Bibel und Gemeinde 2003/3 Frage & Antwort

Thomas Jeising

Jeising

Steinweg 6, D-34576 Homberg
t.jeising@t-online.de

Frage 1+2 wurden von Tabea Kunz, D-Leipzig gestellt.

Inhaltsverzeichnis
Weiter
Zurück
Copyright

Frage und Antwort

Von dieser Ausgabe an wollen wir wieder eine regelmäßige Rubrik mit Fragen und Antworten einrichten. Jeder Leser kann Fragen einsenden. Wir wollen Sie aber mit den uns eingesandten Fragen auch zum eigenen Forschen anregen. Darum drucken wir einige Fragen ab, zu denen Sie dann in der nächsten Ausgabe eine Antwort finden. Wenn Sie wollen, können Sie sich auch selbst an einer Antwort versuchen (Einsendung an Thomas Jeising). Von den besten Antworten werden wir eine oder zwei abdrucken.

1. Warum wird in 1Sam 1,9 der Tempel erwähnt, obwohl dieser damals noch nicht gebaut war?

Das Problem entsteht aus der Sicht dessen, der das Wort Tempel (hebr. hekal) ausschließlich auf den von Salomo erbauten Tempel aus Stein bezieht, dessen exklusive Bedeutung noch in den Evangelien eine Rolle spielt (Joh 2,18-22). Auch spätere Abschreiber des Textes scheinen das Problem empfunden zu haben, so dass einzelne hebräische Handschriften in 1Sam 1,9 statt "Tempel" "Haus" haben.

Das Wort bedeutet zuerst einmal nur "prächtiges Zelt" oder "prächtiges Gebäude" und wird auch als Bezeichnung für einen Königspalast verwendet (1Kön 21,1: Palast Ahabs; 2Kön 20,18: Palast des Königs von Babel; 2Chr 36,7: hier heißt der Tempel in Jerusalem "Haus Jahwes" und der Palast oder Tempel in Babel heißt hekal). In der nachgefragten Stelle ist offensichtlich die Stiftshütte bzw. das Zelt der Begegnung gemeint (wie aus 1Sam 2,22 hervorgeht), das die Israeliten von der Wüstenwanderung ins Land Kanaan gebracht hatten und das zuerst in Silo aufgestellt war (Es heißt übrigens 1Sam 1,7 auch "Haus Jahwes"). Dieses Zelt (oder was davon noch bewahrt geblieben war,) wurde bei der Einweihung des Tempels in Jerusalem dorthin gebracht (1Kön 8,3+4). Dann hatte aber auch der Tempel in Jerusalem verschiedene Bezeichnungen, neben "Tempel" auch "Haus Jahwes", "Haus Gottes" oder "Heiligtum".

Die Bezeichnungen wechseln also offensichtlich und so ist es auch kein Problem, dass David das Wort Tempel (hekal) in einigen seiner Psalmen erwähnt (z.B. 2Sam 22,7; Ps 5,8; 18,7; 27,4; 65,5), obwohl er doch nur Material dafür sammeln durfte und der Tempel erst nach seinem Tod gebaut wurde.

2. Warum wird Simson in Hebr 11,32 erwähnt, wo er doch nicht gerade ein Vorbild war? Seine ungewöhnliche Kraft hatte er ja nur von Gott geschenkt bekommen und seine Persönlichkeitsmerkmale sind grundsätzlich nicht zur Nachahmung zu empfehlen.

Hebräer 11 will weder Simson noch eine der andern dort erwähnten Personen im umfassenden Sinn zum Vorbild machen. Jakob oder die Hure Rahab wären uns in diesem Sinne auch keine Vorbilder. Die Sünden und Fehler aller erwähnten Personen sind aber nicht das Thema, sondern ihr Glaube und welche Taten sie aufgrund ihres Glaubens taten. Eine solche Vorstellung vom Vorbildsein wie sie unter vielen Christen gepflegt wird, erkennt man in der Bibel kaum. Wir sollen nicht in den Fußstapfen eines anderen Menschen gehen, was sowieso nicht möglich ist, sondern in den Fußstapfen seines Glaubens. Wir sollen also vom Glauben anderer Menschen lernen (Röm 4,12).

Hebräer 13,7 heißt es dann folgerichtig: Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben! Schaut den Ausgang ihres Wandels an, und ahmt ihren Glauben nach!

Neue Fragen

  1. Wie passen folgende zwei Aussagen Jesu zusammen? "Wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr." (Joh 5,31). "Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr" (Joh 8,14).
  2. Warum wählen David und Jonathan in 1Sam 20,35-42 diesen umständlichen Weg der Verständigung? Hätte Jonathan den David nicht auch warnen können, ohne dass er extra den Jungen mitnahm, der dann die abgeschossenen Pfeile holen sollte?
  3. Kann man aus Neh 1,6 ein Prinzip ableiten, wonach es in Ordnung ist, stellvertretend die Sünden anderer zu bekennen? Wenn ja, welche Auswirkung hat so ein stellvertretendes Schuldbekenntnis für den Sünder selbst? Was ist von den Aktivitäten mancher Gläubiger zu halten, die stellvertretend Gott um Vergebung bitten für die Gräueltaten, die ihre Großväter den Juden im Dritten Reich angetan haben?
Zurück

© Bibelbund e.V.

Anschriften

Alle Texte dürfen für den persönlichen und innergemeindlichen Gebrauch kopiert werden. Jede weitergehende Kopie oder Vervielfältigung bedarf der ausdrücklichen Erlaubnis des Bibelbundes.