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Auf welche zwei Zeugen beruft sich Jesus dann?
Der erste Zeuge sind die Werke, die er tut (5,36). Jesu Werke sind dabei nicht als spektakuläre Taten gedacht, die die Menschen beeindrucken sollen, sondern als Werke mit Wiedererkennungswert. Werke, die einerseits schon im Alten Bund den von Gott Gesandten ausgewiesen haben, aber als Ausweis für den Christus noch größer sind. Während Mose Wasser zu Blut werden ließ und sich damit als Gottgesandter auswies (2Mo 4,9), lässt Jesus Wasser zu Wein werden (Joh 2,9+11). Während Elia und Elisa ein Kind zum Leben erweckten, indem sie hingingen und sich auf das Kind legten, heilt Jesus aus der Ferne (Joh 4,53). Während unter Moses Führung Gott Manna vom Himmel gab, kann Jesus wann er will Menschen mit Brot und Fisch versorgen (Joh 6,30-32).
Der zweite Zeuge für Jesus ist das Wort Gottes, die Heilige Schrift (5,39+46).
Wenn Jesus in 8,18 sagt, dass er von sich selber zeugt und der Vater von ihm zeugt, dann sind das die gleichen Zeugen wie in Kapitel 5: Jesus selbst durch seine Werke und der Vater mit seinem Wort der Schrift. Nach den strengen Maßstäben, die an die Zeugen für den Messias angelegt werden müssen, sind auch gar keine anderen denkbar. Unser Leser Rudolf Briem wies noch besonders auf die Übereinstimmung zwischen Vater und Sohn hin. "Wenn der Sohn sprach, hörte man den Vater sprechen (Joh 12,44-50), auch wenn er von sich selbst zeugte". Dies ist für die Beweiskraft der Zeugnisse wesentlich. Jesus macht in Kap. 8 aber über Kap. 5 hinaus deutlich, dass es um eine personale Beziehung des Vertrauens zu ihm geht. Es wäre zu wenig, nur zuzustimmen, dass Jesus die Wahrheit gesagt habe. Man muss ihn kennen und ihm selbst vertrauen, wie aus 8,19 hervorgeht.
Hätte Jonathan den David nicht auch warnen können, ohne dass er extra den Jungen mitnahm, der dann die abgeschossenen Pfeile holen sollte?
| Die Verabredung passt aber gut in eine Situation, in der der Königssohn noch von anderen Höflingen begleitet wurde |
Der Weg der Verständigung erscheint uns nur deshalb überflüssig umständlich, weil Jonathan offensichtlich nur mit seinem Waffenjungen zum Treffpunkt gekommen ist, den er auch ohne das Prozedere einfach hätte wegschicken können. Die Verabredung passt aber gut in eine Situation, in der den Sohn des Königs auch noch andere Höflinge, Wächter, vielleicht gar Spitzel des Königs begleitet hätten (vgl. 21,8+22,9.22). Das zeigt, dass David und Jonathan bei der Verabredung von solchen Umständen ausgingen, die es ihnen unmöglich gemacht hätten, noch persönlich miteinander zu reden, bevor David die Flucht antreten musste. Nachdem das Vorgehen aber einmal vereinbart war, hielt sich Jonathan auch daran, als es eigentlich unnötig war, denn es war Teil einer Vereinbarung von der gesagt wurde: "Dafür steht der Herr zwischen mir und dir ewiglich" (23).
Man könnte dann aber noch fragen, warum der Schreiber der Samuelbücher die Sache so ausführlich erzählt, wenn sie doch schließlich nicht viel ausgetragen hat. Ich bin der Überzeugung, dass das Kapitel 20 uns die Liebe des Königsohnes Jonathan zum Gesalbten Gottes vor Augen stellen soll. 20,13+31 macht klar, dass Jonatan um Davids willen bereit ist, auf die Thronfolge zu verzichten. Obwohl er anfangs seinem Vater noch vertraute, will er auf keinen Fall das Leben Davids in Gefahr bringen. Darum kann nur er selber der Bote sein, wenn Davids Leben wirklich durch Saul bedroht ist, muss aber die Botschaft so überbringen, dass er keinesfalls David gefährdet. Er bindet sich sogar so an David, dass er Gottes Barmherzigkeit durch David erbittet (20, 14). Ob wir den Gesalbten Gottes, unsern Herrn Jesus Christus, auch so lieben, dass wir alles für ihn tun wollen, sogar auf die Gefahr hin, dass es überflüssig sein könnte?
Wenn ja, welche Auswirkung hat so ein stellvertretendes Schuldbekenntnis für den Sünder selbst? Was ist von den Aktivitäten mancher Gläubiger zu halten, die stellvertretend Gott um Vergebung bitten für die Gräueltaten, die ihre Großväter den Juden im Dritten Reich angetan haben?
Man kann die Frage schlicht mit "Nein" beantworten, denn schon im Prinzip ist es nicht möglich aus dem Gebet des Nehemia irgendein Prinzip abzuleiten, schon gar keines, dass die Sündenvergebung betrifft, zu der die Heilige Schrift an so vielen Stellen Prinzipielles sagt. Weil die Frage mir aber schon oft begegnet ist und eine genauere Betrachtung auch noch andere Fragen im Zusammenhang beantworten kann, soll hier ausführlicher darauf eingegangen werden.
Die Frage nach einem stellvertretenden Sündenbekenntnis wird in der Regel nicht gestellt, weil man eine direkte Aufforderung dazu in der Bibel gefunden hätte - es gibt auch keine -, sondern weil sich Menschen eine Wirkung davon versprechen. Während im Mittelalter Christen dachten, sie könnten dadurch das Los ihrer Verwandten im Totenreich erleichtern, geht es heutigen Christen darum, entweder ihre eigenen Probleme zu lösen oder eine erwünschte Erweckung im Sinne eines großen Evangelisationserfolges damit zu erzielen. Das verbreitet z.B. Christoph Häselbarth, ein charismatischer Leiter aus der Schweiz, und findet viel fruchtbaren Boden nicht nur in seinen Kreisen. In seinem Heft Befreiung von Vorfahrensschuld und Wachstum im Glauben (Solingen: Bernard, 1998) schreibt er:
Eine Rechtfertigung für seinen "Befreiungsdienst" sieht er in Gottes Ankündigung die Schuld der Väter noch an der dritten und vierten Generation zu strafen (2Mo 20,5; 34,6-7; 4Mo 14,18; 5Mo 5,9) und in Gal 6,7, wo es heißt: "Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten". Häselbarth:
Die Liste der Sünden mit negativem Erbe wird dann noch um okkulte Praktiken, Jähzorn, Bitterkeit usw. verlängert. Sollen wir wirklich für die Gräueltaten unserer Großväter oder Urgroßväter im Dritten Reich um Vergebung bitten oder gar für die Kreuzzüge unserer Vorfahren im 11.+12. Jahrhundert, wie es auch schon geschehen ist?
| Es gibt keine Aufforderung zu einem stellvertretenden Sündenbekenntnis in der Bibel |
Nein! Und die Antwort finden wir, wenn wir nur einmal die zur Rechtfertigung angegebenen Stellen genau studieren und sie im Zusammenhang der Heiligen Schrift sehen. 2Mose 20,4-6 heißt es:
Zuerst einmal wird deutlich, dass es bei der Drohung Gottes vor allem um die Sünde der Abgötterei geht, auch wenn in der Bibel mehr dazu zählt als denken. Die Eifersucht Gottes lässt es nicht zu, dass wir ihm und zugleich irgendwelchen Götzen dienen wollen. Es gibt zwei krasse Beispiele, wo Gott seine Ankündigung wahr gemacht hat. Achan wird samt seinen Söhnen und Töchtern und seinen Haustieren gesteinigt, weil er sich an dem gebannten Gut aus Jericho vergriffen hatte (Jos 7). Die Rotte Korach wird mit Frauen und Söhnen und kleinen Kindern von der Erde verschlungen (4Mo 16).
Das wirft ein Licht darauf, warum in Gottes Drohung von der dritten und vierten Generation die Rede ist. Es ist hier an alle gedacht, die in einem Zelt und unter einem Dach leben, die also ein Haus bilden. Das sind in biblischen Zeiten drei oder vier Generationen, heute meist nur zwei.
| Gottes Zorn trifft alle, die sich aktiv oder passiv an der Abgötterei beteiligen. Das ist aber etwas ganz anderes als die Vorstellung von vererbter Schuld oder dem unerkannten Fluch auf einer Familie |
Die Beispiele machen deutlich, dass die Sünde zwar die Sünde des einen ist, aber doch von der Familie gedeckt, unterstützt und geteilt wird. Denn die Vorstellung, dass einer heimlich fremde Götter anbeten kann und die Familie bleibt unbeteiligt, das ist nach biblischem Verständnis ungewöhnlich. Achan, der sich eben nicht nur eines einfachen Diebstahls schuldig gemacht hat, sondern der Verführung zur Abgötterei, hatte sein Diebesgut im Zelt eingegraben, offenbar nicht ohne die Deckung der Familie. Und bei der Rotte Korach erhalten noch alle die Möglichkeit, sich von ihnen zu entfernen, wenn sie ihren Aufstand nicht teilen (4Mo16,23+24). Gottes eifersüchtiger Zorn trifft also alle, die sich aktiv oder passiv an der Abgötterei beteiligen. Das ist aber etwas ganz anderes als die Vorstellung von vererbter Schuld oder dem unerkannten Fluch auf einer Familie oder ähnliches.
Gottes Zorn ist jedoch kein Automatismus, der zur Folge hätte, dass nun alle Menschen irgendeine Buße oder Lossage für die Sünden ihrer Väter tun müssten. Das wird zum Beispiel an Gideon deutlich, der von Gott berufen wird, obwohl sein Vater Baal-Altäre besitzt und Aschera-Bilder aufgestellt hat. Gideon nimmt Gottes Auftrag an, diese Götzen zu zerstören, wenn auch aus Angst nur heimlich. Aber immerhin zeigt er sich hier als einer der sich vom Götzendienst seines Vaters distanziert.
Und um das falsche Gerücht über Gottes Art zu strafen, zu bekämpfen, erklärt Gott die Sache in Hesekiel 18 noch einmal ganz ausführlich. Ein Gerechter, der einen gewalttätigen Sohn zeugt, wird nicht für die Sünden seines Sohnes bestraft und der Sohn dieses Sohnes wird nicht für die Sünden seines Vaters bestraft, wenn "er sie sieht und doch nicht so handelt". Es gibt bei Gott keine Sippenhaft. Darum auch befragt Petrus Saphira, um zu erfahren, ob sie mit ihrem Mann unter einer Decke steckte oder er heimlich sündigte (Apg 5). An keiner Stelle ist aber von Lossagegebeten die Rede, die man angeblich sprechen soll, um sich von einer Belastung durch die Sünden der Väter zu befreien. Und so verheißt ja Gott seine Barmherzigkeit an Tausenden. Wenn damit auch Generationen gemeint sind, wären bei 20 Jahren für eine Generation mehr als der bisherige Bestand der Welt. Gottes Barmherzigkeit gilt also für alle, die ihn lieben, welche Schuld auch immer ihre Vorfahren auf sich geladen haben.
Damit will ich keineswegs den Ernst der Warnung Gottes schmälern. Der Punkt liegt nur an einer anderen Stelle. Wir modernen Menschen in unserem extremen Individualismus und Pluralismus nehmen oft nicht genug wahr, dass wir uns auch durch stillschweigende Duldung von Abgötterei schuldig machen, wenn sie in unserem "Haus" geschieht. Dies gilt mindestens für den Raum unserer Familie, m.E. aber auch in unserer Gemeinde oder unserem Gemeindeverband, sogar in unserem Volk. Christen sind gefordert, Abgötterei beim Namen zu nennen und nicht heimlich ihren Glauben zu leben. Darum kann auch in eine Familie, in der einer an Christus glaubt, das Schwert kommen. Denn der Glaubende muss bekennen und sich gegebenenfalls abseits der Familie stellen.
Ich bitte darum, den Zusammenhang von Mat 10,32-39 zu lesen, wo Jesus auf diesen Ernst aufmerksam macht. Deswegen gibt es auch eine Verpflichtung innerhalb der Gemeinde auf den falschen Weg einzelner Geschwister, aber auch auf einen falschen Weg einer Gemeindeleitung aufmerksam zu machen und sich notfalls zu distanzieren. Stillschweigend seinen rechten Glauben zu leben reicht nicht. Dies ist besonders herausfordernd für die Geschwister, die sich innerhalb der katholischen oder evangelischen Volkskirche befinden.
Es ist nicht recht seinen biblischen Glauben zu pflegen und die Abgötterei der Marienverehrung oder des Messopfers stillschweigend zu dulden. Man macht sich schuldig, wenn man die Abgötterei der Religionsvermischung oder der Segnung homosexueller Partnerschaften kleinredet oder entschuldigt. In diesem Sinne machte man sich auch schuldig, wenn man die Schuld eines Großvaters aus der Nazizeit rechtfertigte. Aber das scheint mir heute nur unter Neonazis, aber nicht unter Christen ein Problem.
| Es gibt bei Gott keine Sippenhaft, aber Christen dürfen sich auch nicht durch stillschweigende Duldung von Abgötterei im eigenen „Haus” schuldig machen |
Aber haben denn nicht Nehemia (Neh 1,6+9,2) oder Hiskia (2Chr 29,6) oder Daniel (Dan 9,8) stellvertretend die Sünden ihrer Väter bekannt? Wenn damit gemeint sein soll, dass sie Sünden ihrer Vorfahren bekannten, mit denen sie selber nichts zu tun hatten, sondern sie auf irgendeine Weise geerbt und nun davon belastet waren, dann eindeutig "Nein". Nehemia bekennt die Sünden der Kinder Israels, "die wir an dir begangen haben". Er schließt ausdrücklich sich selbst und das Haus seines Vaters ein. Dies ist vor dem Hintergrund des Bewusstseins der Zugehörigkeit zu einem Haus und einem Volk zu verstehen. Seines Vaters Haus, von dem er sich nicht distanzierte, und er selbst und das Volk sind schuldig. Nehemia bittet um Erhörung dieses Bußgebets für sich und "alle, die von Herzen deinen Namen fürchten" (1,11). Nehemia erhebt seine Stimme also zu Gott für eine Gruppe von Israeliten, die wie er die Schuld erkannten und betet in diesem Sinn stellvertretend für sie. Dies ist nichts anderes als wenn in einem Gottesdienst einer im Namen aller betet.
1Kor 14,16 geht Paulus von einer solchen Situation aus und fordert, dass das Gebet für alle verstehbar sein soll, damit man sein "Amen" dazu geben kann. Es kann so auch Schuld der Gemeinde vor Gott bekannt werden und alle können ihr "Amen" dazu sagen oder müssen sich distanzieren und sagen, dass das nicht ihr Gebet war. Bei Hiskia ist die Sache noch eindeutiger, denn die Sünde, dass die Ordnungen Gottes für das Volk nicht gehalten wurden, haben zwar die Väter angefangen, war aber immer noch nicht abgestellt. Auch Daniel sieht sich mit seinem wiederholten "wir" als Teil der sündigenden Gemeinschaft und er trägt persönliche Schuld, selbst wenn er nur stillschweigend geduldet hätte. Wenn er so betet, dann hat das nur Sinn, wenn nicht nur er als Einzelner seine Schuld erkannt hat, sondern auch ein großer Teil des Volkes. Es erfüllt sich an den Entronnenen, was Hes 6, 8-10 verheißen ist:
| Nehemia betete für sich und für die, die von Herzen den Namen des Herrn fürchteten, also für die, die ihre Schuld erkannt hatten |
Aber das sagt Daniel ja auch (9,18): "Nicht im Vertrauen auf unsere guten Taten legen wir dir unsere Bitten vor, sondern im Vertrauen auf dein großes Erbarmen".
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