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2002-2 |
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Noch vor einigen Jahren war Ivo Sasek in Deutschland nahezu unbekannt. Doch seit etwa drei Jahren wurde er hier verstärkt aktiv. Durch zahlreiche Predigtdienste sowie seine Literatur- und Kassettenarbeit fand der Schweizer Prediger in Deutschland mehr und mehr Anhänger, insbesondere in russlanddeutschen Gemeinden und in Kreisen, die der Heiligungsbewegung nahe stehen.
Seit etwa einem Jahr häufen sich allerdings Negativmeldungen. Saseks "Gerichts-Botschaft, zur Warnung an alle christlichen Vorsteher und Verkündiger"[1] sorgte für Schlagzeilen. In einigen Gemeinden spielten sich dramatische Szenen ab. Und immer wieder verlassen Anhänger Saseks ihre Gemeinde am Ort und schließen sich einer von ihm betreuten Gruppe an. Sie sehen in Saseks Lehren "geistliches Schwarzbrot und lebendiges Wasser"[2] . Sein Leben beweise die Richtigkeit seiner Lehren. Gott habe ihn bestätigt.[3] Freunde und Verwandte sind jedoch verunsichert, denn manche bezeichnen Saseks Lehren auch als "böse Lügen"[4] . Andere sprechen davon, dass Saseks Lehren "gefährlich"[5] seien. Was aber ist nun wahr?
Ivo Sasek wird am 10.07.1956 in Zürich geboren. Er wächst in einer nichtchristlichen Familie auf. Als Jugendlicher entdeckt er die Musik als seine große Leidenschaft und träumt von einer Musikkarriere als Schlagzeuger. Eine vierjährige Ausbildung zum Automechaniker schließt er erfolgreich ab. Doch er lebt unmoralisch - er stiehlt, lügt, betrügt, hat zunehmend Beziehungen zu Mädchen. Er kommt in Berührung mit Drogen und okkulten Handlungen.
Nach der Rekrutenschule beim Militär kommt es 1977 zur Wende: Er arbeitet in einer Züricher Firma wo er einen gläubigen Arbeitskollegen kennen lernt. Im Sommer sagte Sasek: "Gut Gott, du willst mein Leben. Dann nimm doch dieses Scheißleben hin und mach etwas draus!" Gott reagiert: "In dieser Zeit hatte ich nachts, mitten in Träumen, in normalen menschlichen Träumen, plötzlich himmlische Dimensionen erlebt. Gott hat mir seine Herrlichkeit gezeigt ... Gott gibt es, Gott lebt. Ich habe ihn gesehen, ich habe es erlebt!"[7]
| Sasek wünscht sich Gemeinschaft mit Gläubigen, die “heilig leben” und “frei sind von weltlichen Begierden” |
Trotz dieser Erlebnisse fühlt Sasek aber immer wieder seine Ohnmacht gegenüber der Sünde. Er wünscht sich Gemeinschaft mit Gläubigen, die "heilig leben" und "frei sind von weltlichen Begierden". Sasek macht sich auf die Suche nach einer Gemeinde und schließt sich der New-Life-Bewegung in Zürich an.
1978 gibt Sasek seinen Beruf auf, weil er der ganzen Nation das Evangelium predigen will. Es beginnt die "Wüstenschule"[8] .
In den Jahren von 1979-82 besucht Sasek die New Life Bibelschule. Außerdem ist er als Radioprediger bei Radio Zürich tätig. Auch mit seiner früheren Leidenschaft, der Musik, dient er Gott. Als Schlagzeuger eines Gospelchors spielt er auf zahlreichen Konzerten und wirkt bei 7 LP's mit. Sasek beginnt außerdem mit seiner Literaturarbeit. Er nutzt jede Gelegenheit, um Gott zu dienen. Dabei lernt er neue "Gesetzmäßigkeiten" kennen.[9] Er sucht nach der Kraft Gottes, da Aufwand und Ertrag seiner Arbeit in keinem Verhältnis zueinander stehen. Er schreit so lange zu Gott, bis Gott sich erbarmt. Gott lässt Zeichen und Wunder geschehen. Die Bibelschule gerät darüber in Aufruhr. Sasek ist jedoch nicht bereit, die Verbreitung seiner Lehren zu unterlassen. Er muss 1982 die Bibelschule verlassen und wird über Nacht zum "Geächteten".[10]
1983 kommt es zur Eheschließung mit Anni. Das Paar hat heute neun eigene Kinder.
1984 gründen die Saseks die Reha-Station "Obadja". In dieser neuen Berufung sieht Sasek die Antwort Gottes auf seine Frage, wie er die Welt mit Gottes Heil erreichen könne. Gott habe ihm gesagt: "Teile dein Leben mit den Elendesten der Menschen, dann werde ich dir alle Grundlagen geben, die es braucht, um einmal einen Dienst an der Schweiz und über die Schweiz hinaus in vielen Nationen zu tun." In der Reha-Station erfahren die Saseks immer wieder Gottes Treue. Gott schenkt Tag für Tag genau das, was nötig war: "Gott ist treu! Von diesem Tag an, als unser Aufblick ganz auf Gott gerichtet war, weg von uns, weg von jeder menschlichen Denkart, geschahen ... Tausende von ...Wundern bis zum heutigen Tag." Sasek ist überzeugt: "Er [Gott] steht wirklich dahinter, es ist kein Zufall!"[11]
1995 erlebt Sasek seine schwerste Krise. "Feindlich gesinnte Menschen" erstatten Strafanzeige wegen Kindesmisshandlung. Die Anschuldigungen können jedoch nicht bewiesen werden. Immer wieder ist Sasek diesen und anderen Verleumdungen ausgesetzt. Neben diesen "Bedrängnissen von außen" hat Sasek persönlich "eine der dunkelsten Zeit seines Lebens". In Folge seiner vielen Aktivitäten erkrankt er. Über Wochen und Monate leidet er an akuter Schlaflosigkeit. Schließlich verfällt er in eine Medikamentenabhängigkeit. Erst nach zwei Jahren ist er voll wiederhergestellt. Im Rückblick stellt Sasek fest: "Es ist alles wie neu ausgerichtet. Alles wurde fester, alles wurde selbstständiger, alles wurde durch diese große Krise gereifter. Gott hat Wachstum geschenkt wie nie zuvor."[12]
1997 kommt es zur Gründung des "Elaion-Verlags" und des "Gemeinde-Lehrdienstes". Damit erfüllt sich Saseks Wunsch, so viele Menschen wie möglich zu erreichen: "Damit erfüllt Gott einen weiteren Schritt der Verheißung, die er mir zugesagt hat: 'Wenn du mir nachfolgst und alles tust, was ich dir sage, dann wird das, was ich in deinem Leben wirke, überströmen in dein Haus, in dein Volk und weit über die Landesgrenzen hinaus nach dem Reichtum meiner Herrlichkeit.'"
| Sasek ist ein begabter Redner und eine anziehende, charismatische Persönlichkeit mit einem starken Sendungsbewusstsein |
Sasek hat ein starkes Sendungsbewusstsein. Er ist ein begabter Redner und eine anziehende, charismatische Persönlichkeit. Sasek ist gut organisiert und sehr fleißig. Das Familienleben der Saseks ist nach außen vorbildlich.
Saseks Werk, das "Panorama-Zentrum" in Walzenhausen/Schweiz, hat folgende Arbeitszweige:
"Obadja": Reha-Station[13] , Lebensschule[14] , Jüngerschaftsschule/Pionierschule[15] Zeitschriftendienst: "Der Ölbaum"[16] , "Panorama-Nachrichten"[17] "Gemeinde-Lehrdienst" und "Elaion-Verlag": 16 Bücher und ca. 150 Kassetten von Ivo Sasek Hauseigene Druckerei, Buchbinderei und Kassettenproduktion Reisedienst: Predigtdienste, "3-D-Live Shows" Seminare, "organische Konferenzen", "Bemessungsdienst", Besuchertage, u.a. Café PanoramaDie Dienstleistungen sind weitestgehend kostenlos. Neben Saseks Familie arbeitet eine nicht bekannte Anzahl weiterer Mitarbeiter im Panorama-Zentrum mit.
Sasek betreut in sechs europäischen Ländern etwa 170 Hauskreise, Schätzungen zufolge hat er etwa 1500 Anhänger.[18]
Das zentrale Anliegen Saseks ist die "tiefere Erkenntnis Gottes" und der "Zusammenhänge des Reiches Gottes", um die "volle Mündigkeit" zu erreichen.[19] Sasek meint damit die völlige Hingabe an Christus, die sich durch den "Wandel im Geist" zeigt.[20]
Sasek räumt ein: "Wir sind tatsächlich mit Christus gestorben, als wir uns Ihm hingaben! ... Dieses Thema ist für viele etwas verwirrend. Verwirrend vor allem deshalb, weil wir ja irgendwo tatsächlich noch im Leib leben ... Wie geht das alles zusammen?"[21]
Wer ohne die entsprechende geistliche Grundlage versucht, im Geist zu wandeln, wird scheitern: "Du kannst Fleisch nicht mit Fleisch besiegen. Du kannst nicht Kraft des Fleisches im Geist leben."[22]
Wie nun lässt sich das Fleisch überwinden? Die "Überwindung des Fleisches" ist nur über den Weg der "Gesamtordnung" möglich. Was genau meint Sasek damit?
Schlüsselstelle für Saseks Lehre der Gesamtordnung ist Gal 5,16.25: "Im Griechischen sind zwei total verschiedene Worte. Und wenn du diese zwei Begriffe für wandeln nicht verstehst, du wirst nie im Geist wandeln können, du hast keine Chance, ich sag dir´s!" Im Unterschied zu "peripatheio" (V. 16) bedeute "stoicheo" (V. 25) nicht, wie die meisten deutschen Bibeln übersetzen, "wandeln", sondern "in einer bestehenden Gesamtordnung sich einreihen, folgen, in einer Reihenfolge mitgehen, sich eingliedern".
Was genau ist aber diese Gesamtordnung? Die in Eph 4,11-13 genannten Dienste haben die Aufgabe, Gläubige in die Gesamtordnung "einzurenken".[24] 1Kor 12,28 macht die Reihenfolge innerhalb der Gesamtordnung deutlich: 1. Apostel, 2. Propheten, 3. Lehrer, 4. Wunderkräfte, usw.
Nur innerhalb dieser Gesamtordnung ist Wandel im Geist möglich.
Im Laufe der Kirchengeschichte wurde die "Gesamtordnung" allerdings zerstört. Der apostolische Dienst wurde von "Ersatzaposteln" wahrgenommen, die Christus nicht kannten und somit die "Gesamtordnung" zerstörten.[25]
Abb. 1: Geistliches Wachstum eines Christen, der in der ursprünglichen Gesamtordnung eingepflanzt ist.
Solange ein Christ in der zerstörten Gesamtordnung verwurzelt ist, kann er nicht im Geist wandeln.
Punktuell mag dem Gläubigen die Überwindung des Fleisches gelingen. Aber dauerhaft im Geist wandeln kann er nicht. Die ursprüngliche Gesamtordnung muss also wiederhergestellt werden. Erst dann ist wieder Wandel im Geist möglich.
Durch Gottes Gnade habe die "Wiederherstellung" bereits begonnen. Gott selbst baue die Gesamtordnung gemäß 1Kor 12,28-31a wieder auf. Allerdings gilt hier, so Sasek, ein wichtiges biblisches Prinzip. Die Wiederherstellung geschieht gemäß der alttestamentlichen "Vorausschattung" rückwärts.[26]
Abb. 2: Geistliches Wachstum eines Christen, der in der zerstörten Gesamtordnung eingepflanzt ist.
In der Begründung der Pfingstbewegung um 1900 sieht Sasek die Wiederherstellung der ersten Stufe, nämlich der Geistesgaben. Die nächste Stufe der Wiederherstellung betraf die Lehrer. Schließlich wurden auch die Evangelisten wiederhergestellt, und nach ihnen die Propheten. Die einzelnen Dienste haben zwar seit der Zeit der Urgemeinde nicht völlig aufgehört zu existieren, das richtige Aufkommen der Dienste geschah aber erst mit der Wiederherstellung. Und die Wiederherstellung der letzten Stufe, der Apostel, ist bereits in vollem Gange. Ivo Sasek sieht sich von Gott für diesen Dienst berufen.
Saseks Offenbarungsverständnis ist elementare Voraussetzung für sein Selbstverständnis. Die Schrift ist für Sasek zwar von Gott inspiriert,[27] aber nur als ein "Rohstoff" zu verstehen, der noch weiterentwickelt wird:
"Lasst mich nun etwas sagen, das viele Gemüter erhitzen wird: Wenn wir glauben, dass am jüngsten Tag allein das Buch der Bibel aufgeschlagen wird, um unsere Werke und Gesinnung zu richten, dann irren wir gewaltig (Offb 20,12) ... Gott wird einst mehr Bücher zitieren, die von anderen Verfassern als etwa von Paulus, Petrus, Johannes oder Jakobus stammen, Schreiber aus allen Jahrhunderten und Hintergründen ... Das ganze Reich Gottes ist einer fortlaufenden Entwicklung unterworfen. Jeder, der daran beteiligt ist, legt mit seiner Offenbarung nur wieder eine Grundlage für denjenigen, der nach ihm kommt ... Alles muss in göttlicher Reihenfolge geschehen. So haben die ersten Apostel und Propheten einzig dem Eckstein gemäß Grund gelegt, und durch die Heilige Schrift haben wir alles nötige Saatgut, sämtliches Rohmaterial zum Weiterbau erhalten. Dies bedeutet für uns, dass wir all jenen Auslegern der Schrift, die dem Haupt gemäß tieferes Licht gebracht haben, genauso zum Gehorsam verpflichtet sind, wie wir es etwa behaupten, der Schrift gegenüber zu sein."[28]
| Für Sasek ist auch außerhalb der Schrift autoritative Offenbarung Gottes möglich |
Saseks Schriftverständnis macht deutlich, dass für ihn auch außerhalb der Schrift autoritative Offenbarung Gottes möglich ist.
Sasek weiß, wer Gott ist und kennt seinen "Geruch":
"Die Christen haben keine Sensibilität, wo der Geist wirklich weht. Ich von mir behaupte, ich habe eine Sensibilität, wo der Geist weht. Weißt du, woran ich das weiß? Als ich Gott sah - ich wurde in den Himmel genommen von ihm. Weil ich keine Hebamme hatte, hat mich der Herr selber entbunden. Ich durfte mit ihm, zur Rechten von ihm, himmlische Örter durchschreiten. Und er hat mir von oben das Erntefeld gezeigt mit verschiedensten drum und dran. Ich hab die Herrlichkeit Gottes gesehen - ich kann dir sagen, die fünf Bäume im Paradies und diese Dinge. Ich hab das geschaut und konnte nur aufstehen am Morgen mit: 'Du lebst! Er lebt, er lebt, er lebt! Ich weiß, Gott gibt es!' Gott hat mich so bekehrt, indem ich mit ihm ganz persönlich in dieser Herrlichkeit sein durfte. Ich weiß, wer Gott ist. Ich kenne seinen Geruch. [...] Und dann merkst du über die Jahre: Überall ist er nicht drin, überall ist er nicht drin. Wovon die Leute reden - ich geb' mich da voll rein, ich sehne mich danach, diesen Gott wieder zu finden - nicht da! Da ein bisschen, ein kleines Lichtlein. Du gehst sofort hin: 'Bruder!' Und dann merkst du, es ist so ein kleines Lichtlein, alles andere ist dunkel..."[29]
| Sasek erhebt den Anspruch, Wort Gottes zu sprechen. Wer gegen ihn redet, ist kein echter Diener Gottes |
Sasek erhebt den Anspruch, Wort Gottes zu sprechen. Wer gegen ihn redet, ist kein echter Diener Gottes:
"Ich sage: wer gegen diese Botschaft redet, ich sage: wer gegen mich redet und diese Botschaft, wer sich dem Wort nicht fügt, das ich sage, ich Ivo Sasek hier in Walzenhausen, ist kein echter Diener Gottes. Egal, ob er sich Apostel, Prophet, Hirte oder Lehrer nennt. Ob er Hirte ist, egal was er ist. Wer gegen das Zeugnis redet, hat sich als falscher Diener Gottes erwiesen. Ich bin aus Gott. Und so wahr ich hier stehe, so wahr steht Gott hinter dem, was ich sage. Und wer gegen mich redet, und mich - wie es jetzt 22 Jahre passiert ist, ich bin der Allerverachtetste, ich wüsste niemand, der mehr durch den Dreck gezogen wird, buchstäblich nicht, ja. - Wer gegen mich redet: ihr werdet sehen, was mit den Menschen geschieht. Weil ich hab den Dienst jetzt angetreten. Erst jetzt. Alles vorher war nur grundlegend. 22 Jahre nur Wüstenschule, nur stramm hinstehen, nur lernen zu gehorchen. Wer mir jetzt nicht gehorcht, gehorcht dem Herrn nicht!"[30]
Damit wird deutlich: Sasek sieht sich als Apostel Gottes, der die Grundlage der "wiederhergestellten Gesamtordnung" bildet.[31]
Durch die Wiederherstellung des "apostolisch-prophetischen Dienstes" kann nun auch der "Organismus" wiederhergestellt werden. Die Wiederherstellung geschieht durch "Pflanzung" von "organischen Zellen" mittels Einsegnung. In diesen "Organschaften" werden die "Ordnungen" in Ehe, Familie, Kindererziehung und allem anderen wiederhergestellt. Hier haben auch Zeichen und Wunder und Kräfte und Phänomene ihren Platz. Stößt man in der eigenen Gemeinde auf Ablehnung, so wird neben der Ortsgemeinde ein "neuer Organismus" gepflanzt.
Eine wichtige Rolle spielt die "Bemessung". In der Bemessung entscheidet Sasek zum einen, wo ein Gläubiger im Organismus eingepflanzt wird. Außerdem überprüft er, ob und wie sich der Gläubige weiterentwickelt.
Sasek macht unmissverständlich deutlich, dass er die verbindliche Bindung an seinen Dienst erwartet.
"Solange ich euch nicht attestiere: Der ist wirklich aus Gott!, möcht ich, dass ihr hier euch orientiert, euch hier bemessen lasst und hier eure Übungen durchgeht, dass ihr verbindlich an unserem Dienst euch orientiert ... ich binde das jetzt wirklich an meinen Dienst. Nicht, um mich groß zu machen, sondern um sicher zu sein: Das war kein vergeblicher Morgen ... Das klingt total autoritär, das klingt päpstlich. Ich weiß das, es ist ein Stein des Anstoßes. Aber so wahr geschrieben steht: Am Ende der Zeit wird sich jeder die Hände wund reiben und reißen an Christus, so wahr muss ich das tun."[32]
Wer nun in diesen "wiederhergestellten Organismus" "eingepflanzt" ist, kann tatsächlich im Geist wandeln.
| “Ich werde dich nicht beherrschen, wie ein Papst. Ich werde dich lernen, wie du dem Herrn gehorchst.” |
"Ich werde dich nicht beherrschen, wie ein Papst. Ich werde dich lernen, wie du dem Herrn gehorchst. Du wirst mir sagen, was der Herr sagt. Und weil ich den Herrn kenne, kann ich dir sagen, ob du getroffen hast oder nicht. Und wenn du getroffen hast: Du wirst pulsierend leben! Du wirst es spüren: Das hält jetzt! Das verhält! Das ist nicht mehr wischi waschi! Und so wird sich der Geist aufbauen, dass du zunehmend in eine wirklich fundierte Realität kommst, dass du endlich Sieg hast über dein Fleisch..."[33]
Sasek betont einerseits die Errettung aus Gnade mittels Glauben,[34] andererseits grenzt er sich vom lutherischen "Sünder und Gerechter zugleich" ab.[35] Er betont deutlich die Notwendigkeit der Werke, grenzt sich aber von einer reinen Werkgerechtigkeit ab.[36]
Sasek spricht auch von der "juristischen Rechtfertigung" in Christus.[37] Diese "juristische Rechtfertigung" müsse sich aber durch entsprechende Werke beweisen; denn echter Glaube müsse auch echte Werke des Geistes hervorbringen.[38]
Andere Aussagen machen deutlich, dass das Heil mit der "Gesamtordnung" verzahnt ist.
"[Es gibt] Menschen, die dadurch jetzt in die Irre gehen, weil das Apostolisch-prophetische immer weiter in die Ferne rückt."
"Ein unbestechliches Gericht wird jeden geistlichen Vorsteher oder Verkündiger treffen. Wer immer von ihnen nicht präzise zugerüstet und bezüglich Ursachen und Wirkungen dieser Gerichte nicht eingeweiht ist, muss restlos ausbrennen in seinem Dienst und großen existentiellen Schaden erleiden. Das ganze Volk Gottes wird von diesen Erschütterungen heimgesucht werden. Es wird solange kein Aufhalten dieses großen Feuers geben, bis der göttliche Sinn genau getroffen und erfüllt ist. Die
| “Gott hat mir den Schlüssel aus diesen Gerichten geoffenbart. Wer aus Gott ist, demütigt sich und nimmt ihn aus meiner Hand.” |
Kennzeichnend für Saseks Hermeneutik ist das Prinzip der "Vorausschattung": "Es muss sich eben an uns, der ntl. Gemeinde alles erfüllen, was dem atl. Bundesvolk einst schattenhaft widerfuhr..."[40]
Wichtigstes Kriterium für die Richtigkeit einer Botschaft ist, so Sasek, der innere Friede:
"So sind es nie allein äußere Dinge, Verhaltensmuster oder Worte, die uns über 'Gut und Böse' unterweisen, sondern das Zeugnis des inneren Friedens... Das Zeugnis des Friedens steht weit über aller Vernunft, Gefühl und Willen des Menschen."[41]
Ablehnung durch andere ist für Sasek die Bestätigung für die Richtigkeit seiner Botschaft:
"So bezeuge ich mit zerrissenem Herzen und einem gebeugten Geist, dass es überaus schwer steht um die christlichen Gemeinden. Es steht so schwer um sie, dass der Heilige Geist über der Mehrheit der Christen pausenlos seufzen muss: 'Und wenn du all diese Worte zu ihnen redest, so werden sie doch nicht auf dich hören; und rufst du ihnen zu, so werden sie dir nicht antworten.' Was ich weiter sage, nehmt es an oder missachtet es; es tut der Wirklichkeit keinen Abbruch, denn es wird so geschehen. Als Zeuge der Wahrheit sage ich es aus und werde mich dafür vor Gott verantworten müssen."[42]
Ivo Sasek grenzt sich auf der einen Seite von der charismatischen Bewegung als solche ab, auf der anderen Seite auch von einem "statischen"[43] und "perfektionistischen"[44] Christsein oder der "Ökumene"[45] In seiner Lehre spielt die Praxis charismatischer Elemente eine wichtige Rolle.[46]
Sasek selbst ordnet sich nicht konfessionell ein.
Sasek bietet eine in weiten Teilen durchdachte Theologie, die das Erreichen der völligen Hingabe durch die "Wiederherstellung der Gesamtordnung" zum Zentrum hat. Sasek sieht sich von Gott zum "apostolisch-prophetischen Dienst" berufen, um die "Gesamtordnung Gottes" wiederherzustellen. Wer von Sasek in den "wiederhergestellten Organismus" gemäß seiner "Berufung" "eingepflanzt" wird, kann schon zu Lebzeiten sein "Fleisch überwinden" und "wirklich im Geist wandeln". In der "Bemessung" überprüft Sasek die Fortschritte des geistlichen Wachstums. Da nur er Gott wirklich kennt, ist die Orientierung an seinem Dienst verbindlich. Wer nicht an der "Wiederherstellung" teilhat, muss mit Gottes vernichtendem Gericht rechnen. Wer Saseks Botschaft hört und sie ablehnt, erweist sich als falscher Diener Christi. Ablehnung spielt für Sasek keine Rolle, da er im Auftrag Gottes handelt. Seine Erfahrungen mit Gott und das "Zeugnis des inneren Friedens" beweisen zudem die Richtigkeit seiner Lehre.
Völlige Hingabe und Erkenntnis Gottes sind wichtige biblische Themen. Heiligung ist ein klarer biblischer Auftrag, der nicht unter Berufung auf Gottes Liebe und Gnade wegdiskutiert werden kann. Die Erkenntnis Gottes und seines Wesens ist Grundlage eines gesunden geistlichen Lebens. Deshalb ist Saseks zentrales Anliegen grundsätzlich positiv.
Positiv ist auch sein Anliegen, Christen zu einem Vorbild in der Welt zu ermutigen. Christen sollten ihre Verantwortung in der Welt wahrnehmen und durch gutes Vorbild ein lebendiges Zeugnis für Christus sein.
Auch Saseks Gottvertrauen ist grundsätzlich positiv, ebenso sein persönlicher Einsatz und sein Vorbildcharakter.
Obwohl die Bibel für Sasek Gottes Wort ist und er an Inspiration und Einheit der Schrift festhält, ist sein Offenbarungs- und Selbstverständnis problematisch.
Zunächst ist festzustellen, dass die Schrift selbst sich als eine prinzipiell geschlossene Größe versteht. Sie ist nicht einfach nur "Rohstoff", der "weiterentwickelt" wird. Sie ist Gottes absolut gültiges und zuverlässiges Wort, durch das er sich den Menschen in Gestalt von Raum und Zeit offenbart hat.[47]
| Sasek versteht sich selbst als Apostel |
Sasek versteht sich selbst als Apostel. Wie ist sein Anspruch zu bewerten?
Die Schrift nennt uns einige Kriterien, die auf einen Apostel zutreffen müssen. Neben der göttlichen Berufung, der Übereinstimmung mit dem bisher offenbarten Wort Gottes und der Ausweisung durch Wunder (vgl. Deut 13 u. 18) muss ein Apostel Augenzeuge des Lebens Jesu gewesen sein (Apg 1,15-26). Paulus bildet hier als Apostel für die Heiden eine Ausnahme. Allerdings wurde er durch die zwölf anderen Apostel bestätigt (Gal 2,1-10). Alle Kriterien des apostolischen Dienstes sind damit an die Zeit der Urgemeinde gebunden. Sasek kann also der Schrift nach keinen Anspruch erheben, Apostel zu sein.
Sasek erhebt einen besonderen Exklusivanspruch (Kenntnis des Geruches Gottes, besondere Offenbarungen Gottes, Berufung zur Wiederherstellung, etc.).
Dieser Exklusivanspruch zeigt sich auch in seiner Soteriologie. Obwohl Sasek grundsätzlich von Gottes Gnade ausgeht, ist seine Soteriologie mit dem System der Gesamtordnung verzahnt. Sasek spricht davon, dass ein Christ zwar "juristisch" von Christus gerechtfertigt sei, dies aber auch durch die entsprechenden Werke unter Beweis stellen müsse. Echter Glaube müsse auch echte Werke des Geistes hervorbringen. Echte Werke sind aber wiederum nur dem möglich, der wirklich im Geist wandelt. Und Wandel im Geist ist wiederum nur dem möglich, der in der "Gesamtordnung" ist. Damit ist die Gesamtordnung der einzige Weg zum Heil.
| In der Praxis zeigt sich, dass Anhänger Saseks andere Christen als Verlorene betrachten |
Sasek stützt sich zur Begründung seiner Lehre häufig auf verschiedene Erfahrungen und Erlebnisse (Visionen, Gottes Wirken in seinem Leben, etc.). Erfahrungen sind aber auf Grund ihres stark subjektiven Charakters kein Kriterium für die Richtigkeit einer Lehre. Eine Lehre muss in erster Linie im Wort Gottes verankert sein, nicht nur in der Erfahrung.[48]
Statt seine Hörer aufzufordern, seine Lehre im Licht der Heiligen Schrift zu überprüfen, verweist Sasek auf das "Zeugnis des inneren Friedens". Der innere Eindruck kann aber auch täuschen. Das Zeugnis des Heiligen Geistes jedoch stimmt mit dem der Schrift überein (vgl. Joh 16,5-15 u. 2Tim 3,16). Deshalb muss das eigene Gefühl anhand der Schrift überprüft werden.
| “Wer gegen mich redet ... ist kein echter Diener Christi” |
Sasek vereinnahmt seine Hörer. Aussprüche wie "Wer gegen mich redet,... ist kein echter Diener Christi"[49] verunsichern den Hörer und tragen nicht zu einer sachlichen Prüfung der Lehre bei.
1. Methodik
Der Gebrauch der Ursprachen. Sasek baut wesentliche Eckpfeiler seiner Argumentation auf den Ursprachen auf. Dies ist aus zwei Gründen problematisch:Wer kein Griechisch kann, kann Saseks Argumentation nicht nachvollziehen bzw. nachprüfen.
Sasek stellt falsche Behauptungen auf. Die Berufung auf den griechischen Text bei der Lehre von der "Wiederherstellung" hat keine sachliche Grundlage. "stoicheo" wird fünfmal im Neuen Testament verwendet (Apg 21,24; Röm 4,12; Gal 5,25; 6,16; Phil 3,16) und bedeutet "leben" oder "folgen". Das Wort wird nie mit der von Sasek behaupteten Bedeutung "sich in einer Gesamtordnung einreihen" gebraucht. Zudem ergibt der Satz weder grammatisch noch inhaltlich einen Sinn, wenn man mit Sasek übersetzt.[50]
Sasek arbeitet grundsätzlich nur themenbezogen. Fast nie entfaltet er die Aussage eines zusammenhängenden Bibeltextes. Biblische Zusammenhänge werden so nur einseitig dargestellt - so spielt die Frage nach der Rechtfertigung für Sasek kaum eine Rolle, während das Thema der Hingabe fast ständig behandelt wird. Der Kontext biblischer Aussagen wird nicht beachtet. Oft stellt Sasek einzelne Verse ungeachtet ihres heilsgeschichtlichen, literarischen und biblisch-theologischen Kontextes in einen anderen Sinnzusammenhang, was zu eigentümlichen Deutungen führt. [51] Das Prinzip der Vorausschattung ist problematisch, da es von innerbiblischen Zusammenhängen spricht, ohne heilsgeschichtliche und literarische Zusammenhänge zu berücksichtigen.2. Reich-Gottes-Lehre. Ivo Sasek spricht davon, dass ein sündloses Leben schon hier auf der Erde möglich ist. Dabei setzt er ein bestimmtes Reich-Gottes-Verständnis voraus.[52] Saseks Verständnis beachtet jedoch nicht die Spannung des Jetzt-schon und Noch-nicht. Auf der einen Seite sind wir als Gläubige schon Himmelsbürger, auf der anderen Seite noch Erdenbürger. Diese Spannung zwischen "Fleisch" und "Geist" gehört zu unserer christlichen Existenz (vgl. Gal 5,17). Die Behauptung, Überwindung des Fleisches sei schon jetzt möglich, ist eine Vorwegnahme dessen, was wir erst mit dem Auferstehungsleib können (vgl. 1Kor 15).
3. Die Gemeinschaft um Ivo Sasek hat eine sektenähnliche Struktur (zentrale Position Saseks, Exklusivanspruch).
| Trotz des grundsätzlich positiven Anliegens ist Saseks Lehre gefährlich |
Trotz des grundsätzlich positiven Anliegens Ivo Saseks, einer völligen Hingabe und tieferen Erkenntnis Gottes, ist Saseks Lehre gefährlich. In zentralen Punkten stimmt sie nicht mit Gottes Wort überein.
Saseks Offenbarungs- und Selbstverständnis widerspricht nicht nur Gottes Wort, sondern führt auch zu einem sektenähnlichen Exklusivanspruch, auch in der Frage des Heils. Da Saseks Soteriologie in der Lehre der Gesamtordnung verwurzelt ist, vermischt sie auf gefährliche Art und Weise Heiligung und Rechtfertigung und zeigt somit einen unbiblischen Heilsweg. Problematisch sind die subjektiven Elemente in Saseks Lehren, da sie als Bestätigung seiner Lehren herangezogen werden und so eine Prüfung anhand der Schrift ersetzen.
Die Vermischung von biblischen mit unbiblischen Elementen in einer intellektuell anspruchsvollen Theologie, die durch eine überzeugenden Außenwirkung ergänzt wird, macht Sasek für Gläubige, die auf der Suche nach einem dynamischen und hingegebenen Christsein sind, besonders gefährlich.
Zum Schluss ein Wort des Apostel Paulus: "Seht zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus." (Kol 2,8)
Websites: www.sektenberatung.ch; www.bibelkreis.ch; www.ref.ch; www.relinfo.ch; www.theologie-links.de; www.religio.de
Informationsblatt des Panorama-Zentrum, Walzenhausen: Panorama-Zentrum, o. J..
Sasek, Ivo, Christus im Fleisch kommend: Vortrag vom 01.04. 2000, Kassettenbotschaft Nr. 157, Walzenhausen: Elaion, 2000.
Ders., Gläubig oder Glaubend?, 4. Aufl. Walzenhausen: Elaion, 2000.
Ders., Höhere Gewalt: Lebenszeugnis von Ivo Sasek, Audio-Kassette Walzenhausen: Elaion, o. J..
Ders., Lehre mich, Herr!, 2. Aufl. Walzenhausen: Elaion, 1996 .
Ders., Laodiceas Verhängnis, 2. Aufl. Walzenhausen: Elaion, 1997.
Ders., Manchmal ist weniger mehr!, 2. erw. Aufl. Walzenhausen: Elaion, 2000.
Ders., Wahre Gotteserkenntnis: Vortrag vom 13.12.1997, Kassettenbotschaft Nr. 60, Walzenhausen: Elaion, 1997.
Ders., Wandel im Geist: Vortrag vom 05.06.1999, Kassettenbotschaft Nr. 158 CH-Walzenhausen: Elaion, 1999.
Ders. Wiederherstellung aller Dinge, 2. Aufl. Walzenhausen: Elaion, 1997.
Der Autor ist Theologiestudent an einer bibeltreuen Ausbildungsstätte in Deutschland und möchte aus persönlichen Gründen anonym bleiben.
In diesem Aufsatz sind die wichtigsten Informationen zu Ivo Saseks Person, seinem Werk und seiner theologischen Grundlage zusammengestellt. Der Autor war bemüht, die Informationen objektiv zu sammeln und zu beurteilen. “Prüft aber alles, und das Gute behaltet.” (1Thess 5,21)
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