2000-1 | Buchbesprechungen |

Das Seelsorgebuch ist in vieler Hinsicht ungewöhnlich. Es greift mutig "heiße Eisen" an, es ist biblisch fundiert, es verzichtet auf die heute übliche seichte psychologisierende Selbstannahmetour, es ist trotzdem mit Liebe geschrieben, es ist für Frauen bestimmt und es wurde von einer Frau verfasst, die Wert darauf legt, sich ihrem Mann unterzuordnen.
Sylvia Plock, Jg. 58, Mutter von zwei Kindern, sieht ihre besondere Aufgabe beim Aufbau einer neuen Gemeinde an der Seite ihres Mannes in der Seelsorge an Frauen. Wie sie durch diese Arbeit in mehreren Schritten zu dem Buch geführt wurde, berichtet die Autorin im ersten Teil ihrer Vorbemerkungen. Die Antworten auf die beiden anderen Fragen in den Vorbemerkungen sind unbedingt lesenswert: Warum sind die Ausführungen an Frauen gerichtet? Dürfen Frauen seelsorgerliche Dienste an Männern tun?
Das gut gegliederte Buch gibt in seinem ersten Teil in fünf Kapiteln Auskunft über die theoretischen Grundlagen der Seelsorge.
Dabei versucht die Autorin alle ihre Aussagen aus der Schrift zu begründen und zwar vom Begriff der Seelsorge angefangen bis zu der Art der Seelsorge mit der Spannung zwischen Liebe und Wahrheit.
Der zweite Teil, der stark von Jean Gibson und William MacDonald angeregt wurde, stellt in zehn kurzen Abschnitten die Seelsorge des HERRN an einzelnen Beispielen vor und vermittelt hilfreiche Denkanstöße für die heutige Beratung, die ja häufig in die Spannung zwischen Liebe und Wahrheit gerät.
Der Hauptteil des Buches mit mehr als 150 Seiten durchpflügt zehn Spannungsfelder, die mit dornenreichem Gestrüpp bewachsen sind. In jedem Kapitel stellt die Autorin zunächst die biblischen Wahrheiten vor. Daraus abgeleitet folgen ihre Ratschläge, die in einige Kernsätze münden. Erst dann werden jeweils einige (sowohl positive als auch negative und meist selbst erlebte) Fallbeispiele angehängt, die das Gesagte gut veranschaulichen.
Es werden Spannungsfelder wie die Freundschaft oder Ehe mit einem Ungläubigen, das Zusammenleben von Christen ohne Trauschein, die biblische Stellung der Ehefrau, der Mutter, Scheidung und Wiederheirat, das Prinzip der Absonderung, das Verhalten gegenüber Sektierern oder der Obrigkeit, aber auch das Problem der Gemeindezucht oder der Umgang mit alternativen Heilmethoden angegangen.
Bei einigen Kapiteln des Buches finden sich am Schluss Literaturempfehlungen.
Der Ehemann der Autorin, der Leiter der Konferenz für Gemeindegründung, bejaht die Arbeit seiner Frau und stellt dem Buch ein kurzes Wort voran.
Schade, dass in der Titelgestaltung das Anliegen der Arbeit, nämlich die Seelsorge an Frauen, fast untergeht.
Auf jeden Fall sollte man diesem vorbildlichen Seelsorgebuch, das die Probleme so wohltuend anders und erfrischend biblisch angeht, eine weite Verbreitung - nicht nur unter Frauen - wünschen, auch wenn man in dem einen oder anderen Beispiel (hoffentlich biblisch begründet) anders entschieden hätte.

Bewährte Literatur in neuer Form. Neben das gedruckte Wort stellen die christlichen Verlage zunehmend auch die elektronische Information. Mit der Herausgabe dieser CD-Rom hat der Hänssler-Verlag bewährte Studienliteratur für den Computerbenutzer aufgearbeitet: die Bibel in der Schlachterübersetzung, dazu die 10.000 Seiten des Edition C Bibelkommentars zum Neuen Testament (Hrsg. Gerhard Maier), den informativen und übersichtlichen Kommentar zum Alten und Neuen Testament (geschrieben von Professoren der Dallas-Fakultät) sowie das bekannte Jerusalemer Bibellexikon mit seinen ca. 800 Bildern. Dazu kommen Landkarten (zur Thompson Studienbibel) und Videos zu biblischen Stätten.
Der Vorteil des neuen Mediums liegt vor allem in der Verbindung der einzelnen Komponenten. Der Bibelleser kommt von einer Stelle aus zu den biblischen Parallelstellen, zu den betreffenden Kommentaren und Lexikonartikeln. Die gewünschten Informationen sind auf diese Art schnell zu finden. Der Benutzer kann auch nach Begriffen suchen. Gibt er beispielsweise das Stichwort "Jerusalem" in der Textsuche ein, kann er im Bibeltext, in den Kommentaren und im Lexikon danach suchen. Im Modus Bildsuche erhält er auch die Bilder im Jerusalemer Bibellexikon, Landkarten und Videoclips zum Suchwort "Jerusalem." Der Inhalt dieser CD ist nicht neu, er ist bereits aus den Hänssler-Veröffentlichungen bekannt. Wer die gespeicherten Bücher bereits besitzt, wird sich überlegen müssen, ob er diese Anschaffung tätigen möchte. Für den neuen Benutzer bietet die CD-Rom auf jeden Fall eine preiswerte und lohnende Gelegenheit, die gute Bibelliteratur zu erstehen und von den Vorteilen des elektronischen Mediums zu profitieren. Ein CD-Rom-Laufwerk und eine gute technische Ausrüstung (Windows 95/98 oder Windows NT 4.0, Pentium, 16MB freier Hauptspeicher, 100MB freier Festplattenspeicher und ein Soundsystem) bilden die Voraussetzung für die Nutzung dieser Bibelstudienhilfe.

Sicher gibt es andere und ausführlichere Behandlungen des Themas "Schrifthaltung in den lutherischen Bekenntnisschriften", aber wohl kaum eine, die so schlicht, klar und kenntnisreich auf die entscheidenden Punkte aufmerksam macht, wie die vorliegende Broschüre. Der Autor war mehr als 30 Jahre Dozent für Systematische Theologie am Lutherischen Theologischen Seminar der Evangelisch-Lutherischen Freikirche in Leipzig. Als solcher legt er Wert auf das Herausstellen der Schrifthaltung "unseres Bekenntnisses". Weil die lutherischen Bekenntnisschriften aber Lehrgrundlage für die meisten Evangelischen Landeskirchen sind, ist die vorliegende Untersuchung eine gute Argumentationshilfe für alle Bibeltreuen in den Landeskirchen. Bischöfe, Pfarrer, Synodale und Kirchenvorstände erklären doch sämtlich ihre Treue gegenüber den Bekenntnissen der Kirche. Weil die Bekenntnisschriften keinen ausdrücklichen Artikel zur Heiligen Schrift enthalten, wird immer wieder das Argument vorgebracht, eine Lehre zur Heiligen Schrift habe es bei den Reformatoren nicht gegeben und sie sei auch heute nicht von Belang. Dieses Argument kann G. Wachler eindeutig widerlegen. Er sieht zwei andere Gründe für das Fehlen eines Lehrartikels über die Heilige Schrift. Erstens ist die Heilige Schrift nicht irgendein Teil der Lehre, sondern "die Vorraussetzung, der Grund und die Quelle aller rechten Lehre," und zweitens gab es zur Zeit der Entstehung keinen Anlass zu einem solchen Artikel, weil "die Autorität und normative Geltung der Schrift in der Christenheit damals nicht öffentlich bestritten" wurde (26-27).
In einem ersten Schritt zeigt G. Wachler auf, in welchem Verhältnis die Rede vom Evangelium in den BSLK zur Bibel steht. Evangelium meint nicht nur die Botschaft von der Rettung durch Jesus Christus, sondern praktisch die ganze Bibel im Blick darauf, dass Gott sie zu unserem Heil und Rettung gegeben hat. Es ist also deutlich ein Fehlschluss, wenn unter "Evangelium" einfach die moderne Verkürzung "Gott meint es gut mit uns" verstanden und dann die Bibel gegenüber dem Evangelium herabgesetzt werde.
Im zweiten Schritt macht G. Wachler deutlich, wie die BSLK begründen, dass die Bibel auch Quelle und Norm der kirchlichen Lehre sein muss: Gott ist ihr Autor und die ganze Schrift von Gottes Geist inspiriert.
Im dritten Kapitel möchte das Heft über die Aussagen der Bekenntnisschriften aufzeigen, wie die Heilige Schrift die kirchliche Lehre normieren soll. Das geht, wie Wachler herausarbeitet, nicht auf dem Wege der Sanktionierung eines kirchlichen Pluralismus, sondern nur im Ringen um die Wahrheit auf der Grundlage der Heiligen Schrift und nötigenfalls in der Trennung von Lehrern, die auf ihrer schriftwidrigen Meinung bestehen und die Kirche "zu einem Sprechsaal aller möglichen und unmöglichen Meinungen" (50) machen. "Gilt aber in einer Kirche nicht mehr die ganze Schrift als irrtumsloses Gotteswort, dann wird - dafür sorgt der Teufel schon - bald als Evangelium erklärt, was gar keines ist und vom wirklichen Evangelium ein Stück nach dem anderen abgebrochen. ... Aber was dann bestenfalls übrig bleibt, ist die Botschaft von einem lieben Gott, der jeden annimmt, wie er ist (natürlich ohne Buße), was uns der Mensch Jesus lediglich mitgeteilt habe. ... Das ist ein selbst gemachter Trost, der niemanden rettet vom Gericht" (46). Mit einer klaren Argumentation und vielen Zitaten aus den Bekenntnisschriften bietet das Heft ein gute Hilfe für die nötige Auseinandersetzung um die Schrifthaltung im kirchlichen Raum.

In vier übersichtlich gegliederten Hauptabschnitten setzt sich Kessler mit verschiedenen historischen und aktuellen Varianten von Gottesbeweisen auseinander, um sie dann mit den biblischem Grenzen der Beweisbarkeit Gottes zu konfrontieren: Nachdem er in knapper Form die wesentliche Entwicklungslinie der abendländischen Gottesbeweise von Anselm von Canterbury über die fünf Wege Thomas von Aquins, Calvins, Descartes, Pascals bis zu Leibniz nachgezeichnet hat, schließt er seinen historischen Diskurs mit der Darstellung der seit Kant zunehmenden Skepsis (35ff) den Gottesbeweisen gegenüber, die in der katholischen Theologie durch die thomistische Gleichsetzung von Verstand und Glauben überwunden werden; in der protestantischen Theologie dieses Jahrhunderts aber zu der Einschätzung führe, "... sämtliche Gottesbeweise seien von Kant überzeugend widerlegt und können somit als Irrweg der Apologetik ad acta gelegt werden (16f)." Der bekannte amerikanische Apologet Van Til kommt wie Barth, der die Apologetik generell ablehnt, zu der Einschätzung, dass Gottesbeweise "nur für endliche Götter" taugen (46).
In den vergangenen Jahrzehnten beobachtet Kessler eine Renaissance der Gottesbeweise, an der sich zunehmend auch Philosophen und Naturwissenschaftler beteiligen. Drei auch in Fachkreisen bekannte Ansätze greift Kessler heraus:
1. Den Versuch Robert Meyers nach dem Kausalitätsbeweis des Thomas von Aquin, der die letzte Ursache allen Geschehens auf Gott zurückführt. Kessler begrüßt diesen Ansatz, weist aber zurecht auf die Problematisierung eines strengen Kausalitätsprinzips in der modernen Naturwissenschaft hin (57f).
2. Die Behauptung, Werner Gitts, dass jede Information, als geistige Größe, einen intelligenten Sender haben müsse, wird von Kessler aufgenommen, aber dahingehend relativiert, dass er diese Aussage in hohem Grad wahrscheinlich, nicht aber für eindeutig nachweisbar hält.
3. Besonders überzeugend und zeitgemäß erscheinen Kessler die Überlegungen Richard Swinburnes, der die Wahrscheinlichkeiten verschiedener christlicher Aussagen zur Wirklichkeitserklärung miteinander kombiniert und sie dadurch einer atheistischen Erklärungsvariante als überlegen erweisen kann. In zahlreichen Unterschritten kann Swinburne die größere Erklärungskapazität und Einfachheit einer Ursachenerklärung, die eine "Person" einschließt, gegenüber einer ausschließlich von Naturgesetzen ausgehenden Variante aufzeigen (64-74). Außerdem modernisiert er das kosmologische und das teleologische Argument für die Existenz Gottes aus der Existenz von Kosmos, Zeit und Ordnung.
Im Folgenden gelingt es Kessler, in aller Kürze wesentliche erkenntnistheoretische Ergebnisse unseres Jahrhunderts im Bezug auf seine Problematik darzustellen und aufzuzeigen, dass es kein "voraussetzungsloses Wissen" gibt. "Wissen ist immer eingebettet in einen Glauben" (86). Demnach könne der Mensch Gott nie allein aus der Vernunft beweisen, sondern höchstens die Übereinstimmung biblischer Aussagen mit erkennbarer Wirklichkeit feststellen. Im letzten Hauptteil bespricht Kessler die in der Bibel genannten Möglichkeiten einer natürlichen Gotteserkenntnis. Dabei diskutiert er ausführlich den Text von Römer 1,19-21 und kommt zu dem Schluss, dass Gott die Menschen mit der natürlichen Vernunft zur Erkenntnis der Spuren seines Handeln ausgerüstet hat. "Es sind also nicht Spuren, die ein Täter unbeabsichtigt bei der Tat hinterlässt, sondern Wegweiser, die Gott absichtlich zur Orientierung hinstellt." (99)
Gottesbeweise hingegen sind nach Kessler a) blasphemisch, weil sie Gott zwingen wollen sich zu offenbaren, führen b) nicht zum biblischen Gott, weil maximal die schlichte Existenz eines höheren Wesens bewiesen werden kann, führen c) nicht zur notwendigen Ehrfurcht. Sie ignorieren d) Gottes Selbstoffenbarung, gehen e) fälschlich von einer autonomen, neutralen Vernunft aus und können f) keine echte Gewissheit vermitteln, die nur Gottes Geist geben kann.
Trotzdem resümiert Kessler: "Es gibt meines Erachtens keinen überzeugenden theologischen Grund, Gottesbeweise abzulehnen." (113) Allerdings können sie Gott nicht beweisen, sondern lediglich die "Vernünftigkeit des Christentums" (118) gegenüber Glaubenden und Nichtglaubenden aufzeigen. Das Buch ist gemessen an der anspruchsvollen Thematik verständlich geschrieben, mit genügenden Quellenangaben zur kritischen Überprüfung versehen und durch erklärende Grafiken ergänzt. Zahlreiche aussagekräftige Zitate belegen die Aussagen des Autors. Die von Kessler vorausgesetzten Kenntnisse der Mathematik werden die meisten Leser überfordern. Durch die in der persönlichen Interessenslage des Autors begründete Betonung der mathematischen Aspekte der Diskussion treten geisteswissenschaftliche Argumentationen unnötig in den Hintergrund. Auch kommen breitenwirksame Publikationen von Tippler, Löw & Co. mit ihren häufig benutzten Argumentationen in der Darstellung deutlich zu kurz. Auch wenn es nicht der Hauptstossrichtung des Autors entspricht, wäre ein kurzer Verweis auf die seelsorgerliche Komponente der Frage nach der Existenz Gottes wünschenswert.
Das Buch eignet sich meines Erachtens nicht so sehr zur Weitergabe an Menschen, die an der Existenz Gottes zweifeln, als vielmehr zur knappen Information am Thema interessierter Christen, die auch keine Auseinandersetzung mit anspruchsvollen, philosophischen, mathematischen und naturwissenschaftlichen Gedankengängen scheuen. Begrüßenswert sind die ausführlichen Literaturhinweise, bei denen der interessierte Leser auf weitere lesenswerte Bücher zum Thema stößt. Dass bei einer Masterarbeit die gesamte benutzte Literatur angegeben wird, ist zu erwarten, bei der vorliegenden Buchausgabe wäre eine Beschränkung auf die unmittelbar problembezogenen Publikationen für den Leser wahrscheinlich hilfreicher und übersichtlicher gewesen. Insgesamt ist das Buch mit seiner geistig anspruchsvollen Thematik und klarer biblischer Ausrichtung für den überdurchschnittlich intellektuell interessierten Christen sehr empfehlenswert.