboim und Bela (Zoar) dazu. 1Mo 14,3: "Alle diese verbündeten sich und kamen in das Tal Siddim, das ist das Salzmeer." Dieser biblische Hinweis berechtigt zu der Schlussfolgerung, dass die fünf Städte in der Nähe des Toten Meeres zu suchen sind. Im Hebräischen heißt es Yam Hammelach - Salzmeer.

Viele Forscher, darunter so bedeutende wie ALBRIGHT, LAPP und KITCHEN vermuteten, die seichten Stellen des südlichen Toten Meeres könnten einst trockenes Land gewesen sein, so dass Sodom und Gomorrha möglicherweise dort lagen, "wo nun das Salzmeer ist". Infolge der beträchtlichen Wasserentnahme aus dem Jordan (zu Bewässerungszwecken) kam es in den letzten Jahren zu einem Absinken des Wasserspiegels. Während des Sommers 1979 lag ein großer Teil des Südbeckens des Toten Meeres frei. Natürlich nahmen die Forscher die Gelegenheit zu einer Untersuchung des Meeresbodens wahr.

Ihre Schlussfolgerung lautet: "Das Südende (des Toten Meeres) kann während des Zeitraumes, in welchem Menschen lebten, keine Stadt eingeschlossen haben: Als Lageplatz für einen Städtebau ist dieses Gebiet nicht nur höchst unwahrscheinlich, sondern geradezu unmöglich." Nach allem, was heute von dem Städtebau der Frühen Bronzezeit bekannt ist, wurden sie gewöhnlich an hochgelegenen Stellen errichtet.

Aber auch unabhängig von den wohl möglichen Querverbindungen zum biblischen Bericht, hat die Fundstätte BAB EDH-DHRA ihren eigenen Reiz. Sie darf als eine der ältesten in Palästina erbauten Städte gelten (neben Jericho u.a.). Die ältesten Spuren von Besiedlung führen in das Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. (= Frühbronze 1a).

Den Forschern schien vieles darauf hinzudeuten, dass die Siedler von BAB EDH-DHRA Angehörige eines Volkes mit ausgeprägtem Hirten- und Nomadenleben waren. Man fand viele Grabschächte, in denen Tote beerdigt wurden. Diese liegen zeitlich noch vor den Anfängen einer festen Besiedelung. In der Frühbronze 1b (2900-2600) wurde eine etwa 3m dicke Mauer aus Asphaltziegeln (vgl. 1Mo 14,10: "Erdharz") auf einem Steinfundament rund um die ca. 4 ha große Stadt gebaut. Ein Teil dieser Mauer war schon während der Arbeit von LAPP gefunden worden.

Später, in der Frühbronze 1c (2600 bis 2300) schützte eine weitere, mehr als 6 m dicke Mauer die Stadt. Es scheint, dass beide Mauern auch Türme besaßen, die so das Verteidigungspotential der Stadt wesentlich erhöhten. Die Stadtmauer war intermittierend, d. h. aus einzelnen Teilstücken errichtet. Auf diese Weise wird mit großer Wahrscheinlichkeit gewährleistet, dass ein Erdbeben nicht die ganze Mauer vernichten konnte. Um 2300 v. Chr. wurde BAB EDH-DHRA zerstört - und zwar durch Feuer!

Im Stadtinneren fand man eine Anzahl von Häusern, die ebenfalls aus Asphaltziegeln errichtet waren. Ferner die Überreste eines Gebäudes, das nach Meinung der Archäologen ein Tempel (mit Altar) gewesen sein könnte. Der Eingang liegt dem Toten Meer gegenüber. Das Dach war durch Holzpfeiler gestützt, die auf einem flachen Steinsockel ruhten. Man fand die verkohlten Reste eines dieser Pfeiler. Ebenso fand man noch einige der hölzernen Deckenträger. Gegen Ende der Frühbronzezeit wurde alles durch Feuer zerstört.

Die Deutung dieses Bauwerkes als eines Tempels bzw. als einer Kultstätte wird noch durch eine Beobachtung verstärkt: Es zeigt sich, dass es direkt auf den Fundamenten eines früheren, ebenfalls zerstörten Bauwerkes ruhte. Das entspricht der Gepflogenheit des Altertums, den Standort eines kultischen Bauwerkes samt seiner Umgebung als "geheiligten" Ort anzusehen. Machte sich der Neubau einer Kultstätte nötig, so entschied man sich gern wieder für den durch die Überlieferung "geheiligten" Ort.

Weiterhin entdeckte man eine halbkreisförmige freie Stätte, die vermutlich als eine Art "Gerichtshof" anzusehen ist. In dessen unmittelbarer Nähe fanden die Archäologen ein Steinmesser, das man wahrscheinlich zum Schlachten der Opfertiere benutzte. Auch fand sich eine Feuerstelle mit Töpferware; ein Stück zeigt den Abdruck eines Siegels, dessen Motiv als ein kultischer Tanz verstanden wird.

Etwa um 2300 v. Chr. wurde BAB EDH-DHRA zerstört. Viele Tonnen von Gesteinsschutt begruben ihre Gebäude. Unter dem Schutt aber finden sich klare Beweise, dass die Zerstörung durch einen Brand herbeigeführt wurde. Es gibt auch Besiedelungsspuren, die der Frühbronze 1d zugeordnet werden (2300-2100). Hatte man versucht, die Stadt einige Zeit nach der Brandkatastrophe wieder aufzubauen? Menschen von der Art eines Hiel (vgl. 1Kö 16,34) gab es zu jeder Zeit. Dann aber reißt die Besiedlungsgeschichte endgültig ab. Seither liegt die Stadt verödet und verlassen.(Fortsetzung folgt)

Manfred Schäller

Zeittafel
  1. Chalkolithikum = 4500-3100 v. Chr.
  2. Bronzezeit 1 =
  3. Bronzezeit 2 = Mittelbronzezeit 2100-1600
  4. Bronzezeit 3 = Spätbronzezeit 1600-1200
  5. Eisenzeit = Zeit 1200-900

Neuheiten im Kino - Fantasy-Filme

Kino- und Fernsehfilme stellen für Christen nicht erst seit heute ein Problem dar. Vielfach verursachten die dargestellten Inhalte samt deren Behandlung dem Zuschauer nachdenkliche, zuweilen auch reuige Minuten. Freilich - man gewöhnt sich andererseits: Alles sei doch nur Film und damit Unwirklichkeit.

Bietet sich neuerlich die Möglichkeit der Entspannung? Sogenannte Fantasy-Filme entrücken das Publikum in die Faszination einer phantastischen, märchenhaft schönen Filmwelt. Märchen, nicht für Kinder, sondern auch und gerade für Erwachsene. Kampfszenen fehlen dennoch nicht. Doch stets triumphiert, im Film wohl unterschieden, das Gute über das Böse. Verdanken wir etwa einer "Christianisierung" der Filmbranche diesen aktuellen Trend? Siegte der christliche Einfluss? Schauen wir einfach genauer hin.

In unseren Kinos liefen und laufen wenigstens vier Filme dieser Gattung: Seit 1985 "Unheimliche Begegnung der dritten Art" (Regie: SPIELBERG) und "Krull" (REGIE: YATES). Seit 1986 "Star Trek" (Regie: WISE) und "Das Schwert des Königs - Excalibur" (Regie: BOORMANN).

Wenden wir uns dem jüngsten aus diesem Quartett zu. In "Das Schwert des Königs - Excalibur" (wie "Krull" aus Großbritannien) erzählt BOORMANN seine Artus-Legende, jenes keltischen Königs, der um 500 n. Chr. gelebt haben soll. Ein Ritterfilm also? Zahlreiche Turniere und Ritterkämpfe bestätigen die Vermutung. Aber nicht jene stehen im Mittelpunkt. Auch Artus, das Ideal eines feudalen Herrschers, nicht. "Der Film erzählt die Legende vom Wunderschwert Excalibur, das imstande ist, dem Träger Macht zu verleihen und die Geschicke des Landes zu lenken." (PROGRESS-Film-Verleih)

BOORMANN bietet die "Historie" aus der Sicht Merlins, des Zauberers, der für ihn "immer am faszinierendsten war". So handelt der Film in einer von Zauberei angereicherten, ja angefüllten Welt: Machtgewinn durch magische Vermittlung für den Besitzer des "Excalibur". Ein Zauberbann sichert es dem Trefflichsten. Artus gewinnt um den Preis seines Lebens den Kampf mit seiner Halbschwester, "einer satanischen Zauberin", und ihrem "teuflischen Sohn" (PROGRESS). Ebenfalls magisch kehrt nach Artus` Tod das Schwert in den Schoß der Erde zurück.

Nur Märchen?

Nun, wen wundert`s, da in Märchen und märchenhaften Geschichten solch dunkle Elemente ihr Unwesen treiben? Von Kind auf sind die Hexe in "Hänsel und Gretel" wie das Menschenopfer fordernde Rumpelstilzchen vertraute Gestalten. Drachen, Verkörperung des Bösen wie anderes auch, entlocken uns lediglich ein wissendes Lächeln - nur Märchen!

Mutige Beherztheit der Helden, gepaart mit List und Glück, wendet selbst hoffnungslose Auseinandersetzungen mit den bösen Mächten letztlich doch zum Guten. In besonders ausweglosen Situationen greift schon mal eine liebreizende Fee zugunsten ihres Schützlings ein. Freilich oft erst dann, wenn dieser in einer Prüfung erwiesen hatte, dass er dessen würdig ist. Wer will "unschuldig" unterhaltender Märchenwelt etwas vorwerfen, wo es doch so moralisch zugeht und in der Regel das Böse seine verdiente Strafe empfängt und das Gute triumphiert!?

Sollten nicht Märchen, auch die aus der Sammlung der Brüder Grimm, einer kritischen Sichtung und Wertung unterzogen werden? Dies scheint um so gebotener, je deutlicher zutage tritt, dass Christen sich der Wirkung der Aufklärungszeit nicht ganz zu entziehen vermochten. Nur wem die Jenseitigkeit in ihren widergöttlichen Ausprägungen keine Realität ist, besteht auf Verharmlosung bei ihrem Erscheinen in märchenhafter Verkleidung.

Die Bibel verkündet ja nicht allein die Realität Gottes, sondern verordnet dem Gläubigen den realen Kampf "nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die Geister der Bosheit in der Himmelswelt" (Eph 6,12). Nicht gegen Figuren einer (unwirklichen) Märchenwelt soll die von Gott angebotene Ausrüstung angelegt und gebraucht werden - zum Sieg. Der Hinweis auf eine unterhaltsame, harmlose Märchenwelt birgt mehr Probleme in sich, als er klärt.

"Wir sehnen uns nach Magie!"

Was will überhaupt so ein Film? Tüftelte ein findiger Filmemacher eine bisher unbekannte, gewinnträchtige Unterhaltungsmasche aus? Ganz wird man solchem Film nur dann gerecht, wenn er als Teil eines alt-neuen Irrationalismus (Hinkehr zu dem der Vernunft nicht Zugänglichen) verstanden wird, einer bewussten und zielstrebigen Orientierung in jenseitige, geheimnisvolle Bereiche. Wissensgewinn und Befähigung zu Übernatürlichem durch Verbindung mit "kosmischen" Kräften gelten gleich erstrebenswert. "Wir sehnen uns alle nach Magie und Mythos", erklärt BOORMANN, "weil sie lebendiger Bestandteil des Menschlichen sind." Darum kann es als seine Überzeugung gelten, wenn er im Film Merlin sagen lässt: "Ohne magische Beziehung sind wir unvollkommen; wir sind der Natur entfremdet, haben etwas Lebenswichtiges verloren ... In der Legende ist das die Suche nach dem Gral, ein Versuch, auf spirituell-transzendentem Wege die Verbindung mit der Magie wiederherzustellen. Wenn Menschen versuchen, die verlorene Magie wiederzuentdecken, ist das kein Aberglaube."

Diese Behauptung, sie soll Bedenken zerstreuen, markiert aber gerade den Inhalt der Filme - als Aberglauben!" Unüberhörbar werben sie für Magie. Zauberer und Antizauberer, Zyklopen, weise Berater, geheimnisvolle Orte (z. B. in "Unheiml. Begegn. ...": Devil-Tower = Teufels-Turm), Menschen unter fremden Einflüssen und Zwängen, Fünf-Klingen-Schwert mit magischer Kraft, Monster mit allerlei grausigen Fähigkeiten usw. usw. sind die Elemente, denen sich der so unterhaltene Zuschauer aussetzt.

Anknüpfungspunkte z.B. sind Legenden und Märchen, die dem Fantasy-Programm Zeugen von früher "natürlichem", heute jedoch (unter christlichem Einfluss) aufgegebenem Kontakt zu jenseitigen Wesen sind. Der Vorteil des solchermaßen methodischen Vorgehens liegt auf der Hand: eingekleidet in längst Vertrautes verliert Fremd- und Andersartiges seine Bedrohlichkeit - der Zuschauer sieht es gerne, er bleibt offen und sperrt sich nicht mit kritischem Nachdenken. Man sollte nicht meinen, dies wären haltlose, böswillige Verdächtigungen. Georg LUKAS, ebenfalls ein profilierter Fantasy-Regisseur ("Star Wars"), schildert so selbst sein Vorgehen.

Kinobesucher wird zum Schüler

Fantasy ist ein Programm. Was nun sind seine Ziele? Welche Botschaft bringen seine Filme, wofür soll das Publikum gewonnen werden? Im Wesentlichen sind zwei zentrale, miteinander verbundene Schwerpunkte erkennbar. Sie sind gleichsam die "Lernziele"!

1. Erlösung aus dem Kosmos

Das ehemals erwünschte Alleinsein wurde dem Menschen inzwischen zur Last. Den Menschen- und Menschheitsproblemen sieht er sich ausgeliefert und schicksalhaft verkettet. Eine aus der Angst gespeiste Sehnsucht nach Rettung vor Unheil lebt mächtig auf. In seinem Film "Der weiße Hai" verleiht Steven SPIELBERG, durch ihn wurde er berühmt und reich, den abgründigen Ängsten des modernen Menschen einen symbolkräftigen Ausdruck. Bei deren Darstellung beließ er es aber nicht.

Die freundlichen Helfer zum Besten von Erde und Menschheit sind - Außerirdische! Ob in "Unheimliche Begegnungen ... ", wo sie lächelnd und unbewaffnet den Menschen entgegenkommen oder in "E. T." (Abkürzung für "Extra Terrestrial" = Außer-Irdisch) - sie spielen den Part des Erlösers. Dank ihrer wendet sich sofort oder in Bälde alles zum Guten. So die Fabel des Drehbuchs.

Das Monster "E. T." etwa, Spielgefährte eines kleinen Jungen, verkörpert eine filmisch inszenierte Messias-Persönlichkeit: E. T. setzt Naturgesetze außer Kraft; heilt augenblicklich Wunden; "die Topfpflanzen auf dem Fensterbrett erblühten in strahlendem Glanz, als sie das Monster sahen, sie neigten sich zu ihm herab und begrüßten ihn: "Sei gegrüßt, du Herr und Meister!"; in seiner Gegenwart fühlt man sich glücklich und frei wie nie zuvor; man ist davon überzeugt, dass etwas Einmaliges ins Leben getreten ist, was diesem einen neuen Sinn gibt; E .T. stirbt, was Erdbeben bewirkt und wird wieder lebendig; einem Jungen verheißt er: "Ich bin immer bei dir!" und hinterlässt beim Start von der Erde am wolkenlosen Himmel einen Regenbogen.

Sollen diese Parallelen zu JESUS, dem wahren Erlöser alle zufälliger Natur sein? Was mit "Superman" kitschig begann: bei "E. T." sind Profis mit ausgefeilter Technik am Werk. Dass sie damit einen Nerv der Sehnsüchte unserer Zeit treffen, beweist der nicht enden wollende E. T. -Boom in den westlichen Ländern. Wie er bei uns aufgenommen würde, darüber lässt sich gegenwärtig nur spekulieren (mutmaßlich ist "E. T." vom PROGRESS Verleih bereits gekauft).

Was wird deutlich? Ein gebrochenes Selbstvertrauen hält Ausschau nach einem Messias, der Heil wirkend und Unheil bannend auf dem Globus aktiv wird. Der bereits von Gott gekommene Messias JESUS scheidet allerdings selbst redend aus. "Wir wollen nicht, dass dieser ..." (Lk 19,14). So klangs damals, so klingts heute. Ob nun Menschen durch einen Guru zum Erlöser geweiht werden, oder ob sie einem UFO entsteigen: durch das im Kino Gesehene ist man auf sie vorbereitet. Auf welche? Vielleicht gar auf die in Mt 24,24 angekündigten Heilande? Von Gott stammen sie jedenfalls nicht, da ER Seinen Heiland bereits sandte!

2. Erlösung durch Magie

Nicht minder aussagekräftig ist die Antwort auf die Frage nach dem Wie der Befreiung. Das Gute trägt den Sieg davon. Aber bis das geschieht, müssen die Guten lernen: das Beherrschen der magischen Kräfte (z. B. das Fünf-Klingen-Schwert in "Krull"). Darüber hinaus gilt es, Zutrauen zur eigenen Befähigung, zu "der Kraft in uns", zu gewinnen. Weiße Magie sei es, die dem Guten zum Triumph verhelfe, die Erlösung realisiere. Ohne sie bleibe die schwarze die beherrschende Macht.

Was unterscheidet nun aber weiße von schwarzer Magie? Tarnt diese Differenzierung nicht den Sachverhalt? Denn, mag Magie noch so weiß sein, sie bleibt, was sie ist: Magie! "Als solche bedient sie sich der teuflischen Macht, um Macht, Wissen und Weisheit zu erlangen." Wann je wollte teuflische Macht das Gute, wirklich und vollständig? Kann sie es wollen? Magie zum Heil ist kein "Rezept" des einen Gottes!

Zusammenfassung:

1. Fantasy-Filme sind Bestandteil einer Bewegung, die man als "Religion der Magie" bezeichnen kann. Deren Botschaft verbreiten sie als "Missionsfilme".

2. Fantasy-Filme weisen folgende Eigenheiten auf:

3. Konflikte für Christen

4. Was man noch wissen sollte:

Richard Bergmann


Fußnoten

[1] G. von Rad in AT Deutsch; Das erste Buch Mose
[2] ASOR: American Schools of Oriental Research
[3] Die Archäologie bedient sich gern der Datierung ihrer Funde anhand der überall vorkommenden Keramik. Diese Datierungsmethode ist von beachtlicher Leistungsfähigkeit. Dennoch wird laufend an ihrer Verfeinerung gearbeitet.
[4] Ghor ist ein arabisches Wort und bedeutet Senke oder Niederung bzw. flaches Gebiet (vgl. dazu 1Mo 13,10ff)
[5] vgl. dazu R. de Vaux, Die hebräischen Patriarchen und die modernen Entdeckungen, 1960, S. 41. K. A. Kitchen, alter Orient und Altes Testament, 1965, S. 20