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1998-4
| Editorial |
Karl-Heinz Vanheiden
Die Schmerzgrenze für viele Christen der evangelischen Kirche in Deutschland scheint erreicht. Seit Jahrzehnten müssen sie mit ansehen, wie ihre Kirche zuerst theologisch und nun auch ethisch einen beispiellosen Niedergang erlebt. Angeführt von den Kirchenleitungen werden auf breiter Front Positionen vertreten, die der heiligen Schrift und den reformatorischen Bekenntnissen eklatant widersprechen. Es drückt sich aus in der Schaffung bibelfremder Gottesbilder, in Religionsvermischung und Leugnung der Offenbarung Gottes. Am deutlichsten merkt man es in der Verachtung der Gebote Gottes in der Praxis.Kann man das noch Kirche nennen, was das Etikett "Kirche" trägt? Eine große Gruppe bibeltreuer Evangelischer meint: nein! Diese Christen geben sich jetzt aber nicht mehr mit Protest zufrieden, sondern machen endlich mobil. Hauskreise, Jugendbünde, christliche Vereine, Gemeinschaften und Kirchgemeinden werden aufgerufen, zusammen mit anderen Christen in ihrer Nähe bibeltreue Notgemeinden zu bilden, um dort biblisch orientierten Glauben zu leben.
Am 17. Oktober wird in Siegen der erste "Evangelische Orientierungstag" stattfinden, zu dem sieben verschiedene Organisationen im Raum der evangelische Kirche aufgerufen haben.[ 1 ] Es könnte das Aufbruchssignal für eine Sammlungsbewegung werden.
Zum Unsicherheitsfaktor ist die Lehre von Gut und Böse, vom verantwortlichen Handeln des Menschen selbst in manchen evangelikalen Kreisen geworden. Man weiß nicht mehr, woher die allgemeinverbindlichen Normen kommen. Der Bibelbund hat deshalb auf seinem Kongreß vom 15.-17. Mai dieses Jahres "Alarm um die christliche Ethik" geschlagen und versucht, von der Schrift her Antworten auf aktuelle ethische Fragen zu geben.
Ethische Trends spiegeln den Zeitgeist besonders in den Gemeinden wieder, wo das Wort Gottes umgedeutet wird. Lesen Sie den Beitrag von Stephan Holthaus in diesem Heft.
Daß Heiligung mehr ist, als eine christliche Verhaltenstherapie erfahren Sie in der grundlegenden Bibelarbeit von Herbert Jantzen über die Kapitel sieben und acht des Römerbriefes.
Steffen Denker fragt sorgfältig danach, was aufgrund der Heiligen Schrift wirklich Gottes Wille zu Ehe, Scheidung und Wiederheirat ist. (Von diesem Referat können Sie Sonderdrucke im Sekretariat des Bibelbundes bestellen.)[ 2 ]
Wie Christsein in Beruf und Wirtschaft funktionieren kann, zeigt Richard Bergmann, der Vorsitzende des Bibelbundes, in einem sehr praktischen und anschaulichen Beitrag.
[ 1 ] Nach TOPIC Nr. 8/1998 S. 1
[ 2 ] BestellNr. : 0260 Preis: 2,40 DM