Bibel und Gemeinde
2000-4
Buchbesprechungen

Buchbesprechungen


sie folgten

Hg. Günter Wieske/ Heinrich Löwen. Sie folgten Jesus nach: Lebensbilder, die Mut machen. Bonn: Puls-Verlag, 1999. 112 S. DEM/CHF 14,80. ISBN 3-933398-07-X.

Dieser Band enthält neun Kurzbiographien über Glaubensmänner aus der Geschichte der mennonitischen (Mantz, Hubmaier, Simons) und baptistischen (Bunyan, Oncken, Köbner, Spurgeon, Pawlow, Graham) Gemeinden. Die Autoren skizzieren dabei die wichtigsten Daten und Fakten aus dem Leben dieser Zeugen Christi. Besonders hervorstechend ist der Mut dieser Männer, auch gegen den Zeitgeist ihre Glaubensüberzeugungen konsequent zu leben. Ihr Eintritt für Gewissens- und Glaubensfreiheit und die Bereitschaft, für eigene Überzeugungen in den Märtytertod oder ins Gefängnis zu gehen, nötigen Respekt ab. Alle eint die Erkenntnis der "Glaubenstaufe" und die Ablehnung der Kindertaufe.

Einige Biographien sind meines Erachtens etwas zu unkritisch und nicht mit dem nötigen sachlichen Abstand geschrieben worden. Alles in allem aber eine leicht lesbare und ermutigende Biographie von Männern, die Gott gebraucht hat.

Steffen Holthaus
D-Gießen


Urbibel Schick, Alexander, Uwe Glessmer. Auf der Suche nach der Urbibel - Die Schriftrollen vom Toten Meer, das Alte Testament und der geheime Bibelcode. Wuppertal: Oncken, 2000. 160 Seiten. DEM/CHF 29,80. ATS 218,--. ISBN: 3-7893-7261-7.

Der Buchtitel sagt präzise aus, worin es in diesem Buch von Schick und Glessmer geht. Alexander Schick ist Publizist und Leiter der größten wandernden Qumran- und Bibelausstellung Europas. Dr. theol. habil. Uwe Glessmer ist Privatdozent für Altes Testament und lehrt an der Universität Hamburg. Er ist an der wissenschaftlichen Herausgabe der Qumrantexte beteiligt.

Das Ziel dieses Buches ist es, den Leser zu einem kritischen Beobachter zu machen, "damit er selbst zu einer aussagekräftigen Beurteilung über die Bedeutung der Qumranrollen und des Phänomens ,Bibelcode' kommen kann" (S. 8). Der amerikanische Journalist Michael Drosnin sorgte mit seinem weltweiten Bestseller "Der Bibel Code" für viel Aufsehen, da er behauptete, dass es geheime Nachrichten in der Bibel gebe.

Eine weiteres Ziel des Buchs ist es, "umfassend zu informieren, wie der Bibeltext überliefert wurde" (S. 8). Dies ist unter anderem sehr wichtig, um zu verstehen, dass verschiedene Texte des Alten Testaments existieren, die leicht von einander abweichen. Diese Abweichungen werden ausführlich behandelt. Daran wird auch leicht ersichtlich, dass ein vermeintlicher Code durch die kleinste Abweichung von Texten bereits fällt.

Michael Drosnin und andere Codesucher behaupten, "der ,Bibelcode' wurde in der hebräischen Originalversion des Alten Testaments entdeckt, also in der ersten Niederschrift der Bibel" (S. 15). Drosnin behauptet weiter, "sämtliche heute in der Originalsprache vorhandenen Bibeln sind Buchstabe für Buchstabe identisch" (S. 15). Schick entlarvt die unqualifizierten Aussagen von Michael Drosnin, "dass er mit der ,Originalversion' der Bibel in seinem Computer arbeiten würde, als völlig unwissenschaftlich und falsch," "denn diese erste Ausgabe der Bibel haben wir nicht!" (S. 73).

Die Argumente von Michael Drosnin und anderen werden beleuchtet und - gut dokumentiert - widerlegt. So wird versuchsweise an einem Beispiel in dem Wal-Roman "Moby Dick" gezeigt, dass auch hier sogenannte "codierte Botschaften" zu finden wären. Die Vergleiche machen deutlich, dass quasi jeder beliebige Text für eine Codesuche genommen werden kann, und dass die Codes nichts mit einer göttlichen Inspiration zu tun haben.

Das Buch ist mit seinen über 200 Fotos auch eine Augenweide. Die Grafiken vor allem zu den "Codewörtern" im Text, in denen erklärt wird, wie der "Bibelcode" "funktioniert," sind sehr hilfreich. Das Buch verfügt über viele Quellenangaben in den Fußnoten. Die Quellenangaben beinhalten auch viele Internet-Adressen.

Am Schluss kommen die Fußnotenangaben wieder ins Lot, nachdem sie in Kapitel 9 teils um ein bis zwei Ziffern abwichen.

"Auf der Suche nach der Urbibel (Die Schriftrollen vom Toten Meer, das Alte Testament und der geheime Bibelcode)" ist ein Buch, das seinem Anspruch gerecht wird, eine kritische Untersuchung zu sein. Fachbegriffe werden gut erklärt. Die Bilder, Grafiken und Zeichnungen geben dem Buch "Farbe" und sind sehr hilfreich. Schick und Glessmer gehen den Argumenten von den "Bibelcode"-Vertretern auf den Grund und dokumentieren die Gegenargumente klar und deutlich. Ein sehr empfehlenswertes Buch. Den Autoren gelingt es, eindrücklich darzustellen, dass niemand die "Urbibel" hat, dass aber die Bibel ein höchst zuverlässiges Dokument ist. Der günstige Preis dürfte eine Kaufentscheidung erleichtern.

Stephan Schenker
CH-Basel


Gottesdienst

Klippert, Wolfgang. Praxisbuch Gottesdienstleitung. Wuppertal: Brockhaus, 2000. 191 S. DEM/CHF 29,80. ATS 218,--. ISBN: 3-417-24340-8.

Ein "Praxisbuch"- in der Tat. Durchaus unterhaltsam und bisweilen humorvoll führt Klippert den Leser in die Geheimnisse der Gottesdienstleitung ein. In drei Kapiteln (Grundlagen, Bausteine, Rhetorik und Organisation) reiht sich Tipp an Tipp für alle Fälle des "`normalen´ Gottesdienstes" (S. 8). Was "normal" ist, darf sich der Leser selbst ausdenken. Vermutlich genau das, was im Buch steht. Kasuale Angelegenheiten und besondere Gottesdienste werden ausdrücklich nicht behandelt.

So eignet sich das Buch sehr gut als Einstiegslektüre für den "lieben Bruder," der zum ersten oder dritten Mal den Gottesdienst leitet. "Wie man Lieder richtig ansagt" lernt er hier genauso wie richtiges Vorlesen und den Umgang mit Störungen und vieles andere mehr. Manchmal hat man allerdings den Eindruck, weniger sei mehr gewesen. Oder müssen wir wirklich wissen, dass wir "aufrecht, gerade und in normalem Schritttempo nach vorne gehen" sollen und "Stufen ... nicht mit Hüpfern und Doppeltritten" zu nehmen haben (S. 164)...? Der Autor scheint diesen Schwachpunkt des Buchs allerdings gemerkt zu haben (S. 187).

Das "Praxisbuch Gottesdienstleitung" beschreibt den Status quo des klassischen (brüdergemeindlich orientierten) freikirchlichen Wortgottesdienstes. Viel neues entdeckt der gewohnte Gottesdienstleiter nicht, dafür kann er seine Praxis mit diesem Buch hier und da noch verfeinern. Gar nicht so schlecht. Endlich ein Buch, das nicht die Revolution verspricht und als der Schlüssel zum geistlichen Aufbruch daherkommt. Aber trotzdem: Wie wäre es, lieber Bruder Klippert, wenn sie sich an die Arbeit für einen Folgeband machen würden zum Thema "Neue Ideen für den gewöhnlichen Gottesdienst in einer gewöhnlichen Gemeinde"? Einen interessierten Leser hätten Sie bereits. Und eine "Theologie des Gottesdienstes" wünschte ich mir auch noch.

Eine "Checkliste für den Gottesdienstleiter" und Literaturhinweise runden das vorliegende Praxisbuch ab.

Ein Vorschlag für "normale" Gemeinden: Schenken Sie Ihren "normalen" Gottesdienstleitern dieses Buch (solange sich unsere genannten Wünsche noch nicht erfüllt haben) als Dankeschön für ihre Dienste. Es wird sich lohnen - normalerweise.

Steffen Denker
CH-Basel


Gemeindeleitung

Brown, Jeff. Gemeindeleitung nach dem Neuen Testament . Nürnberg: VTR, 2000, 47 S. DEM/CHF 9,80; ATS 69,--. ISBN 3-933372-28-3.

Das Büchlein ist ein Kleinod, das man gleich zweimal durchlesen darf. Hat man vorher das Standardwerk "Biblische Ältestenschaft" von A. Strauch (und ähnliche) gelesen, wird man noch mehr von der Lektüre profitieren. Es ist dann eine wertvolle, herausfordernde Ergänzung. Vor allem ist die Schrift praktisch orientiert, übersichtlich und gut verständlich verfasst. Man sollte auch nicht über die interessanten Verweisstellen und Anmerkungen hinweglesen.

Zum Inhalt: Der Autor plädiert für die Selbstverwaltung der Gemeinde. Die Grundvoraussetzung ist das allgemeine Priestertum von wirklichen Christen. Jedes Glied kann geistliche Zusammenhänge verstehen und darf vor Gottes Thron treten. Alle wahren Christen stehen auf der gleichen geistlichen Ebene.

Die entsprechenden biblischen Prinzipien werden zentral einbezogen und aus dieser Erkenntnis erklärt. Dabei geht es dem Verfasser nicht um Kritik an anderen Gemeinde-Modellen, sondern darum, im Licht des Wortes Gottes zu prüfen und die Selbstverwaltung als biblisch zu verstehen. Man stellt schnell fest, dass er sich mit dem Thema "ekklaesia ­ die Herausgerufene" und ihrer Leitung engagiert auseinandergesetzt hat. Seine Schlussfolgerung: Die Gemeinde als Tempel Gottes geht in der Gnade miteinander um. Sie leitet sich selbst, wobei alle Glieder an Entscheidungsprozessen teilnehmen. Auch das Einsetzen von geisterfüllten Leitern soll in der persönlichen Verantwortung nach diesem Muster geschehen. Prädikat: Wertvoll, als echte Ergänzung zu den umfangreichen Werken zum gleichen Thema.

Albert Sigrist
CH-Waltenschwil


2000 Jahre

Strohm, Leo. 2000 Jahre Christentum: Eine Religion verändert die Welt. München: Pattloch; Stuttgart: Kreuz-Verlag 1999. ISBN 3-629-00857-7 (Pattloch). ISBN 3-7831-1756-9 (Kreuz). 240 S. 291 ÖS, 37,00 SFr, 39,90 DM.

Die PR-Abteilung trägt dick auf: "Die wahre Geschichte des Christentums" - als ob die anderen nicht so ganz die Wahrheit sagen würden. Nun ja, schließlich handelt es sich um das Begleitbuch zu einer 13-teiligen Fernsehserie, die in der ARD gesendet wurde. Die Kombination Serie und Buch hat Konjunktur und in diesem Fall auch Erfolg. Das Sachbuch, zu dem der Direktor des Ersten Deutschen Fernsehens ein Vorwort schrieb, fand sich immerhin schon in einer Bestsellerliste.

In 13 Kapiteln haben Journalisten, Wissenschaftler, Historiker, Theologen und Filmemacher versucht, die 2000-jährige Geschichte des Christentums schlaglichtartig zu beleuchten. Garniert mit hervorragenden Fotos hätte das Werk tatsächlich einem breiten Publikum ein Stück Kirchengeschichte verständlich machen können ...

Leider geraten Filmemacher und Fernsehverantwortliche fast immer an solche Theologen, die den historischen Dokumenten des Neuen Testaments misstrauen. So muss man sich nicht über die Behauptung der Verfasser wundern, dass die Geschichten über die Kindheit Jesu keinen historischen Sachverhalt berichteten, sondern nur Jesus als Sohn Gottes legitimierten (S.11), dass von der Auferstehung nur das übrig bleibt, dass es "plötzlich Menschen gibt, die an die Auferstehung des Jesus von Nazareth glauben" (S. 18) und dass die Berichte der Evangelien "Ergebnis des Glaubens sind, nicht seine Voraussetzung" (S. 23).

Die Dokumente des Neuen Testaments sagen indes das genaue Gegenteil.

Wenn nun die Basis für die Historiker nicht stimmt fragt man sich natürlich, nach welchen Prinzipien sie die ganze Kirchengeschichte beurteilen - wohl nicht nach christlichen.

Karl-Heinz Vanheiden
D-Hammerbrücke


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