Bibel und Gemeinde
1998-2
Editorial

Mystische Zahlenakrobatik und die Wahrheit der Bibel
Karl-Heinz Vanheiden
Der "Bibel-Code" fasziniert immer noch. Viele Christen sind glücklich darüber. Endlich haben sie einen scheinbar fundierten "wissenschaftlichen Beweis" für die Einzigartigkeit der Bibel in der Hand.
Unsere Leser konnten sich schon im Oktober vergangenen Jahres ein etwas differenzierteres Bild von dieser grandiosen Buchstabenspielerei machen (Heft 4/97 S. 294). Nicht, daß wir ihnen die Freude verderben wollten. Doch Gläubige sind aufgefordert, auch die Dinge nüchtern zu sehen, die scheinbar für sie und ihren Glauben sprechen. Zu oft haben sich solche Dinge als Täuschung erwiesen. Mystische Zahlenakrobatik. Schon lange vor dem Siegeszug des Computers sollte die Inspiration der Bibel mit Hilfe von Zahlen bewiesen werden. "Bible Numerics" nannte man die Methode, die in den 30er Jahren von Ivan Panin begründet wurde und in Deutschland durch K.A. Sabiers Buch "Erstaunliche neue Entdeckungen" weite Verbreitung fand. Zweimal nahm der Bibelbund ausführlich dazu Stellung[ 1 ].
In beiden Fällen behaupteten die Sensationsmacher, daß die mathematischen Konstrukte allein mit der Bibel funktionieren würden. Der Gegenbeweis ließ nie lange auf sich warten. Zum Beispiel hat der australische Mathematiker Brendan McKay[ 2 ] den englischen Roman "Moby Dick", der im Jahr 1851 veröffentlicht wurde, mit dem Bibel-Code-Verfahren durchgearbeitet. Dabei kam er zu ähnlich "sensationellen" Ergebnissen wie Drosnin, der Autor des "Bibel-Codes". McKay fand passende Daten zur Ermordung von Indira Ghandi, Martin Luther King und sogar zum tragischen Unfall von Lady Diana. McKay unternahm auch Berechnungen zu dem Namen Michael Drosnin. In unmittelbarer Nähe des Namens fand der Mathematiker das Wort "liar" - zu deutsch "Lügner".

Nur mit Verwunderung konnte man im vergangenen Dezember zur Kenntnis nehmen, wie in der Zeitschrift einer bekannten Arbeitsgemeinschaft für Israel die Entschlüsselung des Bibeltextes als "zweifellos revolutionierend, brisant und sensationell" bejubelt wurde, obwohl sich der Autor von den Endzeitberechnungsn Drosnins glücklicherweise deutlich distanziert.
Eine Reaktion auf unseren Einspruch mit Übersendung von BuG 4/97 fand sich in der nächsten Ausgabe[ 3 ]: "Der Artikel 'Bibelcode' ... wurde von vielen Lesern als 'hilfreich' und 'sehr informativ' zur Kenntnis genommen, von wenigen aber auch abgelehnt."
Schön wenn man die Mehrheit auf seiner Seite hat. Hauptsache, man verführt sie nicht dazu, in einem Kartenhaus Zuflucht zu suchen, anstatt in der festen Burg des Wortes Gottes. Evangelikale Christen fallen allzu leicht auf "Beweise" herein, die sie in ihrem Vertrauen auf die Bibel vermeintlich stärken.
Scheinbare Stärke erweist sich aber als Schwäche. Denn wer anfängt, Aussagen hinter dem eigentlichen Bibeltext zu suchen, verläßt gerade das Fundament des Wortes. Wenn erst Zahlen und Computer die Bibel entschlüsseln, sind alle die schlecht dran, die davon nichts verstehen und Jahrhunderte lang wären Bibelleser leer ausgegangen...
Halten wir es lieber mit dem Apostel Paulus, der allem glaubte, was in dem Gesetz und den Propheten geschrieben steht (Apg 24,14). Er vertraute dem, was unverschlüsselt klar geschrieben war und nicht dem, was andere hineindeuteten oder herauslasen.

In dieser Ausgabe lesen Sie, wie das Wort Gottes selbst in der Hochburg des Pietismus entstellt werden darf. Wir würden uns nicht wundern, wenn Atheisten Gott lästern, aber daß Gotteslästerung innerhalb der Kirche geduldet wird, überrascht uns schon.

Zwei Absolventen der FTA sind dem Phänomen - oder sollte man besser sagen: Unfug - der Tiergottesdienste auf den Grund gegangen. Was für eine Theologie steckt dahinter und wie sollte unser Verhältnis zu Tieren nach der Bibel denn aussehen?

In der Schule haben Sie wahrscheinlich von den Millerschen Experimenten gehört. Sie galten als Hinweis dafür, daß Leben aus Ursuppen entstanden sein könnte. Was die Wissenschaft wirklich über die Chemie der Lebensentstehung weiß, besser: was sie nicht weiß, lesen Sie in dem Aufsatz von Reinhard Junker und Harald Binder.

Dürfen Christen Computer benutzen? Es gibt Gläubige, die hier ein klares Verbot aussprechen. Andere benutzen ihn selbstverständlich, auch wir! Wie sollen wir es aber mit dem Internet halten? Die moderne Informationsgesellschaft überschüttet uns mit einer Menge von Angeboten auf den verschiedensten Ebenen. Was können wir von der Bibel her dazu sagen? Lesen Sie den ersten Teil der Analyse des gläubigen Referenten für Medienrecht und Medienpolitik in der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt.


Inzwischen erhalten einige Leser unseren Informationsbrief per eMail. Das spart Portokosten. Es ist aber nötig, uns jede Veränderung der Anschrift für den elektronischen Brief unverzüglich mitzuteilen.

In unserem letzten Heft sind durch einen Fehler bei der Datenübertragung leider die Namen von einigen unserer neuen Mitglieder entstellt worden. Wir bitten dafür um Entschuldigung und geben diese Namen hier noch einmal richtig wieder: Rudolf Linkert aus Stöckach, Frank Wunderlich aus Siegen, Josef Hektor aus Augsburg.


[ 1 ] "Bibel und Gemeinde" 3/84 S. 274ff und 4/89 S. 385ff. Einzelne Hefte sind im Sekretariat des Bibelbundes noch erhältlich.
[ 2 ] Quelle: Die DIE ZEIT vom 21.11.1997, TOPIC Nr. 12/97
[ 3 ]CfI Nr. 112

Karl-Heinz Vanheiden (Jg. 48, verh. 2 Kinder) ist Sekretär des Bibelbundes und Schriftleiter von »Bibel und Gemeinde«. Er steht im Reisedienst der Brüder-Gemeinden und ist Studienleiter der Bibelschule Burgstädt.
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