Die Sünden anderer bekennen?
Es macht auf jeden Fall einen guten Eindruck. Manche Schuldbekenntnisse sind auch glänzend formuliert. Der Rat der neu gegründeten EKD artikulierte sich nach dem zweiten Weltkrieg im „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ so: „Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ Das klingt rhetorisch gut und man könnte sich auch denken, dass viele es damals ganz aufrichtig gemeint haben.
Aber was soll man von folgendem Beschluss der Nordelbischen Synode halten: „Die jahrhundertelange Verdammung weiblicher und männlicher Homosexualität durch Theologie und Praxis der Kirche hat zur Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung homosexueller Frauen und Männer entscheidend beigetragen. Die Synode erkennt dies als Schuld. Sie bittet Gott und die betroffenen Menschen um Vergebung ...“. Die Synode meint, die deutliche Ablehnung der Homosexualität in der früheren, noch an der Bibel orientierten, Theologie sei eine Schuld. Muss man Gott um Vergebung bitten, weil man sich nach seinem Wort gerichtet hat? Aber diese Theologen meinten natürlich, sie hätten Gottes Wort erst heute richtig verstanden.
Und wie ist es hiermit? Wolfhard Margies fordert, dass wir Buße dafür tun sollen, „dass unsere germanischen Vorfahren sich willig fremden Göttern ausgeliefert haben.“ Andere Charismatiker übten bei einem Gebetsmarsch in Genf “stellvertretende Buße” für den Reformator Johannes Calvin. Ein gewisser Berthold Becker führt die beiden Weltkriege und den Massenmord an den Juden auf die “Berliner Erklärung” von 1909 zurück, die die Pfingstbewegung als „von unten“ charakterisierte. Andere Charismatiker äußern sich vorsichtiger, meinen aber auch, dass die deutsche Geschichte bei einem Ja zur Pfingstbewegung wesentlich positiver verlaufen wäre.
Ich kann mich bei all diesen Schuldbekenntnissen dreier Eindrücke nicht erwehren: 1. Sie scheinen den Bekennern kaum weh zu tun. Im Gegenteil: Manche Leute genießen es offenbar, die Sünden anderer öffentlich zu benennen. 2. Diese Aktivitäten scheinen eher auf magische als auf biblische Vorstellungen zurückzugehen. 3. Warum tun sie Buße für fremde Schuld, wenn Gott das in seinem Wort doch nie verlangt hat?
Aber baten nicht auch Nehemia und Daniel Gott um Vergebung für die Sünden ihres Volkes und ihrer Vätergeneration? Eine Antwort finden Sie in unserer neuen Rubrik auf S. 54.
Ihr 
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