Bibel und Gemeinde
2002-4
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Lennox, John. Hat die Wissenschaft Gott begraben? Eine kritische Analyse moderner Denkvoraussetzungen R. Brockhaus: Wuppertal 2002. (Hg. Dr. Jürgen Spieß vom Institut für Glaube und Wissenschaft). 144 S. Pb. 9,90 EUR. ISBN: 3-417-24358-0

Dr. John Lennox, Mathematiker und Philosoph an der Universität Oxford legt eine kritische Analyse moderner Denkvoraussetzungen zum Thema "Glaube, Vernunft und Naturwissenschaft" vor. Durch Zitate namhafter Naturwissenschaftler und Philosophen stellt er die Argumente der atheistischen und der theistischen Deutung des Universums und des Lebens möglichst objektiv dar. Dabei geht es vorrangig um die Frage, ob die beobachtete Feinabstimmung des Universums als Lebensraum sowie das Leben selbst einen Planer voraussetzt, oder ob Zufall und Notwendigkeit zur Erklärung ausreichen.

Die Argumente werden für den Laien nachvollziehbar auf unzulässige Verallgemeinerungen oder Rückschlüsse, sowie auf Übereinstimmung mit wissenschaftlichen Beobachtungen geprüft. Der Leser wird mitten in den Kampf der Atheisten gegen den Glauben an Gott hineingestellt, z.B. mit folgendem Zitat von Richard Dawkins (Oxford Professor für öffentliches Wissenschaftsverständnis): "Der Glaube ist eines der großen Übel der Welt, vergleichbar dem Pockenvirus, aber schwerer auszurotten".

Vielleicht wundert sich mancher über diese feindseligen Worte, aber zumindest die Widerstandsfähigkeit des Glaubens wird von Dawkins richtig eingeschätzt. Das geht aus einer Veröffentlichung des Wissenschaftsmagazins "Nature" aus dem Jahr 1997 hervor. Danach hat sich der Prozentsatz der an einen persönlichen Gott glaubenden Naturwissenschaftler in den letzten 80 Jahren in den USA nicht geändert.

Aber auch die Gläubigen sollten ihre Lektion lernen, z.B. aus dem traurigen Kampf zwischen Kirche und Galilei. Lennox schreibt: "Eine Lehre für diejenigen, die die Bibel ernst nehmen, sollte sein, dass sie demütig genug sind, zwischen den Aussagen der Bibel und ihrer eigenen Interpretation der Bibel zu unterscheiden. Die Bibel könnte ja einfach komplexer sein, als sie auf den ersten Blick denken, und es könnte die Gefahr bestehen, dass man sie verwendet, um Gedanken zu rechtfertigen, die sie selbst nie zu lehren beabsichtigte." Der Verfasser vermeidet deshalb umstrittene Argumente, wie z.B. über das Alter der Erde.

John Lennox folgt in seinem großartigen Buch dem Beispiel des Apostel Paulus und wird "den Wissenschaftlern ein Wissenschaftler" - allerdings einer, der viele unangenehme Fragen stellt und uneingeschränkt die Wahrheit aller Argumente durchleuchtet. Dadurch ist sein Buch in besonderem Maße für die Skeptiker des Schöpferglaubens eine Herausforderung, der sich kein ehrlicher Wahrheitssucher verschließen kann. Dies wird durch folgendes Beispiel verdeutlicht: Ein namhafter Biologieprofessor an der Universität Oxford besucht den Autor, sieht das Manuskript des vorliegenden Buches und interessiert sich dafür. Obwohl er reichlich mit Arbeit überhäuft ist, bringt er schon am nächsten Tag das Manuskript - bis zur letzen Seite voll mit seinen Anmerkungen - mit dem Kommentar zurück:
„Dieses Buch hat mich wie kein anderes zum Nachdenken provoziert. Es bietet eine ideale Gesprächsbasis. Ich möchte am liebsten jedem Kollegen in Oxford ein Exemplar geben.“
"Dieses Buch hat mich wie kein anderes zum Nachdenken provoziert. Es bietet eine ideale Gesprächsbasis. Ich möchte am liebsten jedem Kollegen in Oxford eine Kopie geben."

Das Buch ist aber nicht nur für Professoren geeignet. John Lennox gelingt es meisterhaft, schwierige Zusammenhänge und philosophische Probleme wie Kategoriefehler mit anschaulichen Beispielen zu verdeutlichen. Wenn z.B. Tante Matilde einen Kuchen backt, so können Naturwissenschaftler zwar alle möglichen Wie-Fragen z.B. nach Zusammensetzung, Nährwert u. a. beantworten, aber die Frage, warum der Kuchen gebacken wurde, ist mit naturwissenschaftlichen Methoden prinzipiell nicht zu erforschen. Würde jemand aus dieser Tatsache den Schluss ziehen, der Kuchen sei zu keinem Zweck gebacken worden, so würde er einen Kategoriefehler begehen. Dennoch behauptet Peter Atkins: "Die Wissenschaft benötigt Zwecke nicht [...]. All der außergewöhnliche, wundervolle Reichtum der Welt kann als ein Aufwachsen vom Dunghaufen sinnloser, miteinander verknüpfter Zersetzung ausgedrückt werden". John Lennox fragt nun, was wohl Tante Mathilde dazu sagen würde und kommentiert: "Es ist eine Sache, (mit Recht) zu behaupten, dass die Naturwissenschaften Fragen nach Ziel und Zweck nicht beantworten können; es ist eine ganz andere, Ziel und Zweck selbst als Illusion anzusehen."

Besonderer Dank gebührt dem Autor für die umfangreiche und äußerst nützliche Sammlung von Zitaten namhafter Wissenschaftler. Z.B. zitiert er den Genetiker Niles Eldredge: "...ich fand heraus, dass Arten, sobald sie in der Fossildokumentation erscheinen, dazu neigen, sich überhaupt nicht viel zu verändern. Arten bewahren wie selbstverständlich einen unerschütterlichen, erbitterten Widerstand gegenüber Veränderung - oft mehrere Jahrmillionen lang." Dieses Urteil wird von Colin Patterson vom Naturgeschichtemuseum in London unterstützt. Im Zusammenhang mit der Diskussion um den Archaeopteriyx, der häufig als Übergangsform zwischen Reptilien und Vögeln genannt wurde, schreibt er: "Um die Karten auf den Tisch zu legen: Es gibt nicht ein einziges solches Fossil [das eine Ahnen- oder Übergangsform darstellt], für das man ein wasserdichtes Argument ins Feld führen könnte". Als weitere Kostprobe sei der Biophysiker Dean Kenyon zitiert: "Wenn die Wissenschaft auf der Erfahrung beruht, dann sagt uns die Wissenschaft, dass die in der DNS verschlüsselte Botschaft von einer intelligenten Ursache herrühren muss. Was für eine Art intelligenter Urheber war es? Alleine kann die Wissenschaft diese Frage nicht beantworten; sie muss sie der Religion und Philosophie überlassen. Doch das sollte die Wissenschaft nicht daran hindern, Hinweise auf einen intelligenten Ursprung anzuerkennen, wo immer diese auftauchen mögen."

Einen solchen Hinweis gibt der Beginn des Johannesevangeliums: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott." John Lennox schreibt dazu: "Im Altgriechischen ist das Wort, das man mit Wort übersetzt, logos, das von griechischen Philosophen oft für das rationale Prinzip, das das Universum regiert, verwendet wurde. Hier haben wir die theologische Erklärung für die rationale Verständlichkeit des Universums: Es ist das Produkt des Geistes schlechthin, des göttlichen logos. Denn was hinter dem Universum steht, ist viel mehr als ein rationales Prinzip. Es ist Gott, der Schöpfer selbst. Es ist keine Abstraktion oder unpersönliche Kraft, die hinter dem Universum steht. Es ist ein persönlicher Gott. Und genau wie Tante Mathilde nicht Teil des Kuchens war, so ist Gott nicht ein Teil des Stoffs, aus dem das Universum besteht ... Die Wissenschaft hat also keineswegs Gott begraben. Nicht nur zeigen die Ergebnisse der Wissenschaft in die Richtung seiner Existenz - ich behaupte, dass das naturwissenschaftliche Unternehmen selbst erst durch Gottes Existenz seinen Sinn erhält".

Hartmut Ising
D-Falkensee

Junker, Reinhard; Wiskin, Richard. Der Natur auf der Spur im Frühlingswald. Ein Entdeckungsbuch für Jung und Alt. Dillenburg: CV 2002, Herausgegeben von der Studiengemeinschaft Wort + Wissen e.V. 96 S. Tb. 9,90 EUR. ISBN: 3-89436-308-8

Das durchweg vierfarbig gestaltete und mit vielen Fotos und Zeichnungen versehene Taschenbuch will nicht nur zum Staunen über die Schöpfung und ihren Schöpfer anregen, sondern auch Verständnis für die genialen Strategien der Genesis wecken. Die Verfasser wollen dazu beitragen, dass ihre Leser offene Augen für die Spuren des Schöpfers bekommen. Das ist ihnen gut gelungen. Die Beschreibungen wirken lebendig und nicht zu kompliziert. Zwischendurch immer wieder kleine Anregungen "Versuch's mal!" oder "Such's mal!". Der Rezensent hätte sich aber gewünscht, dass genauer beschrieben wird, wo und wann die einzelnen "Wunder der Schöpfung" zu finden sind, so etwa wie in einem Pilzbuch.

Wichtig zum Verständnis ist der letzte Teil, in dem die Autoren das Prinzip jener auffälligen Konstruktionsmerkmale erläutern, die besonders auf einen genialen Schöpfer hinweisen. Sie nennen sie Desing-Signale. Das sind zwar keine Beweise für "Schöpfung", aber doch starke Hinweise, die sich auf jeden Fall dem erschließen, der bereit ist, Gott zu suchen. Das sind zum Beispiel Konstruktionen, die nur funktionieren können, wenn alle Bauteile vollständig vorhanden sind, oder die komplizierter sind, als es eigentlich sein müsste oder deren Schönheit mit keiner erkennbaren Funktion etwas zu tun hat. "Design-Signale zeigen Überraschendes, etwas das man nicht erwartet hätte in einer Welt, in der es nur um Zweckmäßigkeit, um Überleben mit dem geringsten Aufwand geht (wie das in einer evolutionär gedeuteten Welt der Fall wäre)."

Karl-Heinz Vanheiden
D-Hammerbrücke

Schrupp, Ernst. Die Gewalt endet am Kreuz: Wie der Messias Juden und Christen den Frieden bringt. Haan: Brockhaus 2001. 142 S. Pb. 7,90 EUR. ISBN: 3-417-24698-9

Der Verfasser schreibt das Buch nach einem Israelbesuch im Herbst 2000 und setzt sich mit der Situation der messianischen Juden und der palästinensischen Christen im heutigen Staat Israel auseinander. Er erinnert an die Feindschaft zwischen Juden und Christen seit dem zweiten Jahrhundert, die im Holocaust gipfelte. Trotz offizieller Bitten um Vergebung von deutschen Politikern ist diese Last nicht abzuschütteln. Siehe auch den Aufruf von Außenminister Fischer, "Erinnerung (zu) bewahren und Verantwortung (zu) übernehmen".

Die Problematik des Nahost-Friedensprozesses hängt an der Frage: "Wem gehört das Heilige Land und - vor allem - wem gehört Jerusalem?" Dabei ist unbestreitbar, was selbst Michail Gorbatschow festgestellt hat: "Dieses Land und dieses Volk müssen wohl mit Gott zu tun haben!" Das reklamieren aber sowohl Juden wie Muslime für sich und beide berufen sich dabei auf das Alte Testament.

Für eine Antwort auf die Besitzfrage ist die theologische Sicht des heutigen Staates Israel entscheidend. Überzeugend wendet sich Schrupp gegen die Ansicht, dass das Handeln Gottes mit Israel nach der Verwerfung des Messias beendet war und dass die christliche Kirche das "neue Israel" darstellt. An Hand biblischer Prophezeiungen zeigt er, dass Israel eine Zukunft mit göttlichen Verheißungen hat. Allerdings ist die Verheißung des Landbesitzes an den Gehorsam Israels Gott gegenüber geknüpft und an eine damit verbundene moralische Umformung des Volkes. Diese Situation besteht heute noch nicht, ist aber das Ziel Gottes mit seinem Volk. Unabdingbare Voraussetzung für die Erreichung dieses Zieles ist die Anerkennung des Messias Jesus Christus durch Israel. Deshalb ist es höchst interessant, zu beobachten, wie sich das Evangelium von Jesus Christus im heutigen Staat Israel verbreitet, nachdem es wieder an seinen Ausgangsort zurückgekehrt ist.

Die aktuelle Situation der christusgläubigen Juden und Palästinenser in Israel wird in dem Buch sehr anschaulich dargestellt. Durch Interviews mit jüdischen und palästinensischen Christen erfährt der Leser von dem Leben und der Problematik beider Gruppen. Beide wissen sich in Christus verbunden. Es wird aber auch klar, dass in der derzeitigen Situation diese Verbundenheit in der Praxis des täglichen Lebens kaum zum Ausdruck kommt. Die Schwierigkeiten liegen zum Teil in nationalen Identifikationen, aber noch mehr in "unterschiedlichen Interpretationen biblischer Prophetien".

Ergänzt wird die Darstellung durch sehr interessante Kurzbiografien von messianischen Juden. Sie zeigen, welch harte Konsequenzen die Entscheidung für ein Leben mit Jesus Christus für einen Juden haben kann.

Im letzten Teil des Buches geht Ernst Schrupp auf die heutige Situation der Juden in Deutschland ein. Er berichtet von Gemeinden, die durch messiasgläubige Juden entstanden sind, die zum größten Teil aus dem Osten eingewandert sind.

Die Stärke des Buches liegt in den sachlichen Informationen, die der Leser aus erster Hand durch die Interviews und die persönlichen Eindrücke des Autors vor Ort erhält. Es weckt Verständnis für die Situation der Christen auf beiden Seiten in Israel, zeigt aber auch, dass von dem Wissen um Einssein in Christus bis zu der praktischen Verwirklichung noch ein weiter Weg zurückzulegen ist. Dennoch: Die Gewalt endet am Kreuz! Gleichzeitig ist das Buch ein Plädoyer dafür, den Juden in Israel und in Deutschland das Evangelium von Jesus Christus zu bringen.

Der Leser könnte die Gegensätze zwischen messianischen Juden und palästinensischen Christen in Israel eventuell noch besser nachvollziehen, wenn er in groben Zügen etwas über die unterschiedlichen Interpretationen der biblischen Prophetien erfahren würde. An dieser Stelle wären Nachfragen bei den Interviews interessant gewesen.

Das Buch ist durch die kurze und sachliche Darstellung sehr interessant und gut lesbar. Es ist außerdem ein Aufruf, für die Gläubigen in Israel zu beten.

Karl Becklein
D-Mainhardt

Lutzer, Erwin W. Lass deine Vergangenheit hinter dir ... Hoffnung im tiefsten Schmerz Dillenburg: CV 2000. 190 S. Pb. 10,90 EUR. ISBN: 3-89436-305-3

Lutzer wendet sich an Christen, die traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit - ob selbstverschuldet oder nicht - mit sich herumtragen. Angesprochen werden auch solche, die früher jahrelang in sündigen Bindungen gelebt haben und die, die Betroffenen helfen wollen. Der Verfasser stellt dabei immer wieder einen Grundsatz heraus: Gott kann unser Leben neu machen. Wir müssen nicht bei dem stehen bleiben, was falsch gelaufen ist. Der Verfasser geht von der Situation der Betroffenen aus, die entweder von der Erinnerung an ihre eigenen Sünden verfolgt werden oder nicht vergessen können, was andere ihnen angetan haben. Unter der Voraussetzung, dass wir uns vor Gott auch den dunklen Seiten unseres Lebens ehrlich stellen (Buße), löscht Gott unser "Sündenkonto" (Rechtfertigung) und ermöglicht uns ein glückliches Leben. Die "irdischen" Folgen bleiben uns allerdings nicht unbedingt erspart.

Aus verständlichen Gründen, wie dem Wunsch nach Vermeidung von seelischem Schmerz und Scham, sind wir bemüht, unsere "schwarzen Seiten" zu verleugnen. Bestimmte Verhaltensweisen, wie die Unfähigkeit Gefühle auszudrücken, der Versuch andere zu manipulieren, das Vermeiden von menschlicher Nähe oder Perfektionismus können Indizien für ein solches Verhalten sein. Voraussetzungen für einen Neubeginn mit Gott sind das ehrliche Bekenntnis vor ihm, die Anerkennung seines Standpunktes über uns (Psalm 139, 23 - 24) und das Gespräch mit einem gläubigen Menschen unseres Vertrauens. Für mich stellt sich hier die Frage an die christliche Gemeinde, ob es genügend solcher Vertrauenspersonen gibt.

Schuld hat bleibende seelische Folgen, wenn sie nicht vergeben wird (3. Kapitel). Bei Gott gibt es keine unvergebbare Sünde. Dazu finden sich im Buch interessante Ausführungen zur sogenannten " Sünde gegen den Heiligen Geist ... die ein Gläubiger nach Lutzers Meinung nicht begehen kann. Nur wenn man keine Buße will und das Opfer von Jesus Christus bis zum Lebensende abweist, wird man für alle Zeit gerichtet.

Manchmal haben Menschen Schwierigkeiten, Vergebung anzunehmen. Lutzer macht deutlich, dass Schuldgefühle schädlich sind, wo Gott die Sünden bereits vergeben hat. Vor der Bekehrung sind sie aber ein Werkzeug Gottes, um uns unsere Sünde deutlich zu machen. Auch das Schuldbekenntnis gegenüber Menschen, die von uns geschädigt wurden, ist wichtig. In den folgenden Kapiteln geht der Verfasser konkreter auf verschiedene sündige Verhaltensweisen ein.

Zunächst das Thema "Sucht". Es geht um Abhängigkeit (unbezwingbares Verlangen) von bestimmten Suchtmitteln (z.B. chemische Stoffe oder sexuelle Handlungen). Sucht hat negative Folgen für den einzelnen Menschen und für die Gesellschaft. Die von Christen gern geführte Diskussion, ob Sucht Krankheit oder Sünde sei, wird kurz gestreift. Lutzer widerspricht der Betrachtungsweise von Sucht als Krankheit.
Zu bedenken ist jedoch, dass beim medizinischen Krankheitsbegriff der therapiebedürftige Zustand des Leidens gemeint ist und nicht bestritten wird, dass das Leiden auch schuldhaft herbeigeführt sein kann
Zu bedenken ist meiner Meinung nach jedoch, dass beim medizinischen Krankheitsbegriff der therapiebedürftige Zustand des Leidens gemeint ist und nicht bestritten wird, dass das Leiden auch schuldhaft herbeigeführt sein kann. Anhand von Römer 1,18-32 zeigt Lutzer, dass Sünde, also auch Sucht, aus der Entfernung des Menschen von Gott resultiert. Zu beachten sind die Ausführungen über Homosexualität (S.65), um diese Bibelstelle in Gesprächen mit Homosexuellen nicht falsch anzuwenden.

Im 5. Kapitel werden die Opfer von Misshandlungen angesprochen. Sie können an negative Gefühle wie Zorn (auch auf Gott), Scham oder mangelnde Beziehungsfähigkeit gebunden sein. In allen Fällen gilt die biblische Verheißung, dass Gott zerbrochene Herzen heilen will (Jesaja 61,1-3) und dass Gott Recht sprechen wird (Psalm 147,6). Wenn man das Opfer seiner eigenen Eltern geworden ist, möchte Gott Vater - und Mutterstelle einnehmen (Psalm 27, 10). Sehr positiv fiel mir immer wieder der Abschnitt "Das können Sie tun" am Ende jedes Kapitels auf.

In einem weiteren Kapitel geht es um sexuelle Bindungen. Die biblischen Aussagen gelten Lutzer als alleiniger Maßstab. Das sexuelle Verlangen ist von Gott gewollt, sexuelle Beziehungen sind aber nur in der Ehe erlaubt. Es geht darum, das sexuelle Verlangen in die richtigen Bahnen zu lenken. Die Ehe ist die offiziell bezeugte (unterschiedlich je nach kulturellem Hintergrund), gegenseitige Übereinkunft, lebenslang als Mann und Frau zusammenzuleben. Sexuelle Beziehungen folgen aus dieser Übereinkunft. Ein Zusammenleben "ohne Trauschein" vermittelt die Botschaft fehlender Verbindlichkeit. Einwände, dass eine formelle Eheschließung unnötig sei, werden auf Seite 107 widerlegt.
Auch bei anderen Gelegenheiten im Leben, die bei weitem nicht die Bedeutung einer Eheschließung haben, zögern wir nicht, uns schriftlich und verbindlich festzulegen
Auch bei anderen Gelegenheiten im Leben (z.B. größeren Anschaffungen), die bei weitem nicht die Bedeutung einer Eheschließung haben, zögern wir nicht, uns schriftlich und verbindlich festzulegen. Nicht eheliche sexuelle Beziehungen führen häufig zu instabilen Partnerschaften. Für Lutzer folgt aus vorehelichen sexuellen Beziehungen nicht die Verpflichtung, die Ehe einzugehen (S. 106).

Die Befreiung aus sexueller Gebundenheit (Sprüche 2,18-19), in welcher Form auch immer, ist nur mit Gottes Hilfe möglich (Lukas 7,36-50). Der Weg führt über das ehrliche Schuldeingeständnis, Glaube an Gottes Rettungsmacht, Durchleben des Schmerzes, den man anderen zugefügt hat (z.B. durch Zerstörung ihrer Familie), Annahme der Vergebung Gottes und Beendigung der sündigen Beziehungen. Lutzer macht deutlich, dass man lebenslang kämpfen muss, weil die alten Neigungen immer noch vorhanden sind.

In Kapitel 8 wendet sich der Verfasser wieder den Opfern von Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch zu. Um glücklich mit Gott leben zu können, sollen sie den Tätern vergeben. Ein Rechtsstreit unter Christen wird von Lutzer unter Berufung auf 1.Korinther 6,7 abgelehnt. Meiner Meinung nach müsste über diesen Punkt ausführlicher gesprochen werden. Die Regierung ist von Gott dazu eingesetzt, das Böse zu bestrafen (Römer 13) und Straftaten sollten auch so behandelt werden. Man kann es auch so sehen, dass die Strafe mit zu den Folgen der Sünde gehört. Die zwischenmenschliche Vergebung muss unabhängig davon erfolgen. Sie ist, wie Lutzer herausstellt, ein Willens - und Glaubensakt.

Im neunten Kapitel werden Zwangsvorstellungen anhand der Geschichte von dem Besessenen in Markus 5 behandelt. Lutzer rät beim Urteil "dämonische Verstrickung" zu großer Zurückhaltung, wie ich meine, sehr zu Recht. Ein gewisses medizinisches Wissen ist nötig, um mit solchen Erscheinungen richtig umgehen zu können.

In den beiden Schlusskapiteln wird nochmals ausführlich dargestellt, dass man die Sünde fliehen soll und insbesondere mit Hilfe intensiven Gebets auch fliehen kann.

Der Weg zurück zu Gott wird nicht problemlos sein. Manche Folgen unserer Sünden können hier auf der Erde nicht mehr in Ordnung gebracht werden, wohl aber die Beziehung zu Gott. Gott kann sogar aus unseren Fehlern Gutes entstehen lassen.

Ich habe aus diesem Buch viel gelernt und kann es nur empfehlen. Als Problem sehe ich die häufigen Wiederholungen und eine gewisse Unstrukturiertheit, die es manchmal schwer macht, das Wesentliche zu behalten. Diese Mängel können aber nicht ernsthaft vom gewinnbringenden Lesen abhalten.

Thomas Freudewald
D-Schlema

Adel Theodor Khoury. Der Koran Arabisch-Deutsch. Übersetzung und wissenschaftlicher Kommentar. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Chr. Kaiser 2000 und 2001. Band 11: 607 S. 218,- EUR. ISBN: 3-579-00383-6. Band 12: 642 S. 229,- EUR. ISBN: 3-579-00384-4.

Mit der Publikation des elften und zwölften Bandes kommt der christlich-muslimische Korankommentar des Münsteraner Professors für Religionswissenschaft Adel Th. Khoury zum Abschluss. Da hier in zwei Bänden insgesamt 78 von 114 Suren kommentiert wurden, ist es nicht möglich, die Fülle der darin behandelten Themen im Einzelnen zu nennen. Neben einem gründlichen philologischen Kommentar zu den einzelnen Texten ist der - leider recht knappe - Exkurs des 11. Bandes "Wer sollte geopfert werden - Isaak oder Ismael"? für die christlich-islamische Begegnung von besonderem Interesse. Den wenigsten Muslimen ist bekannt, dass sich die Mehrzahl der (vor allem frühen) Korankommentatoren in dieser Frage eindeutig für Isaak entscheidet, während muslimische Theologen heute meist selbstverständlich von Ismael ausgehen. Interessant auch der ausführliche Exkurs des 12. Bandes zur islamischen Schöpfungslehre: Zwar lehrt der Koran die Schöpfung des Menschen, er ist jedoch nicht als Gottes Ebenbild geschaffen, weshalb der Islam den immensen Abstand und die grundlegende Andersartigkeit von Schöpfer und Geschöpf stets hervorgehoben hat. Nach koranischer Auffassung sind nicht alle Geschöpfe mit denselben Aufgaben betraut: Daraus ergeben sich rechtliche Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen, Muslimen und Nichtmuslimen. Im Exkurs zum "koranischen Menschenbild" kommt deutlich zur Sprache, dass der Koran von der schwachen und zum Bösen neigenden Natur weiß. Nur gibt er darauf keine Antwort außer dem Aufruf, sich um das Gute zu bemühen.

Christine Schirrmacher
D-Bonn


Pailer, Norbert. Faszination Weltraum. Bilder vom Rand der Welt. Holzgerlingen; Hänssler 1998 111 S. Geb. 15,95 EUR. ISBN: 3-7751-3027-6

Der promovierte Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Norbert Pailer, der sich im Rahmen mehrerer Projekte der Weltraumbehörden ESA und NASA mit "Kometenphysik" und "Interplanetarem Staub" beschäftigte, legt hier einen Bild- und Textband vor, der vom Staunen über die wunderbare Schöpfung Gottes bestimmt ist. Zusammen mit dem Schweizer Grafiker Johannes Weiß entstand ein faszinierender 22x28 cm großer Geschenkband, der inzwischen in zweiter erweiterter Auflage erschienen ist. Die Farbaufnahmen und der leicht verständliche Text, der bewusst von einem biblischen Verständnis der Schöpfung ausgeht, führen den Leser ganz von selbst zur Bewunderung unseres Schöpfer-Gottes. Ganz nebenher erfährt man höchst interessante Einzelheiten. Oder wussten Sie, dass das Licht der Sonne, das etwa acht Minuten zu uns unterwegs ist, den Planten Pluto erst in fünf Stunden erreicht oder dass ein Merkurtag doppelt so lang wie ein Merkurjahr ist? Haben Sie schon von der Sternenkarte gehört, die versucht unsere kosmische Umgebung aus der Sicht eines weit entfernten gedachten Beobachters dazustellen? Es hat die Astronomen überrascht, dass kosmische Strukturen wie die Speichen eines riesigen Wagenrades, wie Zeiger auf uns weisen. Sie sind als "Finger Gottes" in die Fachliteratur eingegangen.

Ein kleiner Fehler ist den Bearbeitern auf S. 42 unterlaufen. Die Kilometerzahl beim Absprengen des Hitzeschildes kann auf keinen Fall 125 betragen, vermutlich 2,5. Trotzdem ein Buch, das sich hervorragend als Weihnachtsgeschenk eignet.

Karl-Heinz Vanheiden
D-Hammerbrücke


Pailer, Norbert. Im Zeichen der Schöpfung. Vom Innersten des Atoms bis zu den fernsten Galaxien. Holzgerlingen: Hänssler 2000 95 S. geb. 12,90 EUR. ISBN: 3-7751-33336-4

Astronomie - leichtgemacht, könnte man über diesen schönen 22x28 cm großen Bildband schreiben. Er beginnt mit einer bemerkenswerten Mäusegeschichte, die auch zwischendrin immer mal wieder auftaucht. Dr. Norbert Pailer geht unter Mitarbeit von Prof. Dr. Egelhof und dem Grafiker Johannes Weiß in sechs anschaulichen Kapiteln den verborgenen Spuren in der Schöpfung nach. Pailer zeigt, welch ungeheuren Glauben das Urknallszenario uns abverlangt. "Noch nie ist eine so weit reichende These auf so wackligen Beinen gestanden." (S. 41). Kapitel zwei macht uns mit der Spanne der Dimensionen unserer Welt vertraut, die von 10 -30 bis 10 30 Meter reicht. Bemerkenswerter Weise steht der Mensch genau in der Mitte. Die Verfasser machen sich dann auf den Weg nach innen zu den kleinsten Teilchen unserer Welt und nach außen bis zu den Grenzen der Reichweiter der Sonnenstrahlen (Heliopause). Unser Lebensraum, die wunderschöne Erde, bleibt trotz neu entdeckter Planeten außerhalb unseres Sonnensystems einzigartig. Perspektiven einer Gesamtsicht und Zeugnisse für den Schöpfer beschließen den informativen Band.

Karl-Heinz Vanheiden
D-Hammerbrücke


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