Bibel und Gemeinde
2002-3
Buchbesprechungen

Buchbesprechungen


Nun, Mendel. Der See Genezareth und die Evangelien: Archäologische Forschungen eines jüdischen Fischers. 255 S. Pb. 19,90 EUR. ISBN: 3-7655-9810-0.

Mehr als ein halbes Jahrhundert arbeitete der Autor im Kibbuz Ein Gev am See Genezareth als Fischer und begann seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts sein Handwerk auch archäologisch zu erforschen. Er gilt als Pionier auf diesem Gebiet, entdeckte einige antike Häfen rings um den See und ist der Begründer des Fischereimuseums "Haus der Anker". Rainer Riesner hat die verschiedenen Forschungsbeiträge des Autors aus dem Ivrit und dem Englischen übersetzt, bearbeitet und in der vorliegenden Sammlung vereint.

In acht Kapiteln werden uns die Ergebnisse von Nuns Arbeit um den See Genezareth vorgeführt, der Anhang liefert eine Bibliographie von Mendel Nun, eine Beschreibung des Kibbuz Ein Gev und des dortigen Fischerei-Museums. Drei Register und viele schwarz-weiß Fotos und Skizzen runden die sorgfältige Arbeit ab.

Zunächst beschreibt Nun den Fischbestand des Sees sowie die verschiedenen Fangarten in der Zeit Jesu und die dazugehörigen Netze (Zugnetz, Wurfnetz, Spiegelnetz, Verandanetz) und Angelgeräte. Er versucht, die in den Evangelien erwähnten Fischerwerkzeuge zu identifizieren und erklärt ihre Handhabung.

Durch verschiedene Wassertiefstände vor allem in den letzten Jahrzehnten konnten 16 antike Hafenanlagen aus biblischer Zeit neu entdeckt werden. Nun konnte nachweisen, dass die Wasserstände auch in der Geschichte stark schwankten und es außerdem unterschiedliche Jordanausflüsse gab. Einem Wassertiefstand im Januar/Februar 1986 verdankt auch das Boot aus der Zeit Jesu seine unerwartete Entdeckung, die Nun ausführlich beschreibt.

Nachdem der Autor im nächsten Kapitel die verschiedenen Schiffsanker, Netzanker und Steinsinker beschrieben hat, wendet er sich der Ortslage Kursi (Gergesa) ausführlicher zu und zeigt im Anschluss, dass es das Land der Gadarener wirklich gab. Es war ein Uferstreifen, in dessen Zentrum der Seevorort von Gadara lag. Die Kriegsschiffe von Gadara erschienen auch auf den Wassern des Sees Genezareth.

Zum Schluss stellt sich Nun der Diskussion um die Lage von Bethsaida. Es spricht nach seiner Meinung viel mehr für die Identifizierung von El-Aradsch mit Bethsaida, als Et-Tell, vor allem, wenn man die Änderungen des Wasserspiegels und damit der Uferlinien beachtet.

An einigen Stellen ist der bibeltreue Leser etwas verunsichert, und fragt sich welcher Quellenhypothese Nun huldigt (S. 41f, 54) oder was man von der Entstehung des Sees Genezareth vor 18.000 Jahren halten soll, aber die Arbeit ist für jeden, der sich für die Umwelt Jesu interessiert und sich gründlicher darüber informieren möchte, unbedingt lesenswert.

Karl-Heinz Vanheiden
D-Hammerbrücke


Water, Mark. Brennende Fragen zur Bibel - einfach erklärt. Stuttgart: Anker 2001. 64 S. Tb. EUR 5,90. ISBN 3-7675-7778-X.

31 brennende Fragen zur Bibel will das handliche Büchlein für Christen beantworten, die sich damit den Herausforderungen ihrer Mitmenschen stellen sollen. Die angesprochenen Probleme werden sehr knapp behandelt, meist auf einer Doppelseite, und sind manchmal durch übersichtliche Tabellen ergänzt. Der Verfasser ist bemüht, die Fragen im Sinn der Heiligen Schrift zu beantworten. Dabei geht er selbst auf Fragen der Inspiration und der Auslegung der Schrift ein und scheut sich auch nicht, die Uneinigkeit der Christen bei manchen Themen zu benennen. Manche Antworten sind allerdings nicht so klar, wie man sich das wünschte. Bei der Frage, ob Adam und Eva wirklich gelebt haben, wirkt der Verfasser selbst unsicher und sagt nur: "Für Paulus haben Adam und Eva tatsächlich existiert." (S.33.) Auch die Antwort auf das synoptische Problem ist unbefriedigend schwach. Sehr bedenklich ist, dass die völlig fiktive Quelle "Q", die aus dem Umfeld der kritischen Theologie stammt, einfach als Tatsache hingenommen wird. Das Zitat von Bruce (S.43) macht die Sache nicht besser. Positiv ist aber, dass sich der Verfasser eindeutig zur Jungfrauengeburt und zur leiblichen Auferstehung des Herrn stellt. Eine farbige ausklappbare Faltkarte mit den wichtigsten Bibelstellen für suchende Menschen ergänzt das gut aufgemachte Büchlein. Besser wäre freilich, der Christ hätte sich die Stellen in seiner Bibel angestrichen und würde damit argumentieren.

Karl-Heinz Vanheiden
D-Hammerbrücke


Junker, Reinhard: Jesus, Darwin und die Schöpfung. Warum die Ursprungsfrage für Christen wichtig ist. Holzgerlingen: Hänssler 2001 Wort+Wissen. 37 S. 2,50 EUR. ISBN 3-7751-3795-5.

In gleicher Aufmachung, verständlich geschrieben und gut gestaltet, hat die Studiengemeinschaft "Wort und Wissen e.V." schon einige Broschüren zur Erstinformation über Schöpfungsfragen für Christen und Nichtchristen herausgegeben, z.B. "Stammt der Mensch von Adam ab?", "Sündenfall und Biologie", "Geheimnisvolles Weltall". Das neue Heft ist besonders wichtig, weil es sich mit der weit verbreiteten Meinung auseinandersetzt, Gott habe den Menschen auf dem Weg der Evolution geschaffen. Reinhard Junker macht deutlich, dass sich Christen unbedingt mit den gängigen Evolutionstheorien auseinander setzen müssen, weil es sich dabei eben nicht nur um wissenschaftliche Theorien handelt, sondern um Weltanschauungen, die der Botschaft der Bibel diametral entgegen stehen. Die meisten Christen machen sich nicht klar, dass sie die Grundlagen ihres Heils in Frage stellen, wenn sie die Evolutionslehre - auch in theistischer Interpretation - akzeptieren. Jeder Christ, der irgendwo auf die Evolutionslehre gestoßen ist, sollte diese kleine Broschüre unbedingt lesen!

Karl-Heinz Vanheiden
D-Hammerbrücke


Lutzer, Erwin. 10 Lügen über Gott. Bielefeld: CLV, 2001. 6,50 EUR, Pb. 224 Seiten. ISBN 3-89397-287-0

Längere Zeit gab es im evangelikalen Raum nur wenige Klassiker zur eigentlichen Theologie, d.h. der Lehre über Gott, die zudem des öfteren vergriffen waren: A.W. Tozer, Das Wesen Gottes, sowie J.I. Packer, Gott erkennen.

Die Situation hat sich in den letzten Jahren durch verschiedene, neue Veröffentlichungen verbessert; u.a. W. MacDonald, So ist Gott, R.C. Sproul, Die Heiligkeit Gottes, und eben E. Lutzer, 10 Lügen über Gott.

Im Unterschied zu den oben genannten Büchern, die das Wesen und die Eigenschaften Gottes aus den positiven Aussagen der Schrift herleiten, geht der Verfasser diese Grundfrage unserer Existenz von der Negation des Zeitgeistes aus an. Indem Lutzer die von ihm aufgegriffenen Lügen über Gott mit der Bibel korrigiert, führt er den Leser "durch die Negation der Negation zur Position". Wer sich dieses Buch besorgt, erhält daher nicht in erster Linie ein sauber sortiertes Lehrbuch zum ersten Kardinalpunkt systematischer Theologie, sondern vielmehr eine seelsorgerliche Studie, die auch für den bibeltreuen Leser herausfordernde Schneisen in das eigene Nach-Denken über Gott schlägt.

Gemäß dem Vorwort geht der Autor in seiner Argumentation dabei von folgenden Parametern aus:

  1. Die Bibel muss unsere einzige Quelle für unser Wissen über Gott sein
  2. Je besser wir Gott kennen lernen, desto besser kennen wir uns selbst
  3. Je besser wir Gott kennen, desto eifriger werden wir Ihn ehren.

Die von Ihm aufgegriffenen 10 Lügen seien im Nachfolgenden kurz skizziert:

1. Das einleitende Kapitel lautet: Gott ist genauso wie ich Ihn mir wünsche. Lutzer stellt im Vergleich der aktuellen Götzen unserer Zeit mit dem verborgenen und suchenden Gott der Schrift die Weichen für die nachfolgenden Kapitel.

2. Viele Wege führen zu Gott, lautet die zweite allseits bekannte Lüge. Ihr wird die einzigartige und notwendige Mittlerschaft Christi gegenüber gestellt.

3. Kapitel 2 bildet mit dem 3. Kapitel eine thematische Einheit, geht es hier doch um die These, Gott ist heute toleranter als früher. Der Verfasser weist nach, wie der unveränderliche Gott (des AT und NT) in der Person seines Sohnes seine eigenen Forderungen erfüllt.

4. Die Erfüllung seiner heiligen Maßstäbe werden in der 5. These dargelegt, wenn der Autor die Behauptung, Gott hat selbst nie gelitten, zurückweist: Das wunderbare Thema der Stellvertretung wird brillant vorgetragen. Der biblische Gott ist nicht der unberührbare, ewig ferne Gott der Deisten oder Muslime; er ist Teil des Problems geworden, der Gott-Mensch stirbt am Kreuz. Sollte der Gott, der vor 2000 Jahren seinen Sohn gab, heute emotional unberührt bleiben?

5. Gott ist verpflichtet, auch Menschen anderer Religionen zu retten, reißt ein weiteres populäres Thema an. Ist nicht der mitfühlende Gott des letzten Kapitels notwendigerweise auch der allseits rettende Gott? Lutzer setzt sich besonders mit den Auffassungen des amerikanischen Theologen C. Pinnock auseinander, der den Glauben an einen begrenzten und gleichzeitig weitherzigen Gott vertritt. Pinnocks allversöhnende Argumente werden qualifiziert widerlegt. Seine eigene Überzeugung bezüglich der Unerreichten kommt in der Besprechung von Römer 1-2 zum Ausdruck. Sein Fazit, "Wer bereit ist zuzugeben, dass er den Ansprüchen Gottes nicht genügt, (...), wird das nötige Licht erhalten, dass er Kenntnis von Jesus bekommt." (Seite 90), lässt jedoch einige Fragen offen. Dies wird auch von Lutzer freimütig zugegeben; nach Auffassung des Rezensenten etwas zu schnell, mit ein paar Fragen zu viel.

6. Die 6. Lüge (Gott ist nicht für Naturkatastrophen verantwortlich) wird für einige Leser besonders provokativ sein:
Hat Gott etwas mit dem Wetter zu tun?
Hat Gott etwas mit dem Wetter zu tun? Alle, die dies bezogen auf Wetterkatastrophen verneinen, müssen sich vom Verfasser fragen lassen, warum sie zum nächsten Urlaub, oder zur nächsten Hochzeit, für schönes Wetter beten ...

7. Gott kennt unsere Entscheidungen erst, nachdem wir sie treffen, diskutiert aktuelle, theologische Strömungen in evangelikalen Kreisen, welche die Allwissenheit Gottes in Frage stellen (die sogenannte "Begrenztheit Gottes" von C. Pinnock, u.a., welche über die klassische Diskussion zwischen Calvinisten und Arminianern weit hinausgeht). Ein kurzer Blick in Psalm 139 reicht aus, um die blasphemische und letztlich bibelkritische Theorie eines unwissenden Gottes zu widerlegen. Lutzer nimmt sich dazu 14 Seiten lang Zeit.

8. Hatte Gott ursprünglich vor, für alle Zeiten mit Adam und Eva im Garten spazieren zu gehen?
Hatte Gott ursprünglich vor, für alle Zeiten mit Adam und Eva im Garten spazieren zu gehen?
Wurde er dann durch der Beiden Ungehorsam genötigt Plan B zu erfinden? In "Der Sündenfall vereitelte Gottes Plan" bespricht E. Lutzer diese Frage und begründet seine Überzeugung, dass wir trotz all dem Chaos um uns herum, uns immer noch im ursprünglichen Plan A befinden ... Der Verfasser zitiert in diesem Kapitel zu weiten Teilen aus einem empfehlenswerten Buch: J. Piper. The Pleasures of God: Meditations on God's delight in being God. (Sisters: Multnohma Publ., 396 S.)>

9. In der Besprechung der 9. Lüge, Gott kann sich nicht gleichzeitig mit uns freuen, geht der Verfasser auf die unbegründete Sorge vieler frommer Zeitgenossen ein, sich entweder für ihre christlichen Pflichten, oder aber für seichte Vergnügungen entscheiden zu müssen. Das Gott Freude und Dienst zusammenbringen kann, ja sich an unserer irdischen Freude mitfreuen kann, kommt ihnen leider nicht in den Sinn ...

10. In Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott geht der Autor auf die wichtigste Voraussetzung zur Errettung ein: Anzuerkennen, das man sich selbst nicht retten kann, sondern es dazu Gottes Eingreifen bedarf. Gott hilft (nur) dem, der hilflos ist ...

Jedes der 10 Kapitel endet mit einer "Persönlichen Reaktion", in denen das Anliegen des Verfassers deutlich wird, "anbetend vor ihn hinzufallen" (wohl eher: "niederzufallen", Seite 10). Ein Teil der Themen macht deutlich, dass E. Lutzer in den Heilsfragen mit Überzeugung dem calvinistisch geprägten Lager zuzurechnen ist. Einige seiner Auffassungen werden für manche Leser eine starke Herausforderung bedeuten! Trotz dieser eindeutigen Position Lutzers, können auch Gläubige, die in diesen Fragen andere Überzeugungen vertreten, den Thesen des Autors mit Gewinn folgen, da er seine Standpunkte in einer demütigen Grundhaltung formuliert: "In diesem Buch tue ich nicht so, als ob ich alle unsere Fragen über Gott beantworten könnte" (Seite 10). Die mitfühlende Art des Verfassers hebt sich in der Haltung wohltuend von so mancher "fehlerlosen" Logik orthodoxer Systematiker ab. Der Preis dafür ist, das Lutzer sich etwas zu häufig auf die Geheimnisse Gottes und die Beschränktheit menschlichen Nach-Denkens über Gott zurückzieht: "Jahrelang beschäftigte mich das Problem, wie man das Leiden dieser Welt mit der Liebe Gottes vereinen kann. Nach allem Studieren und Nachdenken musste ich die Schlussfolgerung ziehen, dass eine annehmbare, rationale Lösung vielleicht gar nicht existiert. Ich versuchte in diesem Buch darzulegen, dass wir demütig bekennen müssen, dass Gottes Wege 'alle Erkenntnis übertreffen'. Es war einfach nicht sein Wille, uns alle Teile des Puzzlespiels zu zeigen. Doch wie Tony Campolo sagt: 'Es ist (Kar-) Freitag, doch der Sonntag kommt bestimmt.'" (Seite 175).

Leider sind in der Übersetzung der Fußnoten auch Titel, die im Deutschen bestens bekannt sind, nur im englischen Original angegeben (ca. 20 Verweise mit Büchern von B. Pascal, C.S. Lewis, J. Calvin, Augustinus, P. Yancey, J.I. Packer, R.C. Sproul, A. Camus und E. Lutzer selbst). Dies ist man vom herausgebenden Verlag bereits aus anderen Publikationen gewöhnt - der ebenfalls "CLV-typische", günstige Preis mag darüber hinweg trösten ...

Ein Epilog mit dem Titel "Können wir ihm vertrauen"?, sowie ein Anhang mit "Fragen zur Gruppenarbeit" runden das empfehlenswerte Buch ab.

Uwe Brinkmann
D-München


Pink, W. Arthur. Was ist rettender Glaube? Bielefeld: Bethanien 2002. 192 S.Pb. 8,50 EUR. ISBN: 3-935558-51-1

Absicht des Autors ist es, den Unterschied zwischen echtem ("rettendem") und unechtem Glauben klarzumachen. Dabei beschäftigt er sich weniger mit "volkskirchlichen" Vorstellungen, wie z.B., dass die Taufe erretten kann. Sein Thema sind vor allem die Abweichungen evangelikaler Evangelisten von den Aussagen des biblischen Evangeliums. Offensichtlich hat das auch die deutschen Herausgeber bewogen, das bereits Anfang der 30er Jahre des 20.Jahrhunderts erschienene Buch zu übersetzen und zu verlegen.

Bereits im Vorwort der Herausgeber wird davon ausgegangen, dass entschiedener Widerspruch gegen die Darlegungen Pinks zu erwarten ist. Sie empfehlen deshalb, zunächst den Anhang zu lesen. Es erscheint sinnvoll für den Leser, dieser Empfehlung zu folgen.

Im Hauptteil des Buches beschäftigt sich Pink zunächst mit den "Zeichen der Zeit". Seiner Meinung nach wird in der (evangelikalen) Predigt des Evangeliums die Heiligkeit Gottes und die völlige Verderbtheit des Menschen nicht ausreichend betont. Gott möchte den Sünder nicht nur vor der Hölle retten, sondern eine Lebensveränderung bei ihm bewirken.
Christus muss nicht nur als Retter, sondern auch als Herr angenommen werden
Um errettet zu werden, ist es deshalb notwendig, dass man die Sünde bedauert und von Herzen ablehnt (Buße). Christus muss nicht nur als Retter, sondern auch als Herr angenommen werden (Lebensveränderung).

Die Gefahr mangelhaft dargebotenen Evangeliums besteht darin, dass man die Wahrheiten der Bibel zwar mit dem Verstand bejaht, Jesus mit dem Mund als Herrn bekennt und sogar die Wiederkunft des Herrn erwartet und trotzdem nicht den tiefen inneren Wunsch hat, Gott im Leben zu gefallen und Eigenwillen und Selbstliebe wirklich aufzugeben.

Im Gegensatz dazu ist der echte Glaube am "Glaubensgehorsam" zu erkennen. Der "echte Gläubige" gibt nicht nur die eigene Gerechtigkeit vor Gott auf, sondern entsagt auch dem Eigenwillen und der Rebellion gegen Gott.

Dabei betont Pink, dass entgegen häufig geäußerter Auffassungen echter Glaube nichts Einfaches ist. Glaube ist eine (übernatürliche) Gabe Gottes. Wir können nicht einfach "an Jesus glauben", wenn wir nur wollen (von Pink dazu immer wieder angeführte Bibelstelle Johannes 6,44).

Die biblischen Verheißungen (wie z.B. Apg 16,31) stellt Pink nicht in Frage, fordert aber zur Selbstprüfung auf, ob man sie als bekennender Christ wirklich auf sich anwenden kann. Zu dieser Selbstprüfung gehören die Fragen, ob tatsächlich die Früchte des Heiligen Geistes im eigenen Leben zu sehen sind (nach der Bekehrung reale Verhaltensänderungen eingetreten sind) und ob sich Glaubensgehorsam und Liebe zeigen. Echten Glauben erkennt man auch daran, dass er Prüfungen und Widerstände zu bestehen hat. Das Leben eines Gläubigen ist durch den Kampf zwischen "alter" und "neuer Natur" gekennzeichnet. Alle natürlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten, die sich im Verstand, Gefühl und Willen des Menschen äußern sind durch die Sünde verdorben. Gott verändert jeden einzelnen Bereich. Der von Gott erleuchtete Verstand nimmt nicht nur die biblischen Aussagen als wahr an, sondern geht durch den Willen auch zur Tat über. Der Gläubige fühlt Sehnsucht nach Gott und der Ausführung seines Willens. Er hat keine selbstsichere Heilszuversicht, sondern es betrübt ihn, wenn er dem Willen Gottes nicht entspricht.

Als Leser habe ich immer wieder gehofft, dass nun konkrete Auswirkungen des Glaubens auf das Leben zur Sprache kommen, was aber bis auf einige wenige Hinweise nicht der Fall ist. Das kann zur Folge haben, dass die Angst "etwas verkehrt zu machen" geweckt wird, ohne das richtige Wege gewiesen werden.

Im letzten Teil des Buches geht Pink auf die "Heilsgewissheit" ein. Kriterien für die Heilsgewissheit sind, dass die Liebe zu Christus aufrichtig ist und der Lebenswandel dem eines Wiedergeborenen entspricht. Echte Heilsgewissheit kommt nicht "erhobenen Hauptes" einher, sondern ist sich der Heiligkeit Gottes voll bewusst.

Der Heilige Geist befähigt uns, Auswirkungen und Früchte seines übernatürlichen Wirkens im Licht der Bibel in uns zu erkennen. Durch tägliche Gemeinschaft mit Gott (Übereinstimmung mit seinem Willen suchen) und Bereinigung von Schuld wird die Heilsgewissheit bewahrt.

Im Kapitel über Heilsgewissheit gibt Pink auch einen kirchengeschichtlichen Überblick. Er bezeichnet die Lehre der Reformatoren (Heilsgewissheit als unverzichtbarer Bestandteil rettenden Glaubens) als unausgewogen (S. 113). Die Puritaner (England, 17. Jahrhundert) hätten durch ihre Betonung der Heiligung und Selbstprüfung wieder eine ausgewogene Sicht gehabt. Offensichtlich wird diese Meinung auch von den deutschen Herausgebern geteilt (S. 7). Für jeden historisch interessierten Leser sind zumindest Zweifel an dieser Auffassung erlaubt.

Pink lehnt auch den Dispensationalismus ab, weil dieser das Zeitalter der Gnade, in dem es allein auf den Glauben ankommt, von dem des Gesetzes unterscheidet (S. 123). In den "dispensationalistischen Gemeinden" die ich kenne, wird aber sehr wohl gelehrt, dass der Glaube seine Echtheit im Leben beweisen muss. Überhaupt sind meiner Meinung nach nicht differenzierende Angriffe leider ein Kennzeichen dieses Buches. Als Beispiele seien angeführt: Seite 11 - Aussagen über die "moderne Evangelisation", Seite 118 - Aussagen über "Leute, die auf Johannes 3,16 vertrauen", S.123 - Aussagen über die Scofield-Bibel, S. 146 - Aussagen über die "heutige Evangeliumsverkündigung". Um Missverständnisse zu vermeiden, hätte Pink konkreter werden müssen.

Im schon eingangs erwähnten Anhang des Buches geht der Verfasser dann auf verschiedene Einwände, die gegen sein Buch vorgebracht werden könnten, in Form von Dialogen ein. Während "Herr Fleischliche Zuversicht" der ganze Ernst eines unechten Glaubens klargemacht wird, wird Herr "Demütiges Herz"und "Schwester Furchtsam" mit den Verheißungen der Bibel Mut gemacht.

Das große Thema des Buches, nämlich die Unterscheidung zwischen echtem und unechtem christlichen Glauben ist für jeden, der sich als Christ bezeichnet, sehr wichtig. Zwei Tatsachen, die in diesem Zusammenhang Bedeutung haben, werden meiner Meinung nach von A. W. Pink nicht ausreichend dargestellt:

  1. Früchte des Heiligen Geistes wachsen im Leben eines Christen und
  2. Gott sieht das Herz eines Menschen.

Die Suche nach äußeren Echtheitsbeweisen kann auch in die Irre führen.

Wer die schwierige Lektüre nicht scheut, dem sei dieses Buch empfohlen.

Thomas Freudewald
D - Schlema


Arnold, Bill T.; Bryan, E. Beyer. Studienbuch Altes Testament. 496 S. Geb. 48,00 EUR. ISBN: 3-417- 24697-0

Das Studienbuch möchte helfen das Alte Testament systematisch zu erfassen. Im Vorwort werden fünf Grundprinzipien umrissen. 1. Es soll für theologische Laien allgemeinverständlich sein. Zielgruppe: Bibelschulanfänger. 2. Pädagogisch sinnvolles Konzept mit Fragen zu den einzelnen Kapiteln. 3. Visuelle Unterstützung durch Tabellen, Karten, Fotos und Grafiken. 4. Es soll die oftmals nicht vorhandene geistesgeschichtliche Vorbildung der Leser beachten. 5. Es soll die wesentlichen Themen vor Augen führen und nicht auf Nebengleise führen.

Das Buch will sowohl die Kenntnis der Bibel, als auch die innere Einstellung zum Wort Gottes fördern. Im Vorwort für die Lehrer wird ein wichtiger Grundsatz vermittelt: "...doch es gibt Gefahren, wenn man die Auseinandersetzung über die Texte wichtiger hält als die Texte des AT selbst. Unsere Absicht ist es, die Leser in erster Linie zur Lektüre des AT zu ermutigen und nicht zur theologischen Diskussion." (Seite 15.)

Am Anfang jedes Kapitels stehen eine Übersicht und die Lernziele und am Schluss gibt es jeweils eine Zusammenfassung und Fragen zur Vertiefung. Durch verschiedene Symbole und farbig unterlegte Kästen zieht sich ein einheitlicher Aufbau durch das ganze Buch, ergänzt durch gute Karten, Tabellen und Farbfotos. Ein Nachwort, die Anmerkungen zu den einzelnen Kapiteln und ein Sach- und Personenregister schließen das Buch ab.

Im ersten Kapitel wird die Grundlage für das Buch und seine Beurteilung der Bibel gelegt. Es beschäftigt sich mit dem Kanon, der Kanonizität, der Inspiration, Textübermittlung und der Hermeneutik. Bei der Inspiration werden 4 Modelle (Theorie der dialektischen Theologie, Diktat-Theorie, die Theorie der eingeschränkten Inspiration und die uneingeschränkte Verbalinspiration) besprochen und beurteilt, wobei die letzte als wichtige Position herausgestellt wird, da sie Glaubwürdigkeit und Autorität der Bibel betont. Die Aussagen zur Hermeneutik zeigen, dass das AT grammatikalisch-historisch ausgelegt werden soll. In kurzen, prägnanten Aussagen und Zusammenfassungen werden die Regeln der Hermeneutik nahegebracht. "Das AT ist mehr als nur ein interessantes antikes Buch. Seine Botschaft ist auch auf unser Leben heute zu beziehen." (Seite 31)

In der Einführung zum Pentateuch werden auch die Lösungsversuche der historisch-kritischen Methode vorgestellt (Quellenscheidung, Urkundenhypothese, Formgeschichte) und abschließend evangelikale Beiträge zur alttestamentlichen Forschung erwähnt. "Wenn die konservativen Gelehrten auch keine einheitliche Antwort auf die Frage geben, auf welchen Zeitpunkt die Jetztgestalt des Pentateuch zu datieren ist, ... zeigen sie doch dass diese Bücher von Gottes Geist inspiriert und historisch zuverlässig sind." (Seite 76.)

Bei der Frage nach dem Auszug aus Ägypten werden Früh- und Spätdatierung nebeneinander behandelt, wobei im Buch Josua eher das 15. Jh. (S.170 Anm. 3) bevorzugt wird in Anlehnung an E. H. Merrill "Die Geschichte Israels" (s.d. S. 203-206).

Die Hypothese des deuteronomistischen Geschichtswerkes wird bei der Einführung in die Geschichtsbücher erwähnt und ihre Probleme werden beschrieben.

Wenn man die Beiträge zu Jesaja und Daniel liest, bekommt man einen guten Überblick über die Problematik dieser Bücher. Die Tendenz des Studienbuches geht zu einem einheitlichen Jesajabuch und einem Danielbuch, das aus dem 6. Jh. v. Chr. stammt.

Kritisch anzumerken bleibt: Die Literaturangaben sind durchweg aus dem historisch-kritischen Umfeld. Neben der Wuppertaler Studienbibel wird kaum evangelikale Literatur erwähnt. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn ein deutscher evangelikaler Theologe die Literaturangaben überarbeitet hätte, da sie oft im Widerspruch zum Inhalt der einzelnen Kapiteln stehen. Die Anmerkungen bieten dem englischsprachlich versierten Leser genug Hinweise für konservative theologische Weiterarbeit.

Für den empfohlenen Leserkreis ein durchaus anspruchsvolles Buch, das zum Nachdenken und Weiterstudieren der Bibel einlädt.

Sieghard Howitz
D-Reichenbach/OL

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