1998-1 | Editorial |
"Was werden die mitgenommen haben, die am Sonntag nicht mehr dabei waren?" fragte einer aus der Leitungsmannschaft besorgt seine Mitfahrer, als sie nach der Haupttagung des Bibelbundes gemeinsam nach Hause fuhren.
Wir hatten es vielleicht das erste Mal in der Geschichte des Bibelbundes gewagt, ein umstrittenes Thema kontrovers vortragen zu lassen. Ob das Experiment geglückt ist, können vielleicht nur die beurteilen, die bis zum Sonntag geblieben sind und die Predigt über biblische Seelsorge mitbekommen konnten. Diese Predigt von Helge Stadelmann finden Sie an erster Stelle im Heft.
Ist es nun egal, wie Christen über Psychotherapie allgemein und im besonderen über das, was im Rahmen der christlichen Psychologie über Bibel und Gemeinde gelehrt wird, denken? Wir glauben das nicht und haben Ihnen deshalb einen Aufsatz von Richard Schultz an den Anfang gestellt, der zum verantwortlichen Umgang mit der Bibel in der christlichen Psychologie ermahnt und ihren Gebrauch in aktuellen Seelsorgebüchern untersucht.
An der Schrift muß alles, was wir denken, glauben und leben, gemessen werden. Doch manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß auch im evangelikalen Bereich die Schwerpunkte verschoben werden. Das, was die Schrift nur am Rand erwähnt, wird dann breit in die Mitte gestellt. Und das, was die Bibel in diesem Zusammenhang stark betont, fällt fast völlig unter den Tisch. Ich habe den Eindruck, daß es uns bei der Debatte um Psychotherapie und Seelsorge genauso geht. Niemals fordert die Schrift auf, sich selbst anzunehmen,[ 1 ] aber häufig redet sie direkt und indirekt von Selbstverleugnung und befiehlt(!)sie uns. [ 2 ]
Eine andere Frage, die aus der Haupttagung mitging, lautet: Gibt es wirklich neutrale, d.h. von der jeweiligen Weltanschauung und geistlichen Haltung des Therapeuten unabhängige Methoden? Bedenken Sie das bitte, wenn sie die Vorträge von Martin Steinbach und Roland Antholzer lesen und die anschließende Podiumsdiskussion verfolgen.
Gemeinde ist unverzichtbar! Davon sind wir als Herausgeber von »Bibel und Gemeinde« überzeugt. Wir wissen natürlich, daß eine Gemeinde hier auf der Erde nicht vollkommen ist, daß Gläubige, auch leitende Gläubige, Fehler machen. Aber wenn man den Eindruck bekommt, daß Gemeinde angegriffen wird, kann das nicht stillschweigend hingenommen werden. Deshalb finden Sie auch den Beitrag von Wilfried Plock unter der Rubrik "Zur Diskussion gestellt". Er nimmt ein Referat, das auf dem BTS-Kongreß 1996 in Fellbach gehalten wurde, kritisch unter die Lupe.