1999-3 | Editorial |
Zu einer ungewöhnlichen Demonstration für die Ehe kam es am letzten Januarsonntag in Paris. Rund 100.000 Menschen hatten sich versammelt, um gegen ein Gesetz zu protestieren, das seit Oktober vergangenen Jahres von der französischen Regierung durchgepeitscht werden soll. Die linke Mehrheit aus Sozialisten, Kommunisten und Grünen will einen "Pacte Civil de Solidarite" (Pacs) erzwingen, der unverheirateten Paaren, welcher Art auch immer, eheähnliche Rechte einräumt. Mit dem Pacs wird zum ersten Mal im französischen Recht ein homosexuelles Konkubinat offiziell verankert.Die Gegner des zivilen Solidaritätspakts (Pacs) bezeichneten das geplante Gesetz zur Einführung der "Schwulen-Ehe" unter anderem als "Verrat an den Kindern" und setzten ihm ein deutliches "Ja zur Ehe" entgegen. Fast die Hälfte aller Gemeindepräsidenten, 14.000 von 36.000, sollen bereits eine Petition gegen den Pacs unterschrieben haben.
Als Alptraum des Ministerpräsidenten Jospin gilt die Gesetzesvorlage, die schon zweimal kläglich in der Nationalversammlung scheiterte. Am 4.12.98 schaffte Pacs dann doch die erste parlamentarische Hürde und wird trotz aller Gegenwehr wohl Ende 1999 in Kraft treten können.
Soll man für solch ein Thema auf die Straße gehen? Soll man sich überhaupt politisch betätigen? Michael Kotsch zeigt in seinem dritten Beitrag auf, welche Prinzipien unser Verhalten in der Gesellschaft bestimmen sollen.
In Deutschland dürfen seit 1. April Lesben und Schwule auf der Partner-BahnCard verbilligt fahren, die Ermäßigungen für kinderreiche Familien will die Deutsche Bahn AG dagegen wegfallen lassen. Die Homosexuellen-Lobby macht sich auch in Deutschland stark - und nicht nur unter Atheisten. Lesen Sie wie diese Gruppe in den Kirchen agitiert.
Umso wohltuender die vier biblischen Beiträge in unserem Heft: Bernhard Kaiser zeigt, wie wichtig die Offenbarung Gottes als Fundament der christlichen Ethik ist. Wer diese Offenbarung leugnet, macht sich selbst zum Maß aller Dinge.
Thomas Schirrmacher versucht, ein Verständnis für alttestamentliche Gebote heute zu wecken. Und Hans-Georg Wünch macht klar, warum der Mensch vor allem in seiner Entwicklung eine klare Orientierung und feste Regeln braucht.
Schließlich nehmen wir noch einmal die Diskussion um die Belohnung aus Heft 97/2 auf. Lesen Sie den biblischen Beitrag von Markus Schäller, der zu zeigen versucht, dass Lohn und Strafe von Gott offenbar doch verschieden zugemessen werden.