Bibel und Gemeinde
2000-2
Buchbesprechungen

Buchbesprechungen


Frauen in Kirche

Andreas J. Köstenberger, Thomas R. Schreiner, H. Scott Baldwin (Hg.), Frauen in der Kirche: 1.Timotheus 2,9-15 kritisch untersucht , Gießen: TVG Brunnen, 1999, 269 Seiten. DM 49,80. ISBN 3-7655-9426-1

Um es gleich vorweg zu sagen: Dem Brunnen-Verlag ist für seine mutige Entscheidung zu danken, dieses hervorragende Buch zu einem "heißen" Thema aus dem Amerikanischen zu übersetzen und für die deutsche Situation zugänglich zu machen. Dies ist das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt, und zwar aus folgendem Grund: In der Frauenordinationsfrage sind auch Evangelikale gerade dabei, biblische Ordnungen dem Zeitgeist und der Mehrheitsmeinung zu opfern. Das Muster ist immer wieder dieses: Zuerst entfernt sich die öffentliche Meinung von biblischen Positionen; dann ziehen liberale Theologen nach, indem sie Sachkritik an den scheinbar nicht zeitgemäßen Schriftaussagen üben; und schließlich kommen auch die Frommen in Gleichschritt mit den anderen, indem sie die widerständigen Bibelworte umdeuten oder als zeitgebunden erklären. Das hier anzuzeigende Buch macht in detaillierter Argumentation deutlich, dass 1.Tim.2,9-15 der Berufung von Frauen in den gemeindeleitenden Hirten- und Lehrdienst deutlich widerspricht, und dass von daher die Stellung zur Frauenordination gerade heute ein Prüfstein der Bibeltreue ist.

Im ersten Kapitel untersucht S.M. Baugh eingehend die religiöse und soziale Situation von Ephesus, dem Wirkungsort des Timotheus. Dass eine besondere "feministische" Herausforderung vor Ort Anlass für 1Tim 2,9ff gewesen sein könnte, lässt sich nicht belegen. Damit ist einem wesentlichen Argument für die Relativierung dieser Bibelstelle kenntnisreich der Boden entzogen.

Das zweite Kapitel (H.S. Baldwin) geht detailliert der Wortbedeutung des griechischen Tätigkeitswortes authenteo (1Tim 2,12) nach. Es wird deutlich, dass es in jedem Fall das "Ausüben von Autorität" bezeichnet. Dies wird vom Apostel den Frauen in der Gemeinde untersagt. Alle (evangelikalen) Umdeutungsversuche scheitern am eindeutigen Sprachgebrauch. Im dritten Kapitel untersucht A. Köstenberger im einzelnen die Satzstruktur von 1Tim 2,12, und darauf aufbauend legt Th. Schreiner im vierten Kapitel eine gründliche Auslegung der Verse 1Tim2,9-16 vor.

Mit aller Deutlichkeit wird klar, dass der Wortsinn dieser Verse darauf zielt, dass Frauen das Lehr- und Leitungsamt in der Gemeinde nicht ausüben sollen, was der Apostel mit Gottes Willen aufgrund von Schöpfungsordnung und Sündenfall (und eben nicht situationsbezogen) begründet. Schreiner setzt sich mit einem weiten Spektrum von liberaler und evangelikaler Literatur auseinander. Nicht überzeugend erscheint mir seine Auslegung der Verse 14 (die Frau sei verführbarer als der Mann) und 15 (an der gut bewältigten Mutterrolle zeige sich die Errettung). Das abschließende fünfte Kapitel von R. Yarbrough ist dagegen wieder außerordentlich aufschlussreich: Es behandelt hermeneutische Fragen zu 1Tim 2,12 und zeigt eingehend, an welchen Faktoren sich entscheidet, ob man zu einer zeitgemäßen "Wunschexegese" kommt oder zu einer tatsächlichen Erhellung der vom biblischen Autor beabsichtigten Textbedeutung.

Diesem Buch ist eine zahlreiche Leserschaft zu wünschen. In einer Zeit, in der es Bischöfinnen, Prälatinnen, Pfarrerinnen, kirchliche und freikirchliche Pastorinnen sowie demnächst auch Predigerinnen gibt, trägt es zur biblisch begründeten eigenen Meinungsbildung bei - und eignet sich zugleich zum Weitergeben an Theologen, die nicht ganz sicher sind, ob die Bibel grünes Licht gibt, sein Mäntelchen in den Wind der Zeit zu hängen, oder nicht.

Helge Stadelmann
D-Gießen


Mayhue, Richard. Dein Glaube hat dich geheilt. Bielefeld: CLV, 1999. 255 S., DM/SFr 16,80 ÖS 123,- ISBN 3-89397-4.

Keinen Moment zweifelt Richard Mayhue daran, dass Gott heilen kann und es auch heute noch tut. "Wer Heilung leugnet, der leugnet Gottes Verheißung und macht Gott zu einem Lügner" (11). Aber die Heiler, die sich insbesondere im Raum der charismatischen Bewegung betätigen, sind für Mayhue vor allem Auslöser großer Verwirrung. Keinen Zweifel lässt er daran, was er von ihrem Tun hält. Da fallen Worte wie "Illusion", "Betrug", "Psychotechnik" und "Satanisches Wirken". Das vorliegende Buch schleudert aber keineswegs plump Dreck auf alle, die behaupten, sie könnten durch Gottes Kraft heilen. Vielmehr hat der Autor geduldig und liebevoll versucht, den behaupteten Heilungen auf den Grund zu gehen. Er hat die Heilungstheologie seit 20 Jahren intensiv untersucht und bei seinen Recherchen beispielsweise das Vertrauen von Benny Hinn erworben. Dieser versprach ihm oft, Informationen überprüfbarer Heilungswunder zu vermitteln. Hinn konnte aber, obwohl er selbst davon überzeugt war, keine einzige geheilte Person vorstellen, die vor der Heilung zweifellos krank und nach dem Wirken von Hinn zweifellos gesund war. Die meisten sogenannten Heilungen der Heiler sind nach Untersuchungen von Mayhue die Folge des Placebo-Effektes, vorübergehende Besserungen oder aber eine Besserung psychogener Erkrankungen, die durch den hohen Erwartungsdruck und die psychologische Wirkung der Heiler bewirkt wurde. Wirkliche Heilungen (Beispiele mit Namensnennungen finden sich im Buch), die auf Gottes wunderbares Handeln zurückzuführen sind, waren allesamt relativ unspektakulär und niemals auf Heilungsveranstaltungen geschehen.

Man könnte die hohen Maßstäbe kritisieren, die R. Mayhue an die untersuchten Heilungen anlegt (sofort, öffentlich, aber nicht auf Heilungsveranstaltungen, vollständig und unbestreitbar, 28-29). Ist denn eine Besserung einer psychogenen Erkrankung nichts Gutes oder prinzipiell nicht von Gott gewirkt? Gewiss, doch! Wer aber antritt in der "Kraft des Heiligen Geistes" Wunder zu wirken, wie Jesus selbst, der muss sich - da ist Mayhue Recht zu geben - an den Maßstäben messen lassen, die die Heilungsberichte in der Heiligen Schrift vorgeben.

Mit dieser Darstellung ist R. Mayhue aber nicht am Ende seiner umfangreichen Untersuchung angelangt. In einem weiteren Teil stellt er den Charakter der alt- und neutestamentlichen Heilungsberichte zusammen und weist nach, dass den heutigen Heilungen durch Heiler der eindeutige Charakter des Handelns Jesu und der Apostel nicht annähernd zukommt. Außerdem findet man in diesem Buch eine gründliche Auslegung aller Bibelstellen, die zur Untermauerung der Behauptung zitiert werden, dass für jeden wahren Christen Heilung versprochen sei. Am Ende steht: "Unsere Untersuchung der Bibel hat gezeigt, dass es keine schriftgemäße Grundlage für einen heutigen Wunderheilungsdienst gibt, welcher direkt durch einen menschlichen Heiler ausgeführt wird" (170). Schließlich gibt Mayhue eine "Biblische Antwort auf Krankheit", in der sowohl die Hoffnung auf Heilung durch Gottes direktes Eingreifen, Gebetserhörung, das Wirken von Ärzten und Medikamenten, als auch der Umgang mit einer andauernden Krankheit berücksichtigt werden. An dieser Stelle wird auch das doppelte Ziel des Buches deutlich: die sogenannten Heiler zu entlarven und ihre Theologie, nach der für jeden erkrankten Christen Heilung verheißen sei, am Wort Gottes zu prüfen, und zweitens Kranken, die sich Heilung wünschen und verwirrt sind, echte Hoffnung zu geben. Sie erschöpft sich nicht in der trügerischen Hoffnung auf Heilung, sondern besteht im Vertrauen auf Gott. Das Buch ist eine echte Empfehlung zu diesem Thema. Es gibt umfassend Auskunft und lässt praktisch keine der Fragen aus, die dem Rezensenten im Zusammenhang mit dem Thema Krankheit und Heilung begegnet sind. Dabei bleibt es nicht in der Analyse und Kritik bestimmter Erscheinungen stecken, sondern schöpft aus dem Reichtum der Heiligen Schrift viele praktische Hilfen. So wird der Gewinn kaum dadurch geschmälert, dass R. Mayhue ausschließlich die amerikanische Situation vor Augen hat. Denn wenn auch in Europa das Auftreten von Heilern längst nicht so massiv und spektakulär wie in Amerika ist, gleichen sich doch die Argumente. Da einige von Mayhue kritisierte Bücher auch den deutschen Buchmarkt erreicht haben, wäre es allerdings besser gewesen, in den Anmerkungen auf die Übersetzungen einzugehen.

Thomas Jeising
D-Homberg/Efze


Zeitzeichen

Gassmann, Lothar. Zukunft Zeit Zeichen: Aufruf zur Wachsamkeit. Bad Liebenzell: VLM, 1999. 104 S. DM/SFr 12,80, öS 93. ISBN 3-88002-694-7.

Der Autor ist der Ansicht, "dass die Wiederkunft Jesu Christi nahe bevorsteht, dass wir also in der 'Endzeit' leben" (S.8). Vielfältige "Zeit-Zeichen", die in der Bibel, besonders in den Endzeitreden Jesu, angekündigt sind, findet er in der Gegenwart verwirklicht. Dazu gehören die Gründung des modernen Staates Israel, die "neue Weltordnung des falschen Friedens", wachsende Vernetzung und Kontrolle, auch durch das Internet, neue Seuchen wie AIDS, die Zunahme von Katastrophen verschiedener Art; falsche Christusse und falsche Propheten, etwa unter Sektengründern, Irrlehren auch im Bereich von Kirchen und Gemeinden, die okkulte Welle, Verfolgung und Verführung von Christen, aber auch positive Zeichen wie neue Fruchtbarkeit in Israel und "den Siegeszug der Weltmission". Er folgert: "Um Zufall könnte es sich vielleicht handeln, wenn ein Zeichen für sich stünde. Wie aber soll man es sich erklären, dass wir heute eine sich immer deutlicher abzeichnende Erfüllung aller Zeichen erleben?! Hier handelt ganz offensichtlich Gott. Hier möchte uns Gott etwas zeigen." (S.88.) Gassmann sieht die biblisch angekündigten Zeitzeichen als erfüllt an und ruft zur Wachsamkeit, um bereit zu sein, wenn Jesus Christus wiederkommt. Dabei verzichtet er auf jede Berechnung des Zeitpunkts. Auch wenn mir manche Passagen (etwa über das Internet und den Zehn-Staaten-Bund) spekulativ erscheinen (was der Autor aber selber sagt!), so ist das Buch doch insgesamt von biblischer Nüchternheit gekennzeichnet. Gleichzeitig spürt man, dass es mit viel Liebe und Engagement geschrieben ist, um Menschen von falschen Wegen zurück- und auf die Seite des Siegers Jesus Christus zu rufen. Das wird insbesondere im letzten Teil deutlich, wo unter der Überschrift "Was tun?" zehn Verhaltensstrategien entfaltet werden, um gerettet durch die letzte Zeit zu gelangen. Das gut verständliche Buch trifft genau den Nerv unserer Zeit und liest sich "spannend wie ein Roman." Ich empfehle es sehr.

Winfried Meißner
D-Kieselbronn


Panorama

Thiede, Carsten Peter und Arnold, Jon. Panorama des Heiligen Landes. Basel, Giessen: Brunnen, 1999. 80 S. 33x21cm geb. DM/SFr 39,80, öS 291. ISBN 3-7655-6369-2.

Noch ein Bildband über Israel? Ja! Und zwar einer von besonderem Format. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen: Der Reiz des Buches liegt in den doppelseitigen Breitbandaufnahmen des Fotografen Jon Arnold (geb. 1967) im 6x9-Format. Von Nazareths Hügeln bis Bethlehems Fluren, vom See Genezareth bis zum Toten Meer und anderen Plätzen gestattet die verwendete Aufnahmetechnik bislang unbekannte, eindrückliche Panorama-Ansichten der biblischen Schauplätze. Abwechslungsreich wird dem Leser und Betrachter die Farb- und Formenvielfalt des Heiligen Landes auf eine - mir bisher unbekannte - neue Weise vor Augen geführt. Der anglikanische Bischof von Jerusalem, Riah Abu El-Assal, hat dem Buch ein kurzes Vorwort gegeben; die jeweils zweiseitigen Kurztexte stammen von dem (im November 1999 zum anglikanischen Diakon ordinierten) deutschen Historiker und Papyrologen Carsten Peter Thiede. "Sie sind knappe Einführungen ... und erfüllen ihren Sinn, wenn sie dazu anregen, die Bibel in die Hand zu nehmen und nachzulesen" (S. 7).

In diesem Sinn sei das vorliegende schöne Buch als optischer Begleiter und Erklärer zum Schriftstudium gern empfohlen.

Steffen Denker
CH-Basel


BibleWorkshop

BibleWorkshop Pro 4.0. Computer-Bibelprogramm mit Studienbibliothek. Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg und Christliche Literatur-Verbreitung Bielefeld, CLV/CV 1999. 98,- DM. Systeme: Win 3.x oder Win 95/98/NT oder MacOS 8.

Ganz bestimmt wird der Computer das Buch der Bücher in konventioneller Form nicht verdrängen. Nach wie vor nehme ich die Bibel in die Hand um über Gottes Wort nachzudenken. Trotzdem möchte ich auf die vielen Vorteile eines Computerbibelprogramms beim Bibelstudium nicht verzichten. Sei es zur Vorbereitung einer Predigt, einer Jugendstunde oder einfach um für bestimmte Anlässe passende Schriftstellen zu suchen.

Seit einigen Jahren arbeite ich bereits mit dem BibleWorkshop und bin recht begeistert. In der Grundversion des Programms befinden sich bereits mehrere deutsche Bibelübersetzungen, darunter die Luther und die Elberfelder. Leider stehen dem Einsteiger nur die unrevidierten Ausgaben zur Verfügung. Die revidierten Bibeln oder auch moderne Übersetzungen kann man sich gegen einen Aufpreis anschaffen.

Es gibt einige Dinge die mir besonders wertvoll am BibleWorkshop erscheinen.

Zum Beispiel behält jede Bibelübersetzung, egal ob revidiert oder unrevidiert, die originäre Verszählung bei. Das finde ich sehr nützlich, gerade wenn ich mit verschiedenen Übersetzungen in den Psalmen arbeite.

Außerdem legt das Programm beim Installieren der Bibelübersetzungen für jede Bibelversion eine eigene Konkordanz an. So kann ich auch nach speziellen "Luther-Begriffen" suchen.

Sehr interessant sind die vielen verschiedenen Kommentare und Nachschlagewerke in deutscher und englischer Sprache, die bereits in der Basis-Version enthalten sind und die zum intensiven Forschen geradezu einladen.

Für diejenigen, deren Englischkenntnisse nicht mehr so gut sind, die aber trotzdem die mitgelieferten englischen Bücher nutzen wollen, wird ein Übersetzungsprogramm in der Basisversion mitgeliefert. Ein Mausklick auf das englische Wort und schon wird die deutsche Übersetzung angezeigt.

Viele Befehle im BibleWorkshop sind konform zu Windows, d.h. ich brauchte nicht viel zu lernen, da ich die meisten Windowsbefehle schon kannte.

Und so arbeite ich mit dem Programm:

Ich öffne eine Bibeltext und lasse mir vielleicht mehrere Übersetzungen parallel anzeigen. Dann stelle ich noch einen Kommentar daneben und brauche jetzt nur noch mit dem Mauszeiger über den Bibeltext zu fahren und schon öffnet sich der Kommentar an der richtigen Stelle. Das gleiche passiert, wenn ich z.B. ein Lexikon aufschlage. Berühre ich in der aufgeschlagenen Bibel einen Begriff, der im Lexikon enthalten ist, dann öffnet sich dieses beim entsprechenden Eintrag. Jetzt kann ich Bibeltexte oder Aussagen aus den Kommentaren und/oder Nachschlagewerken in meine Textverarbeitung übernehmen.

Es wäre nützlich, wenn man die in den Büchern oder Bibeln ausgewählten Texte direkt, d.h. ohne den Umweg über die Zwischenablage, in die Textverarbeitung übernehmen könnte und nicht so viele Leerzeilen dabei mitschleppen müsste.

Die Verweisstellen in den Kommentaren und Nachschlagewerken sind als sogenannte Hyperlinks angelegt. Die Bezeichnung hängt mit der Internet-Sprache HTML zusammen. Alle Bücher sind in dem Format angelegt. Die Hyperlinks kann man anklicken und sofort wird die entsprechende Bibelstelle in einem kleinen Fenster angezeigt. Die Suchfunktionen sind nicht nur auf die Bibelübersetzungen beschränkt, sondern funktionieren auch in allen eingebundenen Büchern.

Eigene Predigten oder Bibelarbeiten kann man dank HTML ohne Programmierkenntnisse in den BibleWorkshop einbinden und ebenfalls mit Hyperlinks usw. versehen.

Natürlich kann ich beliebig viele Verse aus den Bibeln oder Abschnitte aus den Büchern in die Textverarbeitung holen um sie für mein Manuskript zu verwenden.

Was mir besonders viel Freude macht ist die Möglichkeit auch Bilder und Tabellen aus allen Büchern zu übernehmen. Dort kann ich sie bearbeiten und z.B. auf Folien ausdrucken, um sie als Anschauungsmaterial für die Predigt oder die Kinder/Jugendstunde zu nutzen.

BibleWorkshop ist trotz der Fülle des Materials auf der Basisversion erstaunlich preiswert. Auch die Zusatzmaterialien, die man sich individuell zusammenstellen kann, sind erschwinglich. Eine jetzt schon sehr umfangreiche Bibelstudien-Bibliothek, die, wenn man den Ankündigungen glauben darf, fortlaufend erweitert wird.

Man findet BibleWorkshop auch im Internet. Dort gibt es unter anderem ein Anwenderforum um sich mit anderen "BibleWorkshoppern" auszutauschen, als auch kostenloses Material zum Herunterladen. Hier die Internetadressen die mit dem BibleWorkshop zu tun haben:
http://www.bibleworkshop.de (die offizielle BibleWorkshop-Seite)
http://www.tqb.de (die Informationsseite für das griechische Studienpaket "Textquellenbibel").

Rudi Joas
D-Monheim


Bibel lehrt

Waugh, George. Jakobusbrief. Vanheiden, Karl-Heinz. Jakobus der Gerechte. Geschichte der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem. CV-Kommentar-Reihe NT Was die Bibel lehrt, Bd. 14. Dillenburg: CVG, 1999. 100 S und 175 S. DM/SFr 34, 80, öS 254. ISBN 3-89436-093-3.

Zwei Bücher in einem! Was sich da als 14. Band der CV-Kommentarreihe zum Neuen Testament präsentiert, ist in Wahrheit einesteils eine textorientierte Auslegung des Jakobusbriefs, und andernteils eine Art Biografie des (Halb-) Bruders Jesu, Jakobus, des nämlichen Autors. Dabei nimmt der umsichtige Lebensbericht beinahe doppelt so viel Platz in Anspruch wie der eigentliche Kommentar. Aber durchaus nicht zum Nachteil des Gesamtwerkes.

Die ersten 100 Seiten sind aus dem Englischen übernommen und stammen aus der Feder von George Waugh. Sprachliche und theologische Fragen werden von ihm ebenso aufgegriffen wie Probleme aus der Umwelt der Briefempfänger. Aber auch praktische Anwendungen auf das heutige Christenleben kommen nicht zu kurz. Der brüdergemeindliche Hintergrund ist dabei, wie zu erwarten, unverkennbar.

Nach einer kurzen Einleitung und Bibliografie erfahren wir zu Vers 1, dass es sich bei den Adressaten ("zwölf Stämme in der Diaspora") um jüdische Christen handle, die wahrscheinlich aus Jerusalem (Israel) vertrieben worden seien. Aus der Verbindung des christlichen Zeugnisses mit der jüdischen Versammlungsstätte sei so auch der Gebrauch des Wortes "Synagoge" (2,2) zu erklären (S. 49).

In der Frage des Zusammenhangs von "Glauben und Werken" (Jak 2) stellt der Verfasser lediglich fest, "dass sie sich ... ergänzen (S. 56)." Auf die wichtige Auseinandersetzung der Zuordnung von "Rechtfertigung aus Glauben" (Römer) und der "Werke des Glaubens" (Jakobus) geht Waugh leider weder exegetisch noch theologisch oder theologiegeschichtlich ein. Das wäre auch für seine Leser interessant gewesen!

Zum Gebet für Kranke Jak 5: Richtig erkennt der Ausleger die Salbung dort "als untergeordnete Handlung" mit medizinischem Aspekt (S. 97). Er überträgt dann das Gebet der Ältesten und ihre Handlung am Kranken: "Weder die natürlichen Mittel noch das Gebet sollte man verwerfen (S. 98)." Was wir heute in punkto Krankensalbung unternehmen sollen, verrät uns Waugh allerdings nicht.

Spannend zu lesen ist die "biografische" zweite Hälfte des hier zu besprechenden Bandes. Karl-Heinz Vanheiden malt das Lebensbild des Jakobus vor großem Hintergrund: Über die politischen, religiösen und familiären Umstände zur Zeit der Geburt Jesu, reicht die Szenerie über die nazarenischen Kindheitstage hin zur Auferstehung Christi (einschließlich "Osterharmonie!), seiner Himmelfahrt und den Pfingstereignissen. Und weiter in die Entstehung der Urgemeinde, ihre Konflikte und die Verfolgung. Wir werden durch die Ereignisse der Apostelgeschichte und darüber hinaus geführt, bis zur muslimischen Eroberung Jerusalems 636 n. Chr.

Jakobus, der Herrenbruder, hat seinen Platz darin als bewährter Führer durch die turbulenten Anfangsjahre der Gemeinde von Jerusalem. Vanheiden bemüht sich um verständliche Darlegung und gibt dem Leser durch die Quellenangaben - meines Erachtens nicht an jeder Stelle in genügendem Ausmaß - die Gelegenheit, das Gesagte zu überprüfen.

In der Tat nehmen die Ereignisse um Jakobus herum (wie im Untertitel angedeutet) mehr Raum ein als die Darstellung seiner Person selbst. Aber wie lohnend ist es, diese 173 Seiten zu lesen! Ihr großer Wert besteht - nicht in der Präsentation neuer Erkenntnisse, sondern - in der geschickten Zusammenfassung der Ereignisse! Der Leser wird fortan die Evangelien und die Apostelgeschichte in wirklich deutlicheren Zusammenhängen lesen können. Wenn der Autor - Schriftleiter der vor Ihnen liegenden Zeitschrift - in seiner Einleitung mit diesem Satz seine Stossrichtung angegeben hat: "Wer die Menschen der Bibel verstehen will, muss sich ihre Umwelt ansehen und sich mit ihrer Geschichte beschäftigen ..." -, dann dürfen wir konstatieren: "Unternehmen gelungen."

Abschließend sei dankend auf das Register hingewiesen, dass sich unter der Überschrift "Glossar" verbirgt und auf das Verzeichnis der verwendeten deutsch- und englischsprachigen Literatur.

Steffen Denker
CH-Basel


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