Bibel und Gemeinde
2000-3
Buchbesprechungen

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Kein andrer Name

Thomas Schirrmacher (Hrsg.). Kein anderer Name: Die Einzigartigkeit Jesu Christi und das Gespräch mit den nichtchristlichen Religionen. Festschrift Peter Beyerhaus zum 70. Geburtstag. Nürnberg: VTR, 1999. 532 S. DEM/SFR 68,-- ATS 498,--. ISBN 3-933372-25-9.

Welches Verhältnis hat das Evangelium zu den Religionen? Wie begegnen wir als Christen Menschen mit einem anderen Glauben? Die vorliegende Festschrift bietet eine Sammlung vieler (36!) theologischer Fachbeiträge in deutscher und englischer (3) Sprache zu dieser aktuellen Fragestellung. Denn längst ist die Begegnung mit Anhängern anderer Religionen auch in Westeuropa nahezu alltäglich geworden.

Aus Anlass des 70. Geburtstags von Prof. Peter Beyerhaus haben internationale Missionsexperten aus Lehre und Praxis einen Beitrag zum Thema für diese Festschrift erstellt. Sie ist in 4 Teile gegliedert. Teil 1 widmet sich Peter Beyerhaus als Person. Kritische Anfragen an einige seiner Aussagen aus jüngerer Zeit bleiben nicht unerwähnt ("tripolares Verständnis der Religionen"). Ausserdem findet man eine Beyerhaus-Bibliografie (44 S.) und eine Liste der Dissertationen, die unter ihm abgeschlossen wurde.

Im zweiten Teil finden sich "grundsätzliche Studien zur Frage des Synkretismus." Unter anderem verteidigt der Herausgeber hier das tripolare Verständnis (göttlich-menschlich-satanisch) der Religionen.

Sodann werden - im dritten Teil - anhand bestimmter Religionen (Islam, Urreligionen, Neuheidentum und andere) und geographischer Beispiele (z.B. Afrika, Indonesien, Deutschland) "konkrete Studien zur Frage des Synkretismus" geboten.

"Studien im weiteren Umfeld der Thematik des Synkretismus" schließen das Buch ab.

Die Überzeugungen der Autoren stimmen nicht im Detail überein. So muss die Festschrift als akademischer Beitrag verstanden werden, um Antworten auf die aktuelle Herausforderung zu finden. In diesem Sinn kann es mit einigem Gewinn gelesen werden.

Abschließend seien einige Aufsatztitel aus den 4 Teilen genannt, um den Einblick in diesen Sammelband abzurunden:

Aus Teil 1: "Meine missionarische Pilgerreise (P. Beyerhaus)," "Zur Bedeutung von P. Beyerhaus für die Missiologie (Hans Kasdorf)."

Aus Teil 2: "Das Einheimischwerden des Evangeliums und die Gefahr des Synkretismus (P. Beyerhaus)," "Christian Mission in Our Pluralistic World (Gerald Anderson)."

Aus Teil 3: "Der Islam: 'unverfälschte Urreligion der Menschheit' oder synkretistische Heilslehre? (Christine Schirrmacher)," "Der Islam - eine endzeitlich-verführerische Religion (Eberhard Troeger)," "Der Absolutheitsanspruch Jesu Christi und die neuheidnisch-synkretistische Situation im nachchristlichen Deutschland (Horst Neumann)."

Aus Teil 4: "Das Ende des christichen Abendlandes? Anmerkungen zu Nietzsches Darwin- und D. F. Strauss-Rezeption (Edith Düsing)," "Kaingang Indianer lesen die Bibel (Ursula Wiesemann)."

Steffen Denker
CH-Basel

GenesisDelitzsch, Franz. Neuer Kommentar über die Genesis . TVG. Giessen: Brunnen, 1999. 560 S. DEM/SFR 98,-- ATS 715,--. [Nachdruck der 5. Aufl. 1887]. ISBN 3-7655-9230-7

In der Reihe "Neuherausgabe klassischer biblischer Kommentare" ist nun auch Franz Delitzschs Genesiskommentar (5. Auflage von 1887) erschienen.

Nach dem Geleitwort von Prof. Dr. Siegfried Wagner möchte man mit dieser Herausgabe den heutigen Bibellesern mit den Glaubenszeugnissen bekannt machen, die Delitzsch aus dem Text der Genesis zu erheben verstand, um sie für das eigene Bibelstudium mit Gewinn zu nutzen. Ohne Zweifel finden sich viele tiefgründige geistliche Einsichten in Delitzschs Auslegung. Die Ausgangsbasis seiner exegetischen Arbeit beschreibt er auf S. 37: "Wir werden die Genesis auslegen als Theologen und zwar als christliche Theologen d.h. als Bekenner Jesu Christi, welcher das Ziel aller Wege und Worte Gottes ist." In der Auseinandersetzung mit den kritischen Kollegen ist Delitzschs Vertrauen in die Wahrheit des biblischen Textes zu spüren. Im Gegensatz zu ihnen tritt er immer wieder für die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Genesis ein. Seine Exegese ist streng an dem ihm vorliegenden hebräischen Text ausgerichtet, so dass es dem Leser, der die biblischen Sprachen Hebräisch und Griechisch nicht beherrscht, schwer fallen wird, der Argumentation des Auslegers in allen Einzelheiten zu folgen. Auch ist dieser Kommentar gespickt mit vielen arabischen und lateinischen Vokabeln. Dadurch wird es dem Bibelleser gegebenenfalls einige Mühe bereiten, Delitzschs exegetische Arbeit für das eigene Studium der Bibel zu nutzen. Aber wer dies nicht scheut, dem werden manche Gedanken Delitzschs zum Gewinn sein.

Es sind jedoch auch einige kritische Anmerkungen zu diesem Werk nötig. Problematisch sind vor allem manche Aussagen Delitzschs, die er zur Verfasserschaft der Genesis macht. Z.B. S. 15: "Die Zeugnisse unmittelbarer Niederschrift durch Mose gehen also auf einzelne Teile der Thora, nicht auf die ganze Thora und vollends nicht auf den ganzen Pentateuch." Der Autor hat in der 5. Auflage seine Ergänzungshypothese aufgegeben und mehr die Textanalyse in Form der Quellenscheidung übernommen. Oder S. 97 zum Sündenfall: "Er ist sich bewusst, eine Sage weiterzugeben, welche sich aus dem Stammhause der Menschheit auf die Völker vererbt und da mancherlei Wandlungen erlitten hat. Er gibt sie so wieder, wie sie die Kritik des Geistes der Offenbarung bestanden hat." (Reden der Schlange). Ähnliche Aussagen auf S. 156 in Bezug auf die Sintflutüberlieferung.

Nun gibt es sicher verschiedene Auslegungsmöglichkeiten des biblischen Textes. Dass aber die Überzeugung, die biblischen Schöpfungstage als 24-Stunden-Perioden zu sehen, eine "kindische und alberne Vorstellung" sei, ist doch befremdlich. Einige weitere problematische Aussagen in Stichworten: Die Schrift wurde in Israel erst seit dem Auszug benutzt; es gab schon wilde Tiere vor Adam und dem Sündenfall; die Flut war kein globales Ereignis und anderes mehr.

Dass Delitzsch trotz mancher zeitgemäßen historisch-kritischen Ansichten an der "Wahrheit der biblischen Aussagen" festhält, scheint lobenswert. Unter die Kategorie der bibeltreuen Literatur ist der Kommentar aber sicher nicht zu zählen. Bei allen guten und geistlichen Einsichten sollte er aus den genannten Gründen nur mit Vorbehalt und kritisch benutzt werden.

Volkmar Müller
D-Berthelsdorf

Genfer

Vereinigung für Reformation (Hrsg). Genfer Studienbibel . Holzgerlingen: Hänssler, 1999. 2184 S. DEM 98,-- SFR 93,-- ATS 716,-- (Kunstleder). ISBN 3-7751-1783-0

Die Genfer Studienbibel ist der Mercedes der Studienbibeln auf Deutsch. Keine Studienbibel macht es leichter, den biblischen Text mit den evangelischen theologischen Grundüberzeugungen in Beziehung zu setzen. Die Genfer Studienbibel ist übersichtlich, leicht zu handhaben und zu verstehen, aber von theologischem Schwergewicht. Dafür sprechen vor allem drei Gründe.

1. Sie ist bibeltreu: Die historische Glaubwürdigkeit der biblischen Offenbarung und der biblischen Aussagen über ihre eigene Entstehung werden konsequent dargestellt und verteidigt. Es geht außerdem ausschließlich darum, die biblische Botschaft aufzuschlüsseln, nicht darum, darüber hinausgehende Erkenntnisse zu vermitteln.

2. Sie ist detailliert: In der fortlaufenden Kommentierung der einzelnen Verse im unteren Teil der Seiten werden nicht, wie so oft, vor allem die Verse ausgelegt, die sowieso leicht zu verstehen sind, sondern gerade schwer verständliche Texte und Aussagen aufgeschlüsselt.

3. Sie ist biblisch-theologisch: Schon in den Kommentaren zu den einzelnen Versen wird der Text befragt, welche Grundlagen er für grundsätzliche Lehraussagen bietet. Von dort führt der Weg zu den über die gesamte Bibel verteilten zahlreichen theologischen Kurzartikeln, die knapp und klassisch die Grundlehren der Christenheit formulieren. Da die Bibel in reformatorischer Tradition steht - sie ist benannt nach der Genfer Bibel der Reformationszeit - stehen dabei vor allem die einigenden Grundwahrheiten des Wesens Gottes, des Heils und der Ethik im Mittelpunkt. Der Leser lernt, dass das Bibelstudium zur biblischen Lehre führen soll, aber diese Lehre auch klar aus der Bibel ableitbar sein muss.

Thomas Schirrmacher
D-Bonn


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