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| 1998-1 | Buchbesprechungen |
Der erste Teil beschäftigt sich mit der Geschichte der Z.J. Anhand der führenden Persönlichkeit und ihren Gedanken und Praktiken wird der geschichtlichen Entwicklung bis heute nachgegangen. Alle wichtigen Weichenstellungen in Lehre und Leben werden kurz aber prägnant aufgezeigt. Der weitaus größte Teil des Buches setzt sich mit den Lehraussagen der Z.J. auseinander. Der Lehre über die Bibel, über Gott, den Menschen, das Heil, die Gemeinde und die letzten Dinge sind die einzelnen Kapitel gewidmet. Gassmann stellt anhand der Wachtturmliteratur die Lehren der Z.J. ausführlich dar und vergleicht sie mit den Aussagen der Heiligen Schrift. Hierbei wird sehr deutlich herausgearbeitet, wie weit sich die Wachtturmlehre von der Bibel entfernt hat. Auch auf die Art und Weise, wie die Z.J. ihre Lehren aus der Bibel begründen Rösselsprungmethode), geht Gassmann ausführlich ein.
Im letzten Kapitel zeigt der Autor die Missionsmethoden der Z.J. auf und wie wir ihnen missionarisch begegnen können. Abgeschlossen wird dieses Buch mit einer kurzen tabellenartigen Gegenüberstellung des Wachtturm und des christlichen Glaubens. Ein Bibelstellenregister schließt dieses Buch ab. Die Argumentation des Autors ist sehr sachlich und steht auf einem hohen Niveau. Jedem, der sich mit der Lehre der Z.J. beschäftigen muß bzw. will, wird hier ein Werk an die Hand gegeben, das sich bestens dazu eignet, ein Rüstzeug in der Auseinandersetzung mit dieser Sekte zu sein.
Volkmar Müller, D-Berthelsdorf
Die Verfasserin berichtet von ritualisiertem Kindesmißbrauch in Sekten, von Mißhandlungen an Kindern in schwarzen Messen, von Blutritualen sowie von Kinds- und Tieropfern und ähnlichen Bestialitäten. Auch auf die Folgen dieser Mißbräuche, die multiple Persönlichkeitsstörungen, auf die psychische Abhängigkeit der Kinder von den Tätern geht die Verfasserin ein. Die Autorin schildert ihre (Um)wege bis sie endlich psychotherapeutisch geheilt wurde: Dabei legt sie viel Wert auf die humanistischen Prinzipien Erinnerung an die Ereignisse (im Gegensatz zur Verdrängung) und auf Selbstannahme (im Gegensatz zur Verachtung der eigenen Person). Für die Täter fordert sie nicht Strafe, sondern ebenfalls Therapie.
Offensichtlich ist dieses Buch nicht aus christlicher Sicht geschrieben. Die Übersetzerin schreibt z.B. "Evangelisten", sie meint wohl "Evangelikale". Nicht zuletzt wegen seines brutalen Inhalts ist dieses Buch nicht jedem zu empfehlen, schon gar nicht als Bettlektüre. Christen kann das darin Geschilderte aber daran erinnern, daß rituelle Kindermißbräuche nicht nur Handlungen aus lange vergangenen Zeiten sind (siehe: 2.Kön. 23,10; Jer. 20,25; 32,35; Hes. 20,26; u.v.a.), sondern daß diese dämonisierten Praktiken in unserer westlichen Kultur immer noch anzutreffen sind. Oder muß man richtiger sagen: schon wieder?
Jürgen-Burkhard Klautke, D-Gießen
Der Leser erfährt im Vorwort von der recht verschlungenen Entstehungsgeschichte des deutschen Textes, dem man seine ursprüngliche Vortragsform - wenn auch nicht immer - abspürt. Durchgehend sind ausführliche Fußnoten beigefügt. Sie erstrecken sich manchmal über mehrere Seiten und verlangen von dem ungeübten Leser ein wenig Einübung. Dafür wird er mit Detailinformationen belohnt, die in dieser Zusammenstellung kaum anderswo zu finden sind.
Ouweneel orientiert seine Leser gleich zu Beginn, daß in diesem Kommentar die futuristisch-prätribulationalistisch-prächiliastische Auslegung (S. 12) vertreten werde. Wessen Vorbildung bislang zu solchen Wortgiganten noch nicht vordringen konnte, der kann die Bedeutung mit fleißigem Blättern herausfinden. Erschwerend wirkt für diesen Leser auch, daß er den unerklärten Gebrauch theologischer Standardabkürzungen (LXX, Adv. Haer., Nestle-Aland, ...) hinnehmen muß.
Der Hauptwert des Buches liegt einerseits in der ausführlichen Darstellung der Vorfragen [Teil A, S. 1-140]. Es gelingt dem Autor, Interesse an den verschiedenen Auslegungen zu wecken, ohne je seinen Standpunkt im unklaren zu belassen. Ouweneel geht auf die Einteilungsvorschläge zur Offenbarung ebenso ein wie auf die Interpretationsansätze: präteristisch (zeitgeschichtlich), idealistisch (zeitlos-symbolisch), historisierend und futuristisch. Es wird eine Darstellung der verschiedenen Positionen zum Tausendjährigen Reich geboten. Die Frage nach der Entrückung der Gemeinde und der Trübsalszeit wird ausführlich behandelt. Innerhalb der futuristischen Position vertritt der Schreiber außerdem die kirchengeschichtliche Auslegung der sieben Sendschreiben und verwendet vierzehn Seiten auf ihre Verteidigung. Dieser Buchteil scheint mir von besonderem Wert zu sein.
Andererseits weise ich auf die ausführliche Exegese hin, die im Teil B geboten wird [Seite 141-530]. Ouweneel teilt die Offenbarung klassisch-dispensationalistisch nach Offb 1:19 in drei Teile: Kapitel 1 als Vergangenheit, Kapitel 2-3 als die derzeitige Heilsperiode des Gemeindezeitalters und die restlichen Kapitel als Beschreibung zukünftiger Ereignisse. Die Kapitel 4:1-19:10 werden durch die drei Gerichtsserien strukturiert und mit Exkursen "angereichert." Ab Kapitel 19:11 gehe es dann um die Vollendung. Wer diesen Auslegungsansatz teilt, findet reichhaltige Argumente zur Unterstützung. Manchmal sind die Positionen etwas ungewöhnlich, wenn der Autor etwa im zweiten Tier den Antichristen sieht (S. 353), oder in 21,9-22,5 eine Beschreibung des millennischen Jerusalem findet. Wohltuend enthält er sich von allzu konkreten Spekulationen etwa betreffend die Identität des Antichristen oder die Bedeutung der Zahl 666 ("Wir wissen nicht, was diese Zahl bedeutet." S. 359). Aber die Neugier wird doch insofern befriedigt, als die Fußnoten stets viele verschiedene Lösungsvorschläge sammeln, die seit den Tagen der frühen Kirche geboten worden sind. Wer Ouweneels Methoden nicht teilt, wird zum Nachdenken über die eigene Position angeregt. Obwohl sich der Autor zu Beginn [Teil A] schon mit amillennialistischer Eschatologie auseinandersetzt, versäumt er es nicht, die Argumente auch im exegetischen Teil zu besprechen.
Alles in allem kenne ich zur Zeit keine ähnliche deutschsprachige ausführliche Darstellung der Offenbarungsexegese aus dispensationalistischer Sicht.
Für eine Neuauflage bliebe zu wünschen, daß der Autor hier und da zu einer weniger extensiven Darstellungsweise findet, die doch den Informationsgehalt nicht schmälert. Die klassischen Einleitungsfragen (Kanonizität, Verfasser, Zeit, Ort, Empfänger, ...) scheinen im Vergleich mit anderen Vorfragen in der jetzigen Auflage etwas kurz gekommen zu sein. Druckfehler (z. B. S. 13, 29, 36, 53, 60, 65, 66, 68, 75, 116, 129, ...) sollten verbessert werden. Die Schreibweise von Wörtern müßte vereinheitlicht werden (z.B. "calvinistisch" S. 11, aber "kalvinistisch" S. 536). Griechische Worte in lateinischen Buchstaben sollten konsequent kursiv gedruckt sein (z. B. S. 331, nicht aber S. 21). Ein wenig befremdlich wirkt auch der hier und da anzutreffende "Brüderjargon" des Autors, der aus der Brüderbewegung stammt. So teilt Ouweneel in den bibliographischen Angaben in Werke von "Brüdern" und "anderen" ein! Die Bibliographie ist angenehm ausführlich, jedoch - mit den Nachweisen vorwiegend in englischer und niederländischer, aber auch in deutscher und französischer Sprache - nur für den sprachgewaltigen Zeitgenossen voll nutzbar. Eine Überarbeitung/Ergänzung für den deutschsprachigen Raum erscheint sinnvoll. Manchmal sind die Einzelnennungen zu wenig exakt. Für ein Werk dieses Umfangs würde der Gebrauchswert durch ein Autoren-, Personen-, Sach- und Bibelstellenregister sicher noch erhöht werden können.
Steffen Denker, CH-Basel
Die beiden ersten Kapitel, die größtensteils als negativer Hintergrund für die Darstellung der Familie im Pietismus dienen, enthalten nicht wenige Pauschalurteile, die allzu holzschnittartig zwei Jahrhunderte charakterisieren wollen. Dabei kommt die Vielgestaltigkeit der sozialen Strukturen und Schichten im 17. und 18. Jahrhundert zu wenig zur Sprache. Erst später im Buch klingen einige Facetten davon an. Im Folgenden aber versteht es der Autor, mit einem reichen Schatz an Zitaten in die Gedanken von Comenius, Spener, Francke und am ausführlichsten Zinzendorf einzuführen. In einem zweiten Gedankengang werden wesentliche Aussagen von Oetinger, Oberlin, Zeller, Thiersch und Wichern als Repräsentanten des 19. Jahrhundert wiedergegeben. H. Dallmeyer soll schließlich für das 20. Jahrhundert stehen. Im abschließenden Kapitel versucht Faix die Anstöße für die heutige Situation der Familie nutzbar zu machen. Es gelingt ihm, einige Probleme der christlichen Familie vor dem Hintergrund des Pietismus zu beleuchten. Auch wenn manches allzu appellativ wirkt, sind doch Felder aufgezeigt, die auf eine Bearbeitung warten. Auffallend ist sein Punkt 7 "Die Isolierung der Kleinfamilie überwinden". Faix dazu: "Es geht also darum, daß Familien sich zu verbindlichen Gemeinschaften auf Gemeindeebene oder regional zusammenschließen und ein vom Wort Gottes geprägtes Familienleben miteinander zu gestalten versuchen" (S. 120).
Die Stärke des Buches ist auch eine Schwäche. Dem Autor gelingt es, die Leistungen des Pietismus im Hinblick auf die Familie als Ort der Kindererziehung darzustellen. Aber die Studie krankt auch an diesem eingeschränkten Bild von Familie. Familie im Pietismus, das scheint nur Schule für heranwachsende Kinder zu sein. So wird über weite Strecken die pädagogische Leistung des Pietismus dargestellt und gewürdigt. Allerdings trat der Pietismus - wie auch W. Faix bemerkt - mit seiner Pädagogik besonders in der Form der Anstaltserziehung auch in Konkurrenz zur Familie. Was ist aber z.B. mit den Themen "Eheleben", "Familie als Wirtschaftsgemeinschaft", "Familie als Krankenhaus und Altersheim", "Familie in Notzeiten", "Das Miteinander von Kernfamilie und Großfamilie", "Der gegenseitige Einfluß von Familie und Gesellschaft"? Man findet nur einzelne Andeutungen, am ehesten beim letztgenannten Thema. Selbst wenn es um das "Geistliche Leben" in der Familie geht (S. 112-114), scheint der Autor nur die Erziehung der Kinder zum Glauben im Blick zu haben. Ob das nun auch ein Problem des Pietismus oder nur ein Problem des Autors ist, läßt sich anhand der Studie nicht entscheiden. Sicher hat der Pietismus mit der Entwicklung der Pädagogik Bahnbrechendes geleistet, und das hatte offenbar auch Auswirkungen auf die Familie. Den Beitrag des Pietismus auf Geschichte und Wesen der Familie darauf zu beschränken, ist aber ein Fehlschluß. Daß das so ist, deuten auch die ausführlichen Zitate von N. L. von Zinzendorf im vorliegenden Buch an.
Zwar ist die Studie in dieser Gestalt keine sozialgeschichtliche, wie der Untertitel verheißt. Auch geht es viel mehr um die Pädagogik des Pietismus, als um die Familie. Doch bietet das Buch mit seinen Quellenmaterial schnell interessante Einblicke und ermutigt den Leser, mit einer guten Literaturliste selbst am Thema weiterzuarbeiten.
Thomas Jeising, D-Rinteln
Das erscheint ein berechtigtes Anliegen und man fragt sich, wie in Amerika unter dem Namen "Lordship Salvation" ein Streit darüber entbrennen konnte. Die Verfechter dieser Lehre, zu denen John MacArthur gehört, bestehen darauf, daß man zur Errettung Jesus nicht nur als Retter annehmen, sondern ihn auch Herr des eigenen Lebens sein lassen muß. Daher der Name, der auf Deutsch mit "Rettung zur Herrschaft (Jesu)" wiedergegeben werden muß. Auf vielen Seiten des Buches fühlt man sich in einen Streit unter amerikanischen Dispensationalisten hineingezogen, die sich nicht einig sind, inwieweit der ethische Anspruch des Neuen Testamentes für das "Gemeindezeitalter" von Belang ist oder ob z.B. die Bergpredigt nur im Millenium Bedeutung hat (20ff, 209f). Dabei scheinen beide Seiten wichtige Aspekte des Evangeliums zu betonen, und man kann sich schwer vorstellen, daß jede Seite ihre Position als ausschließlich richtige ansieht. So ist es berechtigt, dafür zu kämpfen, daß das Evangelium freies Geschenk der Gnade Gottes ist und unsere guten Werke auch nachträglich keinen Beitrag zur Errettung leisten. Das kann aber nicht heißen, daß man zu einem zuchtlosen Leben ermutigt oder das Bekenntnis "Ich glaube an Christus" zu einer leeren Worthülse macht. Es ist andererseits berechtigt, dafür zu kämpfen, daß Glaube an das Evangelium wesentlich Zustimmung zu Jesus bedeutet und das solcher Glaube auch gute Werke hervorbringt. Das kann aber nicht heißen, daß der Gläubige dazu ermutigt wird, die Echtheit seines Glaubens und seine Gewißheit der Rettung bei seinen Werken abzulesen.
So ist die Auseinandersetzung davon geprägt, daß (unnötige) Gegensätze aufgebaut werden, die der Autor anscheinend schon bei seinen Gegnern vorgefunden hat. Was soll der Streit zwischen "Annahme" und "Hingabe"? Beide Begriffe benötigen eine genaue inhaltliche Füllung durch die Heilige Schrift. Wollen die Gegner des "Lordship Salvation" wirklich behaupten, das herzlose Nachsprechen eines rechtgläubigen Bekenntnisses sei rettende Annahme Jesu? Oder wollen sie nur daran festhalten, daß die Errettung von keinem Werk des Menschen abhängt, auch nicht von irgendeiner formalen Hingabe? Vertreten sie wirklich die These, der Glaube an Christus könne völlig folgenlos bleiben, so daß jemand Christ wird, aber ein Dieb, Ehebrecher oder Mörder bleibt (16)? Vielleicht bahnt sich hier ja wirklich ein evangelikales "Namens-Christentum" an (20+194). Aber warum muß die folgende Alternative aufgebaut werden?: "Der Gegenstand des rettenden Glaubens ist nicht ein Glaubensbekenntnis, sondern Christus selbst. Wahrer Glaube liebt die Person Christi und begnügt sich nicht mit den Fakten des Evangeliums" (64). Ja, das stimmt. Aber ist es nicht auch so, daß durch die Fakten und Worte des Evangeliums Jesus zum Menschen kommt? Oder gibt es etwa eine Liebe zu Jesus unabhängig von den Fakten des Evangeliums? Und was soll dieser Gegensatz im Hinblick auf die Anbetung Gottes und Gehorsam beim Menschen?: "Nichts davon ist das Ergebnis theologischer Belehrung, sondern das Werk des Geistes Gottes in einem erlösten Herzen" (72) Kann nicht der Heilige Geist am Herzen durch theologische Belehrung wirken, wenn man nicht den Begriff "theologisch" nur negativ belastet? Und bringt nicht das gelehrte Wort Gottes die wahren Anbeter und das gehorsame Herz hervor?
Das vorliegende Buch lebt von ausführlichen Auslegungen von Abschnitten aus den Evangelien. (Man vermißt allerdings die Perikope von den 10 Jungfrauen, die dem Buch den deutschen Titel lieh.) Sie zeugen von einer großen Liebe des Autors zu Gottes Wort und sind geprägt von genauer Detailbeobachtung. Nur selten wirken die Auslegungen auf das Ziel des Buches hingebogen. Dabei wird immer wieder aufgezeigt, wie rettender Glaube Früchte im Leben aufweist. Weil John MacArthur sich aber auf die Evangelisation und den Ruf zum Glauben konzentriert und Christsein von der Bekehrung her beurteilt, ergeben sich Probleme, die er nicht wirklich überwinden kann. Wenn er darauf besteht, daß zum Glauben Gehorsam gehört, dann weiß er auch, daß solcher Gehorsam weder am Anfang gleich sichtbar ist, noch jemals perfekt vorgefunden wird. Also stellt er ihn unter das Vorzeichen des Wachstums, und es wird nur noch "die Bereitschaft zum Gehorsam" gefordert (84) oder der "Wunsch" (92) und die "Sehnsucht" zu gehorchen (170). Dem könnten dann auch die Gegner von "Lordship Salvation" wieder zustimmen. Eine weitere Gefahr auf dem Weg, die Frucht des Glaubens sofort abwiegen zu wollen, liegt in der Neigung, ihn an psychologische Größen zu binden. Dann gibt es ohne "Verzagtheit" und ein Gefühl von "Reue" (40), ohne Scham (83) und "ein Gefühl für Buße und Demütigung" (120) keine Errettung. Das Herz braucht eine "Empfindung für die Unterwerfung unter Gottes Willen" (155) und "wahre Buße beinhaltet stets ein Element der Zerknirschung" (160). Trotz des berechtigten Anliegens wird hier ein gefährlicher Weg beschritten. So gelingt es bei der Verhältnisbestimmung von Rechtfertigung und Heiligung in Kapitel 18 dann auch nicht, aufzuzeigen, wie die Heiligung des Menschen ein Werk Jesu ist und die guten Werke eine Frucht des Vertrauen auf Jesus.
An wen richtet sich das Buch? Der Autor möchte Laien, Theologiestudenten und Pastoren erreichen (12). Konkret spricht es sowohl zu denen, die von einer "einmal gefaßten 'Entscheidung' zehren" und "deren Leben die Beweise für einen fortgesetzt wirksamen Glauben vermissen" lassen, als auch besonders zu den Evangelisten, die in der Verantwortung stehen, solche Christen mit einer Verkündigung hervorgebracht zu haben, die sagt, "zum Christsein gehöre nur das Glauben an einige Fakten und daß man irgendetwas unterschreibt, 'nach vorne kommt', die Hand hebt, oder das 'richtige' Gebet spricht" (178). Welche Evangelisten konkret gemeint sind, wird nicht ganz klar. Billy Graham scheint es wohl nicht sein (185). Den Andeutungen zufolge sind am ehesten die amerikanischen Fernsehevangelisten mit ihrem Wohlstandsevangelium und ihren Affären im Blick. Allerdings sind die Angriffe so pauschal, als ob (fast) alle Evangelisten auf der gleichen Welle schwimmen. Gleichzeitig bietet das Buch eine theologische Auseinandersetzung mit Thesen aus amerikanischen Büchern von Zane C. Hodges, The Gospel under Siege (dt. ungefähr: Das Evangelium im Belagerungszustand) und The Hungry Inherit, die die "Lordship Salvation" als Irrlehre darstellen. Für den deutschen Leser sind vielleicht einige kritische Bemerkungen zu einem Titel von Charles Ryrie interessant, dessen Buch Ausgewogen (Dillenburg: Christl. Verlagsgesellschaft, 1994) auch in Deutschland erschienen ist.
Es kann interessant sein, ein wenig amerikanische evangelikale Zeitgeschichte zu verfolgen. Das Buch von John MacArthur tritt aber in Deutschland auch an, vor einem grundsätzlichen Mißverständnis des Evangeliums und vor Fehlentwicklungen in der Evangelisationspraxis zu warnen. Darum muß gefragt werden, ob das angeprangerte Problem ein Problem deutscher Evangelisten ist. Es ist wohl unbestritten, daß es in evangelikalen Gemeinden Menschen gibt, die sich für Christen halten, weil sie sich auf irgendeiner Evangelisation einmal "für Jesus entschieden" haben, die aber nie ein Leben aus Glauben an Christus gelebt haben. Es ist auch zu beobachten, daß ein erheblicher Teil der Menschen, die sich auf einer "Großevangelisation" "entscheiden" niemals Glied einer Gemeinde werden. Behaupten aber Evangelisten, ein solcher Mensch sei unbestritten Christ? Vielmehr ist doch oft zu erleben, daß sie sich auch an solche Irrläufer wenden, um sie zu echter Umkehr zu bewegen. Es ist wohl manche kritische Anmerkung zum Thema Evangelisation angebracht und man darf auch fragen, ob etwa eine bestimmte Praxis der Evangelisation und bestimmte Inhalte der Predigten vermehrt Scheinbekehrungen bewirken. Ob allerdings in Deutschland der "Billigglaube" in evangelikalen Kreisen schon "gängig" ist, erscheint trotz unbestrittener Gefahren fraglich. Und selbst wo die Tendenz schon zu sehen ist, wird sie mit anderen Argumenten gerechtfertigt. Bleibt zu hoffen, daß das Buch einen Beitrag zu einer gesunden Diskussion leisten kann.
Thomas Jeising, D-Rinteln
Das Buch will ein Gegengewicht bieten in einem Heer von psychologisch gefärbten Seelsorgebüchern. "Das Hauptprinzip dieses Buches ist Verantwortung. Damit meinen wir, daß wir darauf bestehen, daß jeder Einzelne die persönliche Verantwortung für seine eigenen Taten, Einstellungen, Entscheidungen und Reaktionen übernehmen muß" (S.10). Das ist ein wichtiges Anliegen, führt aber in diesem Buch in holzschnittartiger Vereinfachung zu einem allzu optimistischen Menschenbild des alle Zeit selbstbestimmten, verantwortungsbewußten und vernünftigen (christlichen) Menschen. Eine tiefgründige Psychotherapiekritik ist dringend vonnöten und viele Sätze Gibsons möchte man vorbehaltlos unterstreichen. Nur: Gibsons Argumente treffen einen kleinen Ausschnitt aus der tiefenpsychologischen Richtung und als Gewährsleute zitiert er Vertreter einer anderen psychologischen Schule. Dabei handelt es sich um amerikanische Psychologen, die z.T. mit Psychotherapieforschung beschäftigt sind und verhaltenstherapeutische Ansätze vertreten. Hervorzuheben sind hier William Glasser und O. Hobart Mowrer, auf die sich schon Jay Adams mit seiner "nouthetischen Seelsorge" beruft. So vertritt Mowrer explizit das "Prinzip Verantwortung" und setzt das persönliche Schuldbekenntnis geradezu als Therapiemethode ein.
Was sonst zu den Prinzipien von Seelsorge gesagt wird, ist so "grundlegend", daß man es oberflächlich nennen möchte, die "wünschenswerten Eigenschaften" des Seelsorgers verstehen sich von selbst, wirken aber in ihrer Undifferenziertheit ziemlich idealistisch. "Wie wir ein Leben der Zufriedenheit, der inneren Kraft und Gemeinschaft mit Gott führen können" , wird mit allerlei "praktischen" Ratschlägen, was wir tun "müssen" und "sollten" (ca. 20 Mal auf 5 1/2 Seiten des 7. Kapitels) dargelegt. Das klingt dann so: "Wir müssen als Gläubige die Stärke und Genügsamkeit Christi in Anspruch nehmen und sie auf diese Weise in uns aufnehmen, wenn wir zu seiner Verherrlichung leben wollen (Eph 3,16). ... Täglich sollten wir unser Leben Gott zur Verfügung stellen ..." usw. (S.56-57). Am Ende stehen gut gemeinte Ratschläge für alle Lebenslagen, die in ihrer Vereinfachung geradezu kaltschnäuzig klingen. Z.B. sage man einem Trauernden: "Der Tod kann nicht rückgängig gemacht werden. Wir müssen weiterleben, anderen dienen, mit dem Drehen um uns selbst aufhören und den Willen des Herrn akzeptieren" (S.120). Zu den wenigen Aktiva des Buches zählt die immer wieder auftauchende Warnung an den Seelsorger, sich nicht vor den Karren von Leuten spannen zu lassen, die von ihm die Bestätigung ihrer eigenen Position suchen und - mit etwas Seelenbalsam frisch geschmiert - so weitermachen wollen wie bisher. Positiv hebt sich das Plädoyer für eine verpflichtende seelsorgerliche Ehevorbereitung über 6 Monaten ab. Die Praxis, die der Autor in seiner Gemeinde in USA übt, ist nachahmenswert. Gut sind auch die "Fragen zum Selbststudium" am Ende jedes Kapitels, die so geschickt formuliert sind, daß sie den Leser zwingen, die Positionen des Autors nicht nur wiedergeben zu können, sondern auch die eigenen zu überdenken.
Trotzdem: Nichts von dem, was es will, leistet das Buch wirklich. Es war als Schulungsmaterial für die Gemeinde des Autors konzipiert. Dort, in der Nähe des Autors, leistet es bestimmt gute Dienste. Für eine Weltreise ist es nicht reif.
Thomas Jeising, D-Rinteln
Leider wurde versäumt, der deutschen Übersetzung vollständige Literaturangaben und eine Liste neuerer Werke über den Jerusalemer Tempel beizufügen. John Bimson, ein in Bristol/England lehrender Alttestamentler, skizziert in seiner 15seitigen Einführung die neueren Erkenntnisse im Blick auf die Quellenlage und die archäologische Erforschung Jerusalems und des Tempelberges, die im 19. Jahrhundert gerade begonnen hatte. Nicht unwichtig sind seine Ausführungen über "Edersheim und das frühe Judentum": selbst Edersheim war als ehemaliger Wiener Jude, der als Erwachsener zum Glauben an Jesus als Messias gekommen war (und nach seinem Theologiestudium in Oxford lehrte), nicht frei von abfälligen Vorurteilen seiner Zeit über das Judentum zur Zeit Jesu.
Eckhard J. Schnabel, D-Gießen
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D023 Holthaus / Pflaum Hilfe, die Fundamentalisten kommen! / Fundamentalismus
D074 Vanheiden, Karl-Heinz Die Bedeutung der Funde von Qumran für die neutestamentliche Gemeinde
D103 Holthaus, Stephan Trends in den 90ern: Eine Analyse unserer Zeit
D135 Passarge, Hans Kurzer Abriß über die Freimaurer
D185 Holthaus, Stephan Die Geschichte der Berliner Erklärung
D188 Fleischhammel, Detlev Die "Toronto-Bewegung"
D240 Lange, Johannes Hintergründe wissenschaftlicher Bibelkritik
D242 Vanheiden, Karl-Heinz Sinn und Unsinn von Wundern
D244 Holthaus, Stephan Hitler und der Okkultismus
D246 Vanheiden, Karl-Heinz Korinth vor 2000 Jahren
D248 Klautke, Jürgen-B. Was ist Christliche Arbeitsethik?
D250 Kärmer, Reinhold Wie gefährlich ist Scientology?
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