2000-1 | Editorial |
Man redet wieder über Evangelisation in unserem Land. Selbst Kirchenleitungen, die unter dem Evangelium etwas wesentlich anderes verstehen als das Neue Testament haben scheinbar begriffen, dass Evangelisation und Kirche zusammen gehören. Damit ist natürlich noch nicht klar, welche Ziele sie dabei verfolgen. Wenn im Zentrum der Evangelisationspredigt nur noch Tipps zur glücklicheren Lebensbewältigung zu stehen kommen, müssen auf jeden Fall große Fragezeichen gesetzt werden..Absatz
Unter den Evangelikalen scheint man sich bei den Zielen zwar einigermaßen einig zu sein, aber der Streit um die richtigen Methoden ist umso heftiger entbrannt. Bekannte Stichworte dafür sind immer noch "Willow Creek" und "ProChrist".
Auf der einen Seite hat man den Eindruck, dass viele evangelistische Bemühungen dem Trend der Zeit folgen und versuchen mit Spaß und Spiel und mit den Methoden des Marketing Menschen einer bestimmten Zielgruppe in den Saal locken. Dort wird dann für Unterhaltung gesorgt und gute Stimmung gemacht, um die psychischen Blockaden der Hörer zu umgehen und sie zu einer Entscheidung für Christus zu gewinnen.
Auf der anderen Seite schwört man auf alt bewährte Methoden und wenn sich niemand bekehrt, dann ist eben der "harte Boden" daran schuld. Konservative Kreise huldigen häufig einer apokalyptisch gefärbten Technik- und Medien-Feindlichkeit. Dabei prüfen sie nicht so sehr an der Schrift, sondern mehr an der eigenen Tradition. Doch ist alles Neue ist schon deshalb schlecht, weil es neu ist? Wird das Evangelium durch Anpassung an die Kultur in Frage gestellt? Andererseits: Was tut Gott bei der Evangelisation und was will er von uns?
Der Bibelbund will sich im 100. Jahrgang seiner Zeitschrift den Fragen der Evangelisation stellen. Deshalb veranstaltet er seinen nächsten Kongress zu dem Thema: Biblisch Gemeinde bauen: "Management oder Dienst der Versöhnung?"
Vom 19.-21. Mai sind Sie herzlich nach Bietigheim-Bissingen eingeladen. Beachten Sie bitte den beiliegenden Prospekt, von dem Sie im Sekretariat gern noch mehr anfordern können.
Schon in diesem Heft finden Sie drei Aufsätze, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Thomas Schirrmacher untersucht von der Schrift her die Frage nach der kulturellen Anpassung des Evangeliums. Wolfgang Nestvogel und Helge Stadelmann nehmen pointiert Stellung zu "ProChrist 2000".
Aber natürlich wollten wir das Jubiläum unserer Zeitschrift nicht nur zum Anlass nehmen, das Layout etwas zu renovieren, sondern auch die Geschichte unserer Zeitschrift in einem eigenen Aufsatz zu präsentieren.