Bibel und Gemeinde
2002-2
Editorial

Falsche Prophetie – falsche Propheten?

Der Schriftleiter

VanheidenGewöhnlich sind es Anhänger von Sekten, die mit bunten Schriften hausieren gehen. Die Aktion der Arthur S. DeMoss-Stiftung unterscheidet sich auffällig davon. Zwar kann man über den Titel der Kampagne und des angebotenen Buches geteilter Meinung sein, denn Kraft zum Leben ist noch nicht das ganze Evangelium. Aber sie bringen wenigstens die gute Botschaft zu den Menschen und sind bereit, dafür sehr viel Geld auszugeben. Lesen Sie dazu unseren Beitrag auf S. 55ff und die Buchbesprechung auf S. 80.

Falsche Propheten zu erkennen, ist nicht so leicht. Wir können sie nicht einfach mit einer bestimmten Strategie identifizieren oder ihre falsche Lehre an bestimmten Vokabeln festmachen. Sie lehren ja nicht nur falsche Dinge, sondern sagen oft viel Richtiges. Aber die gefährlichsten Lügen sind gewöhnlich die, die mit viel Wahrheit gefüllt sind. Deshalb fordert unser Herr nicht umsonst zur Wachsamkeit auf. Wir müssen die Lehren dieser Leute sorgsam an der Bibel prüfen. Meist sind es auch faszinierende Persönlichkeiten. Oft sprechen sie bestimmte Seiten von uns an, die uns im ersten Augenblick Zustimmung abnötigen.

Ein Beispiel aus dem charismatischen Bereich ist Ivo Sasek: Er ermutigt zur Hingabe an Gott und zu einem geheiligten Leben, ist selbst sehr fleißig. Schon einmal sind wir auf eine seiner Kampagnen eingegangen (BuG 2/01). Was es mit ihm auf sich hat, lesen Sie ausführlich auf S. 41ff.

Bei der Entstehung vieler Sekten spielen falsche Propheten und Prophetinnen eine unheilvolle Rolle. Lesen sie dazu den aufschlussreichen Beitrag von Michael Kotsch über falsche Prophetie. Er macht auch deutlich, wie schnell man durch Auslegung biblischer Propheten zum falschen Propheten werden kann. Gerade evangelikale Autoren müssten viel vorsichtiger damit sein, biblische Weissagungen in der Tagespolitik wiederfinden zu wollen.

Bemerkenswert sind Rohrmosers gesammelte Vorträge über Nitzsche, der wie ein Prophet manche Dinge sah, die heute Wirklichkeit sind. Im Gefolge der Kulturrevolution von 1968 ist inzwischen eine ganze Generation groß geworden, die nicht einmal mit dem elementarsten Wissen über das Christentum versehen ist. Auf S. 76 lesen Sie eine Besprechung von Rohrmosers Buch.

Unser Anliegen ist und bleibt die Treue zur Heiligen Schrift. Was das bedeutet, können Sie im Aufsatz von Herbert Jantzen lesen und auf unserem Kongress im Mai hören, zu dem wir Sie ganz herzlich einladen.

Ihr Karl-Heinz Vanheiden

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