1999-4 | Editorial |
Eine scheinbar harmlose Idea-Meldung schreckte mich auf. Unter der Überschrift "Die Qualifikation ist entscheidend" war vermerkt, dass nun auch die "Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor" Frauen für die Verkündigung und Seelsorge ausbildet. Damit reiht sich das ehemalige Brüderhaus in die Gruppe derer ein, die bestimmte biblische Aussagen einfach für ungültig erklären.
Gewiss kann man bei der Auslegung mancher Schriftstellen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, wie auch die Besprechung des schon 1993 erschienenen Buches "Paulus im Kampf gegen den Schleier" zeigt (S. 318). Doch die klaren neutestamentlichen Aussagen über Ältesten- und Lehrdienste von Frauen in der Gemeinde gehören nicht dazu. Darüber kann es eigentlich keine Zweifel geben, es sei denn, man behauptet, die Aussagen des Paulus hätten nur zu seiner Zeit Bedeutung gehabt. Aber diese beliebten zeitgeschichtlichen Interpretationen stützen sich nicht etwa auf neue exegetische Erkenntnisse, sondern eher auf den alten Zeitgeist.
Jürgen-Burkhard Klautke zeigt in seinem Aufsatz über Feminismus und Frauenordination, welche Auswirkungen das außerhalb und innerhalb der Kirche hat (S. 294).
Eine ganz andere Dimension berührt John MacArthur in seinem Beitrag über die Sohnschaft Christi. Durch diese Untersuchung erscheinen einige schwer verständliche Schriftstellen in ganz neuem Licht und wir werden mit dem Geheimnis der Ewigkeit Gottes konfrontiert (S. 244). In ein ähnliches Gebiet stößt auch der Artikel von Rudolf Möckel vor und zeigt, welche konkreten Konsequenzen die biblische Lehre von der Souveränität Gottes für die Evangelisation hat (S. 254).
Lesen Sie auch den interessanten Bericht über die messianischen Juden in Israel, den Johannes Gerloff aus Jerusalem exklusiv für uns geschrieben hat. Er wird hoffentlich manche falschen Vorstellungen korrigieren (S. 262). Dass die Meinungen über die Bedeutung des Volkes Israel auch im bibeltreuen Bereich der evengelikalen Christenheit sehr unterschiedlich sein können, zeigt die Besprechung des von den sogenannten "Altlutheranern" herausgegebenen Büchleins am Schluss dieses Heftes.
Einen sehr wertvollen Beitrag über die sogenannten Widersprüche im Alten Testament hat uns Richard Schultz übergeben, der jetzt am Wheaton College AT lehrt. Er hat diesen Vortrag bereits auf dem Jubiläumskongress des Bibelbundes 1994 in Gießen gehalten, als er noch Dozent an der FTA war.
PS. Mit dem nächsten Heft beginnen wir den 100. Jahrgang unserer Zeitschrift
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